• Forscher der FAU: Neue Erkenntnisse über Knochenkrebsart
  • Das Multiple Myelom ist bisher meist unheilbar
  • Forschungsergebnisse zeigen neue Therapiemöglichkeit

Ein Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hat wichtige neue Erkenntnisse über eine Krebsart erlangt. Dabei geht es um das Multiple Myelom, ein Knochenkrebs, der vor allem Menschen über 60 betrifft und meistens unheilbar ist. Die Forscher haben nun einen Ansatz entwickelt, wie er doch therapiert werden kann, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität vom 27. Juli 2021. Ihre Ergebnisse haben sie in der Fachzeitschrift "Immunity" veröffentlicht.

Multiples Myelom: So zerstört die Krankheit die Knochen

Das Multiple Myelom entsteht demnach, wenn sich eine bestimmte Art von weißen Blutkörperchen, die sogenannten B-Zellen, unkontrolliert im Blut vermehrt. In der Folge werden die Knochen zerstört. Die Patient*innen leiden außerdem unter Blutarmut, chronischen Infektionen und Nierenproblemen.

Obwohl mehrere wirksame Chemotherapien zur Verfügung stehen, spricht etwa ein Drittel der Patient*innen nicht auf die verfügbaren Behandlungen an, teilt die FAU mit. Selbst wenn die Behandlung wirkt, wird der Tumor nicht geheilt, sondern kann zurückkehren.

Bereits bekannt war bisher, dass die Fresszellen des Immunsystems, die auch Makrophagen genannt werden und eigentlich wichtig für die Abwehr von Eindringlingen im Körper sind, beim Multiplen Myelom für den Tumor arbeiten. Sie unterstützen Entzündungen und fördern damit das Überleben des Tumors und dessen Wachstum.

Erlangen: Forscher haben neue Erkenntnisse über das Mulitple Myelom

Die Studie des FAU-Forschungsteams um PD Dr. Heiko Bruns (Lehrstuhl für Hämatologie und Internistische Onkologie) in Kooperation mit Wissenschaftler*innen aus Mailand hat nun herausgefunden, was auf molekularer Ebene passiert, wenn die Fresszellen entzündliche Signale im Knochenmark ausschütten. Ein Blutbestandteil namens Beta-2-Mikroglobulin scheint dabei eine wichtige Rolle zu spielen. Je stärker der Knochenkrebs den Körper befallen hat, desto mehr dieses Eiweißes ist im Blut der Patient*innen nachweisbar.

Das Erlanger Team entdeckte nun, dass das nicht nur ein Nebeneffekt der Erkrankung ist. Das Eiweiß bringt die Fresszellen dazu, die Erkrankung zu verschlimmern. Es wird nämlich von den Fresszellen verschlungen – aber nicht verdaut und abgebaut. Es liegt ihnen also gewissermaßen "schwer im Magen". Das bringt die Fresszellen dazu, entzündlichen Signale auszusenden. Die kommen wiederum dem Tumor und seinen schädlichen Wirkungen im Körper zugute. Das Forschungsteam konnte schließlich nachweisen, dass die Krebserkrankung deutlich abgemildert werden kann, wenn es gelingt, diese Entzündungssignale zu blockieren.

Die Makrophagen sind wichtig, um den Organismus gegen die Entstehung von Tumoren zu verteidigen, erklärt Dr. Bruns. Viele Tumore schaffen es aber, die Aktivität der Fresszellen zu umgehen. "Das Multiple Myelom spielt die Makrophagen-Aktivität zu seinem eigenen Vorteil aus. Das Verständnis, wie das Multiple Myelom dies erreicht, ist äußerst relevant", beurteilt er die neuen Erkenntnisse. Die Blockierung der Entzündungssignale könnte demnach eine begleitende Therapiestrategie für Patient*innen sein.

Auch in Corona-Zeiten ist die Krebsprävention wichtig. Christof Lamberti, Leiter des onkologischen Zentrums bei Regiomed, erklärt die Relevanz der Vorsorgeuntersuchungen in diesem Plus-Artikel des Fränkischen Tags.