Am Donnerstagabend sind die 59 Mitarbeiter offenbar informiert worden, am Freitagvormittag wurde die Pressemitteilung versandt. Darin heißt es wörtlich: "Das Kaufland in Herzogenaurach, in der Ohmstraße, schließt. Der bestehende Mietvertrag endet zum 28. Februar 2018. Der letzte Verkaufstag wird noch bekannt gegeben."

Als Begründung gab Christine Axtmann von der Pressestelle des Unternehmens in Neckarsulm bekannt, dass die Filiale mit ihrer Verkaufsfläche von rund 1700 Quadratmetern "nicht den Anforderungen von Kaufland an eine moderne und attraktive Einkaufsstätte entspricht." Da die Größe der Filiale für das Kaufland-Konzept nicht mehr ausreichend sei, so wird weiterhin vermerkt, mache das ein wirtschaftliches Betreiben dieser Filiale auf Dauer nicht mehr möglich.
Daher habe sich das Unternehmen entschieden, den Mietvertrag nicht zu verlängern.

Für den Herzogenauracher Bürgermeister German Hacker (SPD) kommt dieser Schritt der Kaufland Dienstleistung GmbH überraschend. Das sagte Hacker auf Anfrage des FT. Überraschend vor allem deswegen, weil "wir dem Betreiber erst jüngst wieder signalisiert haben, dass wir einer Erweiterung der Verkaufsfläche positiv gegenüber stehen."


Gemeinsam mit Praktiker?

Darin schloss das Stadtoberhaupt auch die Möglichkeit mit ein, doch zusammen mit den Grundstückseigentümern des ehemaligen Praktiker-Marktes zusammen zu arbeiten und beide Flächen zusammenzulegen. "Auch eine gemeinsame Lösung wäre möglich", sagte Hacker. Bedingung sei lediglich, dass beides vorhanden sein müsse, also sowohl ein Einkaufsmarkt als auch ein Baumarkt.

Und es kann nach Hackers Ansicht auch bedeuten, dass zweigeschossige Lösungen zum Tragen kämen. Aber einen anderen Standort könne Herzogenaurach nicht anbieten. "Wir behalten unsere klare Linie bei." Entlang der Nordumgehung werde es keinen riesigen Markt geben. Damit gäbe man den Kaufland-Betreibern aber auch eine gewisse Sicherheit, wenn diese am Standort im Stadtnorden investieren und erweitern würden. Die Sicherheit nämlich, dass auch kein anderer zum Zuge komme.

Am Nachmittag antwortete das Unternehmen auf eine Reihe von Fragen der FT-Redaktion. Die Entscheidung, den Standort nach 20 Jahren zu verlassen - die Filiale in der Ohmstraße wurde im Oktober 1997 eröffnet - sei sehr schwer gefallen, hieß es. Denn Kaufland fühle sich mit der Region und den Menschen in Herzogenaurach stark verbunden. Wörtlich wird bekräftigt: "Schon allein deswegen sind die Stadt Herzogenaurach und der Standort im Stadtnorden für uns sehr attraktiv und wir sind darum bemüht, weiter an diesem Standort präsent zu sein."


Intensive Gespräche

Es seien im Vorfeld verschiedene Möglichkeiten geprüft worden. Am Standort wäre eine Erweiterung nur mit umfangreichen Umbaumaßnahmen möglich gewesen. Eine denkbare Variante wäre eine Filiale in aufgeständerter Bauweise gewesen. Hierbei wäre der Verkaufsraum im Obergeschoss untergebracht und ebenerdig die Parkflächen. In der Stellungnahme heißt es aber auch: "Eine bauliche Veränderung in diesem Umfang war allerdings für unseren Vermieter nicht darstellbar."

Allerdings führe man auch seit Jahren intensive Gespräche mit der Stadt, betreffend der Suche nach einem neuen Standort. Im Rahmen dessen hatte man an verschiedenen Standorten Interesse bekundet, unter anderem auch an dem mittlerweile wieder leerstehenden Praktiker-Gebäude. Aber es seien keine Objekte mit der benötigten Verkaufsfläche von etwa 3000 Quadratmetern angeboten worden.

Pressesprecherin Axtmann schreibt im Auftrag: "So sehen wir uns leider gezwungen, den Standort Herzogenaurach schweren Herzens zu verlassen."


Sozialverträglich

Nach wie vor habe man Interesse, sich in Herzogenaurach oder der näheren Umgebung anzusiedeln, konkrete Planungen hierzu gebe es allerdings nicht. Das Unternehmen sei bemüht, für alle 59 Mitarbeiter eine sozial verträgliche Lösung zu finden.