Wenig erfreut ist man im Lonnerstadter Ortsteil Fetzelhofen über die Haltung des Landratsamtes zum Thema Biber. Das am Ortsrand an der Kleinen Weisach Dämme bauende Tier hätten Bürger gerne "entnommen". Die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Erlangen-Höchstadt sieht hier allerdings keinen Grund, den Biber zu töten.

Schon mehrmals haben in den vergangenen Monaten Biber einen Damm unter die Brücke am Ortsausgang gebaut und die Kleine Weisach aufgestaut. Fetzelhofener fürchten, dass dadurch ein normales Hochwasser noch verstärkt werden und das ein oder andere Haus fluten könnte. Bürgermeister Stefan Himpel (FW) sähe durch ein solches Hochwasser zudem eine Gefahr für die dort liegende Pumpanlage der Abwasserleitung. Die könnte bei Überflutung ausfallen.

Landschaft wird bereichert

Noch vor Weihnachten hatte sich die Gemeinde Lonnerstadt ans Landratsamt gewandt, um den Biber loswerden zu dürfen. Wie der FT jetzt auf Anfrage von stellvertretender Pressesprecherin Stephanie Mack erfuhr, lehnt das Amt den Wunsch aus Lonnerstadt ab. Aus Sicht der Unteren Naturschutzbehörde sei es "unwahrscheinlich, dass ein vom Biberdamm verursachtes Hochwasser die Ortschaft gefährdet". Einerseits würde ein Stau das Wasser in nördliche Richtung abfließen lassen, andererseits ein Biberdamm im Altbach kaum höher stauen, als in der Vergangenheit geschehen. Um einen Biber zu fangen und zu töten bedürfe es einer besonderen Begründung. Diese sehe die Untere Naturschutzbehörde in diesem Fall nicht gegeben und daher keine rechtliche Möglichkeit, den Biber zu töten. Die Behörde macht auch darauf aufmerksam, "dass die Lebensräume, die der Biber schafft, unsere Landschaft deutlich ökologisch bereichern. Den Lonnerstadtern wurde noch mitgeteilt, dass sich inzwischen viele Gemeinden im Landkreis mit der Anwesenheit des Bibers arrangiert haben.

In Lonnerstadt tut man sich damit schwer. Gemeinderat Hermann Popp hat für die Haltung der Naturschutzbehörde kein Verständnis. Viele hätten schon Probleme mit dem Biber, sagt Popp. Die Gemeinde habe darauf aufmerksam gemacht. Wenn die Aktivitäten des Bibers jetzt zu Hochwasser und Schäden führen, sollte die Naturschutzbehörde auch dafür haften, fordert Popp.

Bürgermeister Himpel hat in erster Linie Verständnis für Bedürfnisse der Menschen. Er sage ja zu ein paar Bibern, aber wenn deren Vorkommen zu Gefährdungen führe, müsse man einschreiten.

Blinklicht soll abschrecken

Nach einem Ortstermin mit Biberberater Heinrich Dietsch aus Dachsbach sei man dessen Ratschlägen gefolgt und versuche es jetzt mit Vertreibungsmaßnahmen. Der Biberdamm unter der Brücke wurde schon zum wiederholten Mal beseitigen lassen, sagt Dritter Bürgermeister Johann Höps (CSU/BB). Weil sie die dafür nötigen Gerätschaften nicht selbst hat, fallen jedes Mal 400 bis 600 Euro Kosten für die Gemeinde an. Der Spaß am Dammbau soll dem Biber künftig durch ein Baustellen-Blinklicht und Rohre unter der Brücke genommen werden.

Sollte der Fetzelhofener Biber wirklich vertrieben werden, könnte er an einen Weiher ausweichen und würde sich dann einmal mehr Walter Jakob zum Feind machen, den Vorsitzenden der Teichgenossenschaft Aischgrund.

Jakob geht mit seiner Forderung deutlich weiter und möchte den gesamten Aischgrund zum biberfreien Gebiet erklären. Der Aischgrund sei von der Fischerei geprägt und diese laut Bayerischem Fischereigesetz von öffentlichem Interesse und zu fördern, sagt der Teichwirt aus Mühlhausen. Weil der Biber seiner Teichwirtschaft schon seit Jahren große Schäden zufügt, darf Jakob ihn bejagen und tut das auch.

"Es war völlig verfehlt, die Biber-Population so groß anwachsen zu lassen", sagt Jakob. Schon vor zehn Jahren hätten Fachleute darauf hingewiesen, dass man den Biber nicht mehr in den Griff bekomme. Der Vertreter der Teichwirte fordert, jetzt einzugreifen und den Biber im Aischgrund generell zum Abschuss freizugeben.

In Deutschland gibt es mehr Gebiete, die von bestimmten Tierarten frei gehalten werden, beispielsweise von Hirschen. Jakob vermutet allerdings, dass die Jäger nicht begeistert sein werden, wenn sie sich auch noch um den Biber kümmern sollen. Und er spricht aus Erfahrung, jagt er ihn doch selbst schon seit Jahren und weiß, wie schwierig es ist, den nachtaktiven Nager zu erwischen.