Mit einer Geschichte von über 1000 Jahren blickt Höchstadt auf eine bewegte Vergangenheit zurück: Vieles hat sich in dieser Zeit verändert, doch manches ist auch geblieben. In der Stadtführung der Theatergruppe des Heimatvereins geht es nicht nur um die historischen Gebäude, die das Stadtbild noch immer prägen, sondern vor allem um die Menschen, die sie einst mit Leben gefüllt haben. Doch wie sah dieses Leben aus?

Im Fall der beiden Freundinnen, die sich am Marktbrunnen treffen, sind es Sorgen und harte Arbeit, die den Alltag bestimmen. "Der Brückensold wurde wieder erhöht und ich weiß schon jetzt nicht mehr, wie ich die hungrigen Mäuler zuhause füllen kann", klagt die eine, während sich die andere über anhaltende Trockenheit und den Ertrag ihrer Felder sorgt. Ganz anders geht es einer jüngeren Bürgerin, die sich auf den Weg zur Stadtpfarrkirche begibt, wo sie voller Freude von ihrer Verlobung schwärmt und mit dem katholischen Pfarrer ihre Hochzeit plant. "Da gibt es aber noch eine vertrackte Sache", räumt sie ein. "Zu den Gästen gehören noch Leute aus Lonnerstadt und die sind ja alle Lutheraner." Während die Teilnehmer der Stadtführung dem Gespräch lauschen, erfahren sie nicht nur mehr über die Zeit der Reformation, sondern auch über die Architektur und Kunstwerke der Kirche.

Handwerk und Lehrzeit

Nebenan bearbeitet ein Zimmermann gerade den Balken eines Fachwerkhauses und wird in ein Gespräch über das Handwerk und die Lehrzeit verwickelt. Abgesehen von ihrem normalen Alltag teilte die Bevölkerung aber auch einschneidende Zeiten, wie den Dreißigjährigen Krieg, wovon die nächste Szene erzählt. "Die Höchstadter haben sich lange wehren können, doch der achte Überfall brachte den Schweden schließlich den Sieg", erzählt die Frau des Türmers, des früheren Wächters der Stadt. Die 13-jährige Sophia Rittmayer spielt die Tochter der Familie und fragt ihre Eltern über den Aufbau der historischen Stadt, ihre Türme und Verteidigungsstrategien aus. "Es macht mir großen Spaß, mich in die Zeit und Rolle hineinzuversetzen. Die Zuschauer können etwas lernen und auch lachen, wenn ich zum Beispiel meinen Türmer-Vater damit aufziehe, dass er hin und wieder mal einnickt bei seiner Wache", erzählt sie mit einem Grinsen.

Und genau das ist die Idee hinter der historischen Theaterführung, die der Heimat- und Verschönerungsverein vor über zehn Jahren ins Leben gerufen hat: Die Inszenierung historisch belegter Fakten mit nahbaren Figuren und Geschichten. Dabei werden auch immer wieder besondere Details verraten, die sonst eher unentdeckt bleiben. Wem sind beispielsweise vorher die Kugeln aufgefallen, die zum Gedächtnis an den Krieg über das Tor des Stadtturms im Mauerwerk eingefasst wurden? Oder wem ist schon einmal der Abdruck an der Mauer im Innenhof des Schlosses in den Blick gefallen, der verrät, dass sich dort früher eine Treppe emporstreckte?

Auf ihrem Weg durch die Innenstadt begegnen die Teilnehmer außerdem bedeutenden Persönlichkeiten, wie dem Grafen von Hohestete, Hermann von Stahleck, der den "Eindringlingen" im Innenhof seines Schlosses gemeinsam mit seiner Gattin, Gertrud von Schwaben, gegenübertritt. Nur ein paar Minuten später berichtet der Ritter von Spix von seiner Kindheit in Höchstadt und seinen Forschungsreisen ins Amazonasgebiet, von denen er tausende Pflanzen- und Insektenarten sowie Hunderte weiterer Tiere mit nach Deutschland zurückbrachte.

In weiteren Szenen werden die Nöte der Frauen, der Klatsch und Tratsch der damaligen Zeit oder Näheres über die damalige Braukunst vermittelt. Am 25. Oktober findet die nächste Stadtführung statt, für die sich Interessierte über die VHS anmelden können.

Birgitt Stach, die seit der ersten Theater-Führung dieser Art mitwirkt, fasst zusammen: "Am wichtigsten ist es uns aber, dass die Zuschauer Spaß haben - ob sie nun konzentriert zuhören, Zwischenfragen stellen oder einfach mal herzlich lachen."