Möhrendorf
Zeugnis der Vergangenheit

"Etwas wirklich Besonderes": Zeitkapsel aus Kirchturmspitze geöffnet - das verbirgt sich in ihrem Innern

In einer Möhrendorfer Kirche ist eine Zeitkapsel geöffnet worden. Der Kupferzylinder befindet sich normalerweise in der Kirchturmkugel. Nach langer Zeit wurde nun erstmals wieder ein Blick ins Innere des spannenden Relikts geworfen.
Möhrendorf: Zeitkapsel aus Kirchturmspitze - das verbirgt sich im Kupferzylinder
In Möhrendorf wurde kürzlich die Zeitkapsel aus der Kirche Sankt Oswald/Sankt Martin geöffnet. Gefunden wurden verschiedene Zeitzeugenschaften und Dokumente - die Kapsel wurde außerdem um weitere Inhalte ergänzt. Foto: Lorenz Linsner
+3 Bilder
} } }

Zeugnis der Vergangenheit: In Möhrendorf (Kreis Erlangen-Höchstadt) ist in der Kirche Sankt Oswald/Sankt Martin eine Zeitkapsel aufbewahrt. "Vieles darüber habe ich selbst erst einmal lernen müssen", erklärt Pfarrer Volker Metzler. "Zeitkapseln findet man in besonderen Gebäuden - in unserem Fall in der Turmbekrönung unserer alten Kirche", hält der Geistliche in Hinblick auf den Kirchturm fest, dessen Geschichte bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht. 

1977 war die Zeitkapsel zum letzten Mal geöffnet worden - ehe Anfang September im Zuge von Kirchenarbeiten erneut ein Blick in das Relikt aus Kupfer geworfen wurde. 2019 sei der Turm durch Frühjahrsstürme immer weiter beschädigt worden, "bis wir die Spitze im Jahr 2020 dann entfernen lassen mussten, um zu verhindern, dass noch jemand zu Schaden kommt", berichtet Metzler. 

Das verwahrte die Zeitkapsel in Möhrendorf - und das kommt neu hinzu

"In diesem Zylinder aus Kupfer finden sich verschiedenste Zeitzeugenschaften oder Dokumente, die ergänzt werden", erläutert der Pfaffer. "Und zwar immer dann, wenn die Kirche in größerem Stil restauriert oder renoviert werden musste." Zum letzten Mal sei das 1977 der Fall gewesen. "Deshalb fanden sich nun auch viele Dokumente aus 1977. Aber auch ältere Urkunden oder Gemeindebriefe sind dort zusammengetragen." Konkret sei das gefunden worden, "was wir auch hofften, zu finden": 

  • eine kleine Kirchenchronik
  • eine Urkunde von 1888 (gleichzeitig das älteste Schriftstück der Zeitkapsel)
  • eine Urkunde aus dem Jahr 1904
  • ein Satz D-Mark-Münzen von 1977
  • Belege der Kirchen-Renovierung aus dem Jahr 1977
  • vielerlei Gemeindebrief-Artikel von 1977
  • eine Tageszeitung der Erlanger Nachrichten aus dem Jahr 1977

"Der Inhalt ist weniger von historischem Wert als von ideellem Wert für uns", so Pfarrer Metzler. Besonders spannend seien zum Beispiel die Annoncen - "und nicht die Leitartikel" - der Ausgabe der Tageszeitung aus dem Jahr 1977 gewesen. "Da stehen Geschäfte drin, die schon lange nicht mehr existieren." Ein Kind habe außerdem zum allerersten Mal D-Mark-Münzen gesehen - "und natürlich haben wir der Zeitkapsel noch einen Satz an Euro-Münzen beigefügt, außerdem eine Chronik aus 2006." Auch die Corona-Pandemie wurde berücksichtigt: Als weitere Zeitzeugenschaft wurde zuletzt noch eine FFP2-Maske hinzugefügt. 

"Etwas wirklich Besonderes" - so geht es in der Kirche weiter

Aktuell liege die Zeitkapsel in Metzlers Büro und warte darauf, wieder in der Turmkugel der Kirche Sankt Oswald/Sankt Martin zu landen. "Die Öffnung dieser Kapsel ist für uns schon sehr schön und etwas wirklich Besonderes", so Metzler. "Was für uns aber noch viel schöner wird, ist, wenn wir unsere Kirchturmspitze wieder an Ort und Stelle haben dürfen." Die Öffnung sei auch vor allem ein Symptom gewesen, dass man sich langsam auf der Zielgeraden befinde.

"In der nächsten Zeit werden die einzelnen Elemente der Kirchturmspitze wieder zusammengefügt und verschweißt." Bis circa Mitte Oktober rechnet der Pfarrer damit, dass in der Kirche wieder alles an Ort und Stelle stehe. "Wir hoffen, dass wir das zumindest vor den ersten Herbststürmen hinbekommen und die Spitze dann auch gerade bleibt", schließt Metzler ab.