Frau Bruckmann, gibt die Gemeinde Lonnerstadt zu viel Geld für ihre Vereine aus?

Regina Bruckmann: Nein, das sehe ich nicht so. Die Vereine leisten einen großen Beitrag, dass es in den Dorfgemeinschaften und in der ganzen Gemeinde gut läuft. Die zehn Prozent, die wir jeweils als Beitrag für Investitionen geben, können sowieso nur eine Wertschätzung sein. Wir sind froh, dass wir so viele aktive Vereine haben und unterstützen sie natürlich gern.

Gemeinderat Giovanni Daniele (CSU) hat den Vorschlag gemacht, strenger zu prüfen, ob das Geld, das die Gemeinde gibt, überhaupt gerechtfertigt ist. Was sagen Sie zu dem Vorschlag?

Er hatte einen Antrag mit Prüfkriterien für die Vereinsförderung gestellt. Diese Prüfkriterien wären meiner Meinung nach Verhinderungskriterien gewesen. Danach hätte nämlich kein Verein mehr einen Euro bekommen.

Warum?

Ein Kriterium war zum Beispiel, ob denn der Verein schon einen Kreditantrag bei einer Bank gestellt hat, der negativ beschieden wurde. Soll heißen: Ob der Verein wirklich alles ausprobiert hat, um anders an Geld zu kommen. So funktioniert ehrenamtliche Arbeit aber einfach nicht.

Wie entscheidet die Gemeinde Lonnerstadt über die Vergabe von Fördergeld für Vereine?

Der Verein stellt einen Antrag und der Gemeinderat prüft das. Ist der Antrag sinnvoll, geben wir zehn Prozent der jeweiligen Investitionskosten als Zuschuss, um alle fair und gleich zu behandeln. Im Nachgang muss das natürlich mit Rechnungen belegt werden.

Egal ob ein Verein häufiger kommt und andere seltener?

Ja. Die Vereine müssen natürlich auf die Gemeinde zukommen. Es ist auch selbstverständlich, dass ein großer Verein mehr Aktivitäten hat, als ein kleiner Verein. Der TSV Lonnerstadt ist bei uns mit 900 Mitgliedern der größte Verein, der auch ein eigenes Gelände unterhält und ständig Anschaffungen oder Umbauten zu tätigen hat. So etwa die Umstellung der Flutlichtanlage auf LED. Da laufen natürlich größere Beträge auf, die wir mit zehn Prozent bezuschussen.

Wie viel gibt die Gemeinde denn im Jahr für Vereine aus?

Ich habe mich noch einmal beim Kämmerer informiert: Für dieses Jahr sind rund 11.000 Euro für Vereinsförderung im Haushalt vorgesehen. Die Jahre zuvor war es in ähnlicher Höhe. Größter Posten für das Jahr 2020: Der TSV mit ca. 4000 Euro. Letztes Jahr war es mit 9500 Euro mehr. Da wurde viel investiert, etwa beim Flutlicht.

Und die anderen Vereine?

Da haben wir aktuell noch einen Antrag vom Feuerwehrverein für die Bezuschussung einer Überdachung laufen. Das waren etwa 1000 Euro Förderung. Das Projekt ist aber noch nicht abgeschlossen und daher wurde die Förderung noch nicht ausbezahlt.

Gibt es in Lonnerstadt denn Vereine, die sich beklagen, dass sie nicht bedacht würden?

Nein, ist mir nicht bekannt. Es ist ja so, dass jeder Verein den Antrag stellen kann, wenn er eine größere Investition macht.

Jüngst ist ein anonymes Schreiben bei der Rechtsaufsicht des Landratsamts eingegangen, in dem Vorwürfe erhoben werden. Worum geht es?

Die Vorwürfe des Schreibers, offenbar Lonnerstadter Gemeinderat, sind, dass die Gemeinde gegen die Business Conduct Guideline, also das Geschäftsgebaren bzw. die Verhaltensrichtlinien, wie sie in der Industrie gelten, verstoßen würde und gegen geltendes EU-Recht. Da muss ich schon sagen: Wir sind keine Industrie, wir sind Gemeinde.

Mit was soll die Gemeinde dagegen verstoßen?

Es wird explizit die Vereinsförderung erwähnt. Ich habe das Schreiben übermittelt bekommen. Dazu sollte ich der Rechtsaufsicht eine Stellungnahme abgeben. Das haben wir am Freitag auch gemacht. Es wurde auch bemängelt, dass wir das Hirtenhaus in Ailsbach unentgeltlich an den Verein überlassen.

Dass Sie keine Miete verlangen?

Ja. Es ist aber ja so, dass der Verein sich ja an den Nebenkosten beteiligt und das Gebäude auch in Ordnung hält. Bei den momentanen Renovierungsarbeiten im Hirtenhaus bezahlt die Gemeinde das Material, weil das Gebäude ja auch der Gemeinde gehört. Das Haus - das denkmalgeschützt ist - ist schadhaft. Die Küche hatte Stockflecken, die alte Sandsteinwand dahinter ist feucht. Jetzt war Handlungsbedarf, deshalb die 5000 Euro fürs Material.

In der Beschwerde steht auch, dass der Verein keinen "nennenswerten" Beitrag an den Kosten leiste. Ich hab das mal durchgerechnet. Die Dorfgemeinschaft Ailsbach hat mittlerweile mehr als 200 Stunden - allein bisher - in die Renovierung des Hirtenhauses gesteckt. Wenn man die Arbeitsstunde mal grob mit 45 Euro Handwerkerkosten ansetzt, dann bin ich schon bei 9000 Euro. Neben dem Hirtenhaus nennt der Beschwerdeführer auch das Gemeinschaftshaus in Mailach, für das die Gemeinde keine Miete verlangt. Die Verein Dorfgemeinschaft Mailach e.V. unterhält das alte Schulhaus, weil es auch keine Gastwirtschaft mehr gibt und sorgt damit für eine Bereicherung im Dorfleben.

In Ailsbach investiert der Verein auch selbst, oder?

Ja, natürlich. Da recht viele Veranstaltungen stattfinden, kauft der Verein - auf eigene Kosten - eine Gastroküche, die den modernen Hygienestandards entspricht. Das sind 12.500 Euro. Die Gemeinde trägt entsprechend den zehn Prozent lediglich 1250 Euro davon. Die neue Heizung mit Anschluss an die nahe Hackschnitzelheizung war ja auch Anlass zur Kritik. Der Gemeinde kostet das 9000 Euro. Aber bisher wurde mit Strom geheizt, den zu 80 Prozent die Kommune übernahm. Die neue Heizung ist eine Zukunftsinvestition in ein gemeindeeigenes Gebäude, die sich mit der Zeit ja auch amortisiert.

Von wem könnte der Beschwerdebrief stammen?

Das weiß ich nicht. Und da will ich mich auch nicht dazu äußern. Dem Landratsamt ist der Name aber offenbar bekannt.

Das Gespräch führte Christian Bauriedel.