Die Büros könnten in einer x-beliebigen Firma sein, trügen nicht einige der Mitarbeiter an den Computern die grüne Polizeiuniform. Das hat sich der kleine Mann, der mit Polizeimütze und grünem "Dienst-Shirt" gekommen ist, vielleicht anders vorgestellt.

Die 234 Kinderaugen beginnen zu blitzen, als Andreas Hänjes eine Gruppe in den Keller führt. Von "Einsperren" war die Rede gewesen. Aber bevor es in den Knast, sprich bei einer Polizeiinspektion: die Arrestzellen, geht, ist erst die "erkennungsdienstliche Behandlung" dran. Hänjes' dienstliches Reich entpuppt sich dann für Kinderaugen als recht nüchtern. Eine weiße Wand, eine Kamera und ein paar Maßstäbe.

Karge Arrestzellen

Die nächste Tür: eine braune Holztür mit Spion. Günther Thaler zieht sie auf.
Dahinter die dicken blauen Gitterstäbe und die überaus karge Arrestzelle. Eine Betonplatte mit Plastikmatratze und dunkler Decke, ein festgemauerte Kloschüssel und ein Betonklotz, auf dem Essen oder Trinken abgesperrt werden kann. Ein Notrufknopf. An den Türstreben hat ein Verhafteter einige Wörter hineingekratzt. Irgendwie trostlos! Aber Hänjes beruhigt sofort: Hier werden Personen allenfalls einen Tag lang festgehalten.

Doch dann geht es wieder ins Freie. Rainer Lindner wartet im Garten auf die Kinder mit ihren Begleiterinnen vom "Verein mehr Platz für Kinder". Sein Hund Sira wartet auch. Doch die knapp vierjährige belgische Schäferhündin sitzt noch in ihrer Transportbox im Auto. Lindner gehört zur Nürnberger Hundestaffel. Er und 50 Kollegen sind die Führer von 50 Hunden, die alle speziell ausgebildet sind, aber ansonsten mit den Familien der Diensthundeführer leben. "Sira ist eine Rauschgift-Suchhündin. Mit ihrer feinen Nase kann sie allerhand Verstecktes wiederfinden. Ich habe hier meine zwei Schlüsselbunde versteckt, auch den zum Dienstzimmer", erklärt Lindner den Kindern, ehe er Sira holt.

Die Hundedame hechelt, wegen der Hitze, aber auch weil die Sucharbeit sehr anstrengend ist.Zwei Durchgänge hat sie schon hinter sich. Lindner macht ohne ein Kommando ihre lange Leine los und zügig setzt sie sich in Bewegung. Keine zehn Meter und sie legt sich einfach hin. Die Kinder wundern sich. Mag sie nicht mehr? Doch, doch. Sie hat den ersten Schlüssel schon gefunden. "Dann legt sie sich hin; sie bringt oder berührt ihn nicht", erklärt Lindner. Sira und ihr Herrchen arbeiten ganz leise. Auch wenn die Belohnung kommt.

Und die heißt spielen. Mit dem Herrchen um ein dickes Lederband balgen. "Sira macht ihre Arbeit, damit sie anschließend mit mir spielen kann", verrät Lindner das Geheimnis der Suchhunde.. Das darf sie bis an ihr Lebensende. Denn Polizeihunde im Ruhestand bleiben bei ihren Familien. Auf die Kinder warten nun auch schon die abholenden Familienmitglieder.