Das Osterfest im Jahr 2020 wird in manchem anders verlaufen als die vielen Osterfeiern der Jahre davor. Dagegen werden sich andere Bestandteile doch sehr ähneln: Ostern wird ein Familienfest sein, vermutlich aber in einem kleineren Rahmen.

An Ostern, dem Hauptfest der christlichen Kirchen, hat bestimmt jeder seine eigenen Erinnerungen. Vor allem die Feste der Kindheit sind im Gedächtnis verhaftet geblieben.

In den Bäckereien fanden sich in den Verkaufstheken Osterlämmer aus Biskuitteig aufgereiht, die in einer zweiteiligen Form gebacken und danach mit Zucker oder Schokoladenguss versehen wurden. Zum Abschluss erhielten sie eine Fahne eingesteckt. Außerdem wurden aus Teig geformte Hasen angeboten, in die außerdem ein gefärbtes Ei mit eingebacken wurde.

In den Familien fertigten im Vorfeld die Hausfrauen für die Kaffeetafel ein Osterbrot oder einen Osterzopf an. Da es sich um einen Hefeteig handelte, der mit Rosinen vermengt wurde und die richtige Zimmertemperatur benötigte, damit er vor dem Backen gut aufgehen konnte, war die Herstellung dieses Gebäcks eine heikle Sache.

Speisenweihe in der Kirche

Ostern war ursprünglich noch sehr viel stärker in das kirchliche Umfeld eingebettet. Das bewusste Begehen von Karfreitag, Karsamstag und der Besuch der Auferstehungsfeier durch die meisten Erwachsenen gehörten dazu. Die Kinder gingen dagegen meist in die Messen am Ostersonntag, die in der Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena in Herzogenaurach um 8 und 10.45 Uhr abgehalten wurden.

In sämtlichen Gottesdiensten nahmen die Geistlichen, wie auch heute noch üblich, die Speisenweihe vor. Gekochte und gefärbte Eier und Salz befanden sich in den Körbchen der Gläubigen. Für die Speisenweihe wurden meist die Gründonnerstagseier verwendet, denen eine besondere Wirkkraft zugestanden wurde. Als Ersatz konnten auch die Karfreitagseier dienen. Häufig kam noch Gebäck in Form eines Lammes dazu, das eine Fahne trug, außerdem geräuchertes Fleisch und Brot.

Färben mit Roter Bete und Spinat

Nach dem gemeinsamen Frühstück im Familienkreis, bei dem die geweihten Speisen verzehrt wurden, ging es für die Kinder ans Osternester- oder Ostereier-suchen. Die Hausfrau und Mutter hatte am Vortag gekochte Hühnereier gefärbt. Wobei die Variationen früher nicht so üppig waren, da sie auf Naturfarben wie Rote Bete, Spinat oder Zwiebelschalen basierten. Nach dem Färben wurden sie mit Fett eingerieben, damit sie schön glänzten.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kamen verstärkt künstlich hergestellte Farben dazu, wodurch auch Tönungen in Blau und Lila möglich waren. Die Eltern hatten oft für die Kinder die Osternester im Garten versteckt, die diese dann suchen mussten. Bestückt war dieses mit gefärbten Ostereiern, vielleicht sogar mit Schokoladeneiern und einem Osterhasen aus Schokolade.

Aufwendiger war dann schon ein "Hosergärtla". Dessen Boden bestand aus einem Brett, das von einem zwischen Eckpfosten genagelten Zaun aus kleine Latten eingefasst wurde. Manchmal stand es auch auf Rädern und konnte dann an einer Schnur gezogen werden. Ausgelegt war es mit Heu, Moos oder grün gefärbter Holzwolle. Darin waren dann die Präsente des Osterhasen eingebettet, gefärbte Hühnereier, Schokoladeneier, Schokoladenhasen, Zuckerwerk, ein gebackenes Osterlamm und manchmal auch Spielzeug. Hatten die Kinder ihr Nest oder Ostergärtla gefunden, dann wurde sofort verglichen: Was habe ich bekommen, was ist beim Bruder oder der Schwester drin?

Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg hielten neue Varianten Einzug, bunt bemalte Bleicheier mit Füllung, oder mit farbigem Papier beklebte Pappmaché-Ostereier, die oft mit kleinen Eiern aus Zucker in den buntesten Farben bestückt waren.

Obwohl sich der Ostertermin um mehr als einen Monat nach vorne oder hinten verschieben kann, begann für die Kinder mit dem Fest oft auch die "Freiluftsaison". Denn mit Ostern waren Ferien verknüpft und Stubenhocken war früher nicht angesagt. Außerdem waren die Mütter froh, wenn sie ihre Sprösslinge draußen hatten und diese nicht im Haus für Unruhe sorgen konnten.

Den Schulranzen gab's vom Paten

Wichtig war auch noch für die Erstklässler in spe, dass ihnen der Taufpate zu Ostern den neuen Schulranzen schenkte, damit sie für den Schulanfang gut gerüstet waren. Dieser Brauch wird in vielen Familien auch heute noch gepflegt. Allerdings hatte er vor dem Zweiten Weltkrieg noch einen triftigen Grund. Damals endete das Schuljahr mit Ostern. Die Kinder kamen nach den Ferien entweder neu in die Schule oder wurden in die nächste Klasse versetzt. Der Schulranzen kam also zur rechten Zeit. Obwohl das neue Schuljahr nunmehr im Herbst beginnt, hat sich dieser Brauch auch in der heutigen Zeit erhalten.

Am Ostermontag ging es für die Herzogenauracher zum "Emmausgang" in die Natur. Meist endete der Spaziergang mit der Einkehr in einem der zahlreichen Wirtshäuser in den Ortschaften der Umgebung, damit man sich für den Heimweg entsprechend stärken konnte.