Es war nur ein kleines Häufchen, das sich am Startpunkt der diesjährigen lokalen Auftaktveranstaltung zur Bayern Tour Natur am Mühlhausener Rathaus eingefunden hatte. Vielleicht war der Begriff Energiewanderung missverstanden worden.

Im Vordergrund des Programmes, das Sarote Jilski als Projekt ihres Freiwilligen ökologischen Jahres entwickelt hatte, stand die örtliche Energiegewinnung aus Wind, Hackschnitzeln und Biogas. Daneben führte die Route durch Mühlhausens Flur zu zwei weiteren Punkten, die das Verhältnis Mensch und Natur in verschiedenen Zeiten beleuchten: zum jüdischen Friedhof und zur Lutherhöhe.

Als sach- und ortskundige Führerinnen hatte Mühlhausens Bürgermeister Klaus Faatz (CSU) die Schwestern Anna und Gertrud Bär gewonnen.
Sie stellten den Wanderern um Georg Knetzger und Anton Krevic von der Unteren Naturschutzbehörde neben der Geschichte des "Guten Orts" den Mühlhausener Kaufmann Karl Reizenstein vor.

Eichen am jüdischen Friedhof und auf der Lutherhöhe

Er wurde 1938 als letzter auf dem 1738 angelegten Friedhof bestattet. Gemäß der jüdischen Begräbnistradition blieben auch in Mühlhausen die Gräber auf "ewig"bestehen. Langsam versinken die Grabsteine in der Erde. Der Friedhof wurde der Natur überlassen. "Nur selten pflanzte jemand etwas aufs Grab. Die Pfingstrose, die unsere frühere Nachbarin aufs Grab ihrer Tochter pflanzte, blüht bis heute", berichtete Anna Bär.

Reizenstein gehört zu den Honoratioren, die sich ab 1899 um die Lutherhöhe am westlichen Ortsrand kümmerten. 1817 waren zum 300. Gedenken von Luthers Thesenanschlag auf der kahlen Anhöhe gepflanzt worden. Der von Pfarrer Richard Matthes, dem Arzt Martin Scheiding, dem Freiherrn Wilhelm von Egloffstein und Reizenstein gegründete Verschönerungsverein ließ die Strecke zwischen Bahnhof und den Eichen am "Weißen Weg" in einen kleinen Park mit teilweise exotischen Gehölzen und nördlich der Eichen einen Buchenhain anlegen.

Energie für Nürnberg

Das Motiv der Pflanzaktion, so Anna Bär, war die auffällige Waldarmut um Mühlhausen. Zum einen führte der große Viehtrieb westlich der Regnitz hier durch das Ebrachtal, zum anderen belieferten "Pecherer" und Köhler die Reichstadt Nürnberg mit den Waldprodukten Pech und Holzkohle sowie mit Brennholz. "Der Verbrauch der Handwerksbetriebe in Nürnberg war enorm", weiß Bär. Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert war Mühlhausen ein Energielieferant für die Noris.

Das ist heute wieder so. Vier große Windräder Richtung Decheldorf speisen den erzeugten Strom bei Burgebrach ins Netz. Im Ort werden 115 Gebäude mit Energie aus einem Biomasseheizwerk ganzjährig versorgt. In der kühleren Jahreszeit, so Bürgermeister Faatz, wird zusätzlich die Hackschnitzelheizung betrieben und nur ganz extreme spitzen müssen durch eine Ölheizkessel abgefangen werden.