VON HANNAH TRAPP UND MANFRED WELKER

Eine Kirchweih hält sicher viele schöne Momente und Stunden für jedermann bereit. Sei es das erfrischende Bier für die Erwachsenen oder das Lebkuchenherz für die Kleinen. Doch einen gemeinsamen Höhepunkt für das ganze Dorf bildet das Aufstellen des Kerwabaums. So war es auch am Samstag in Oberreichenbach.
Schon am Morgen um 9 Uhr machten sich die jungen Männer vom Ortsburschen- und Ortsmadle-Verein Oberreichenbach auf, um die Fichte zu holen, welche später der Kerwasbaum werden sollte. Stolze 24 Meter ist sie hoch. Nur wenige Stunden später fanden sich auch die Mädels in der Schulstraße ein.
Es war ihre Aufgabe, den Baum und seinen Kranz reichlich mit bunten Farbbändern zu schmücken, während die Jungs und Männer noch damit beschäftigt waren, die Fichte zurecht zu sägen und an den kleinen Traktor anzuhängen.
Nebendran arbeitete der Nachwuchs: Auch die kleinen Ortsburschen wollen schließlich ihren geschmückten Baum aufstellen. Bei ihnen reicht ein Bollerwagen zum Transport. Nachdem die Arbeit getan war, stärkten sich alle mit Semmeln und Getränken, und um 15 Uhr sollte es dann losgehen. Nicht nur von sommerlich warmen Temperaturen, sondern auch von der Musikkapelle Aurachtal begleitet begann der Zug.
Langsam näherte sich die Gemeinschaft dem Kerwasplatz, wo die Zuschauer bereits gespannt warteten. Kaum angekommen folgt die schwierigste Aufgabe, denn der Baum muss aufgestellt werden. Über 30 starke Männer und Jungs versuchten mit den extra dafür gebauten Vorrichtungen, ihren Baum auf seinen Platz zu bringen. Das ist gar nicht so einfach und blieb bis zum Schluss spannend. Die Burschen an den Stützen sehen gar nicht richtig, wie sie laufen und schieben müssen. Dafür wurde einer von ihnen extra eingesetzt. Er lief zwischen den Vorrichtungen hindurch und gab Anweisungen.
Besonders durch die Schwüle und die harte Arbeit gerieten die Männer schnell ins Schwitzen. Zum Glück versorgten einige Ortsmadle ihre Burschen mit erfrischendem Bier und Radler. Ebenfalls bedient wurden die fleißig spielenden Musikanten. Während der Baum in Position gebracht wurde, gab es auch die begehrte Kerwaszeitung zu erwerben. Nach etwa 45 Minuten war es geschafft: Der Baum stand.
Jedoch wartete ein Problem, denn der Kranz hatte sich fest gehangen und hing schief am Baum. So konnte es nicht bleiben und deshalb erklärten sich zwei der Jungen nochmal bereit, mit einem Teleskoplader nach oben zu fahren und ihn zu richten. Nicht nur die Großen mussten schuften, sondern auch die Kleinen wandten alle Kraft auf, um ihren eigenen Baum neben dem großen aufzustellen. Mit ein bisschen Unterstützung standen bald beide Bäume und damit begann die Baumwache. Der Kerwasbaum ist schließlich der ganze Stolz der Kerwasburschen und des ganzen Dorfes. Hier darf kein anderes Dorf die Rinde entfernen, das würde die ganze Oberreichenbacher Kirchweih demütigen. "Unser Baum wird nicht geschält", versprachen die Wächter.
Allen Grund, zufrieden zu sein, haben die Oberreichenbacher aber schon seit Freitag. Bei den Spielen zwischen den Ortsburschen machte das Team "Oberreichenbach Alt" den ersten Platz und lag damit vor Neundorf, Wilhelmsdorf und der eigenen Jugend "Oberreichenbach Jung". Das durfte anschließend ruhig ordentlich gefeiert werden. Dafür ist extra eine vom eigenen Bauhof zur Verfügung gestellte Partyhütte aufgebaut, wo Bier, Hugo und ein kleiner Schnaps nach getaner Arbeit auch am Samstag noch besser schmeckten.
Die beiden Wirtshäuser um den Kerwasplatz herum waren ebenfalls bestens besucht, und die gesperrte Straße mit ihren kleinen Buden wurde von den Jüngsten zum Spielen genutzt.
Der Frühschoppen am Kerwasmontag gehört für viele Oberreichenbacher ganz einfach dazu. Im und vor dem Gasthaus Geyer trafen sich die Kerwasburschen und Oberreichenbacher am Montag zu einem gemütlichen Beisammensein.
Wer kann, der nimmt sich diesen Tag frei, um sich mit Nachbarn, Bekannten und Verwandten zu treffen, gemütlich beisammenzusitzen, zu karteln oder sich ganz einfach über Gott und die Welt zu unterhalten. Viel erinnern sich noch an vergangene Zeiten zurück, und erzählte Anekdoten aus dieser Zeit, aber auch die Ereignisse der laufenden Kerwa wurden thematisiert.


Zu Besuch in der alten Heimat

Oberreichenbachs Bürgermeister Klaus Hacker (FW) hat in seiner Bürgermeisterzeit diesen Frühschoppen wieder forciert, da er ihn noch aus seiner eigenen Zeit als "Aktiver" der Kerwa kannte. Zur Unterhaltung der Gäste spielte Klaus Wagner alias "Quetsch'n Klaus" mit seiner Quetsch'n auf, der zwar nicht mehr in der Region lebt, aber als ehemaliger Oberreichenbacher seine Landsleute gut kennt und es verstand, sie zum Mitsingen zu motivieren. Dazu gehören natürlich die obligatorischen Kerwasliedli, mit denen sich die Anwesenden gegenseitig ansangen, aber auch lustige und zünftige Lieder erklangen im Gasthaus Geyer und sorgten für gute Stimmung.
Den letzten Höhepunkt erlebte die Kirchweih am Montag. Dort fand am Abend das "Betzen raustanzen" statt. Etliche Zuschauer wollten sehen, welches Tanzpärchen den Birkenzweig in der Hand hält, wenn der Betz (das Schaf) freigelassen wird. Die Gewinner müssen später ein Betzenessen für die restlichen Ortsburschen- und -madle organisieren. Danach wurde noch einmal gefeiert, und heute beginnen die Aufräumarbeiten.