Julia Büchler ist Frankens Stimme bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Die Reporterin ist zum wiederholten Mal Teil des ARD-Teams bei einem großen Turnier. Die gebürtige Erlangerin ist eine Allzweckwaffe des Studios Franken beim Bayerischen Rundfunk: Sie ist nicht nur als Storymacherin für sämtliche ARD-Radiosender unterwegs, sondern zählt auch zum Moderatorenteam der Frankenschau aktuell im BR Fernsehen. Außerdem moderiert sie regelmäßig den Sport in den Tagesthemen (ARD) und in der Rundschau (BR) sowie die Sendung Blickpunkt Sport Bayern.
Die vierfache Mutter wird fünf Wochen bei der Weltmeisterschaft im Einsatz sein. Wie sie zu ihrem Job gekommen ist und was sie beim Confed-Cup im vergangenen Jahr für Eindrücke gewonnen hat, erzählt Julia Büchler im Interview.

Sie sind ja schon ein alter Hase, was die großen Fußballturniere angeht. Seit wann machen Sie Stories rund um die Nationalmannschaft?
Julia Büchler: Angefangen hat es für mich 2005 bei der Auslosung zur WM in Leipzig. Ich war für das Studio Franken dabei, weil wir ja wissen wollten, wer da bei uns in Nürnberg spielen wird. Bei der WM 2006 habe ich mich dann um die Mannschaften gekümmert, die bei uns in der Region untergebracht waren. Die Argentinier waren in Herzogenaurach. Kaum zu glauben, aber da war der Messi noch ein kleines Licht (lacht).

Dann sind Sie ja schon bei ihrer vierten Weltmeisterschaft im Einsatz. Alles Routine - oder wie?
Auf keinen Fall. Jedes Turnier, jedes Land hat seine speziellen Herausforderungen. Wobei es immer spannend ist, sich im Dunstkreis der Nationalmannschaft bewegen zu können. Besonders in Brasilien war das ein unvergeßliches Erlebnis. Weil ich im vergangenen Jahr bereits vom Confed-Cup berichtet habe, weiß einigermaßen, was mich in Russland erwartet.

Welches Turnier ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Brasilien 2014 wird schwer zu toppen sein. Nicht nur wegen des Titels, sondern auch wegen der Menschen. Brasilien ist einfach total fußballverrückt. Mehr Spannung als beim Endspiel dort geht ja auch nicht. Aber es sind nicht unbedingt die großen Turniere, die mit tollen Erlebnissen verbunden sind. So ein Länderspiel in Kasachstan oder Aserbeidschan hat auch seinen Charme. Denn mal so nach Astana oder Baku in Urlaub zu fahren - da käme ja nie im Leben ein Mensch auf diese Idee.

Und wie haben Sie die ersten Wochen der WM erlebt?
Auf den ersten Blick ist alles super: die Stadien, die technische Ausstattung, die Infrastruktur. Zudem sind die Russen ein absolut sportbegeistertes Volk. Nur mit den Sicherheitskontrollen, da nehmen sie die Sache wirklich unglaublich ernst. 4-5 Kontrollen bei einem Spiel - völlig normal.

Was ist denn eigentlich der Job einer Storymacherin fürs Radioprogramm?
Es geht heute nicht mehr alleine ums Radio. Wir sind trimedial unterwegs. Wenn sich ein tolles Foto ergibt, stelle ich es auf Instagram, facebook oder twitter, wenn kurzfristig TV-Schalten angefragt sind, stehe ich auch mal vor der Kamera. Aber mein Hauptjob ist das Radio: Jeden Tag Kurzbeiträge, Meldungen für die Nachrichten, Umfragen bei den Fans - das ganze Programm. Wir sind immer nah dran an der Mannschaft.

Dann sind sie ja ganz schön unterwegs. Haben sie da eigentlich Zeit, Land und Leute ein bisschen kennenzulernen?
Eigentlich ist man die ganze Zeit im Job. Wenn ich mit Fans reden möchte, dann muss ich abends auch mal durch St. Petersburg laufen. Anders geht das gar nicht. Und für die Fans machen wir doch das alles hier. Einen Tag richtig und komplett frei zu haben, wird es für mich wohl nicht geben. Dazu kommen in Russland die langen Reisen - da sitze ich dann im Flugzeug und arbeite am Laptop.

Na, das klingt ja ganz schön stressig. Gibt es denn dennoch was in Russland, auf das Sie sich freuen?
Natürlich (lacht). Auf das Deutschland-Spiel gegen Schweden habe ich mich gefreut, weil es in Sotschy stattfand. An der russischen Riviera sozusagen. Da kann man abends mal an den Strand ins Cafe und mit ein bisschen Glück sogar den Jogi Löw ganz privat treffen. Da geht es dann im Gespräch um alles, aber nicht um Fußball. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz.

Im Normalfall sind Sie bis zum Turnierende für die ARD bei der Fußballweltmeisterschaft im Einsatz. Das ist nicht ganz einfach bei vier Kindern, oder?
Fünf Wochen (winkt ab)! Mein Mann dreht durch. Aber er wird die Stellung schon halten. Zum Glück sind für die Kinder in der Schule die größten Sachen schon gelaufen, da gibt es wenigstens von dieser Seite keine Sorgen. Aber Sie haben schon Recht: Für die Kinder ist das eine lange Zeit. Und ohne die Omas, das muss ich ehrlich sagen, würde das alles sowieso nicht gehen.

Wann kommt die Phase, in der Sie denken: "So, jetzt ist es aber genug. Zeit, dass die Sache zu Ende geht?"
So ab dem Halbfinale, wenn auch die spielfreien Tage immer mehr werden. Dann zieht sich so ein Turnier ein bisschen. Ich denke mir dann immer: "Jetzt bloß nicht noch das Spiel um Platz 3." Versteht doch kein Mensch, warum es dieses Spiel überhaupt noch gibt. Das hätte ich schon längst abgeschafft (schüttelt den Kopf).

Geht es einer Storymacherin eigentlich wie einem Nationalspieler? Wartet man darauf, von der ARD für die Weltmeisterschaft nominiert zu werden oder ist das von vorneherein klar, wer zu solchen Großveranstaltungen hinfährt?
Wir sind schon seit einiger Zeit ein festes Team, das die Nationalmannschaft begleitet. Bei normalen Länderspielen zu zweit, hier in Russland sind wir zu viert. Aber ein bisschen ist es schon so wie bei Jogi Löw: Man muss darauf warten, dass die ARD sagt, wer zur Weltmeisterschaft mitfahren darf. Da hofft und fiebert man schon. Jetzt müssen sie mich nur noch nach meinem größten Wunsch fragen - bitte!

Gesagt, getan - was ist denn der größte Wunsch von Storymacherin Julia Büchler?
Danke! Dass wir endlich mal wieder einen Nationalspieler aus Franken bekommen. Der letzte Spieler, der es so weit geschafft hat, war der Stefan Kießling. Aber der hat bei wichtigen Turnieren auch nie eine große Rolle gespielt. Wird echt Zeit, dass da mal wieder einer nachkommt!

Das Gespräch führte
Berthold Köhler