"Was ist der Mensch für eine elende Kreatur, wenn er alle Eitelkeit abgelegt hat", fand schon einst der deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe. Dass auch Landräte ein gewisses Maß an Eitelkeit besitzen, bekam jüngst der Künstler Walter Bauer zu spüren. Er wurde damit beauftragt, eine Galerie mit Porträts der drei bisherigen Landräte des Landkreises Erlangen-Höchstadt zu gestalten.

Am Anfang stand jedoch erst einmal die Bitte um ein Abbild des aktuellen Landrats Eberhard Irlinger (SPD). Weil Irlinger aber schnell einige Änderungswünsche vorgebracht hatte, startete der Nürnberger Künstler geduldig einen zweiten Porträtversuch. "Mein erster Entwurf findet sich nun aber in Übergröße im Höchstadter Landratsamt", erklärt Walter Bauer.

In Erlangen weihte man die Landrätegalerie gestern Nachmittag dann offiziell ein.
Neben Irlinger zieren auch dessen Amtsvorgänger Franz Krug (CSU) und Georg Dassler (CSU) jeweils in Öl auf Leinwand das Treppenhaus des Landratsamtes. Eine besondere Herausforderung für den Künstler stellte das Porträt von Dassler dar, der bis 1978 als Landrat fungierte und in jenem Jahr auch plötzlich verstarb. "Zur Verfügung stand mir lediglich ein altes schwarz-weiß Foto, welches Dassler frontal zeigt", so Walter Bauer. Der Versuch, das Porträt nachträglich einzufärben, missglückte. Anders als Irlinger und Krug, ist Georg Dassler deshalb auch in der Galerie nicht in Farbe abgebildet.

Nachbesserungen notwendig

Franz Krug porträtierte Walter Bauer zunächst nach einem Foto aus dessen Amtszeit. Weil sich der Altlandrat, genau wie dessen Ehefrau, vom Erstentwurf aber wenig begeistert zeigte, stand Krug kurzerhand persönlich Modell im Nürnberger Atelier des freischaffenden Künstlers. Einige Nachbesserungen später war dann auch der CSU-Politiker von seinem Konterfei überzeugt.

Der offiziellen Vorstellung der Landräte-Galerie konnte der Altlandrat allerdings wegen gesundheitlicher Probleme nicht beiwohnen. Jene Landräte, die vor der Gebietsreform 1972 in den beiden, damals noch getrennten, Kreisen Erlangen und Höchstadt eingesetzt wurden, sind in einer Fotogalerie im Erlanger Landratsamt zu finden.
"Es war viel schwerer als gedacht, Bilder von allen Landräten der Nachkriegszeit aufzutreiben", berichtete Irlinger im Rahmen der Einweihung. Letztlich habe man aber auch diese Aufgabe trefflich gemeistert. Genauso zufrieden zeigte sich Irlinger am Ende auch mit seinem eigenen Porträt.

Der Landrat fühlt sich gut wiedergegeben

Ein schelmisches Lächeln, der typische Blick über den eigenen Brillenrand und der rote Landkreis-Anstecker am Sakko zeigen den Landrat, der seit 2002 im Amt ist, immerhin in gewohnter Pose. "Viele werden darüber lächeln - aber so bin ich eben", schmunzelt Irlinger, der besonderen Wert auf gemalte Kunst im Gegensatz zu originalen Fotos legte.

Walter Bauer setzte bei den Porträts ganz bewusst auf die Arbeit mit Öl. "Ölfarben halten über Jahrhunderte", weiß der Kunstexperte. "Weil Öl im Gegensatz zu Acrylmalerei nicht flach, sondern grob und hubbelig ist, eignet es sich außerdem besser für Männerporträts als für jene von Frauen", fügt Walter Bauer hinzu. Noch findet sich auch keine Dame in der Galerie des Landratsamtes. Eine weibliche Ergänzung ist aber - hoffentlich - auch nur noch eine Frage der Zeit.