Das Stück hört abrupt auf. Zwei Klaviertöne, einen Moment Ruhe. "Lass uns gleich noch mal anfangen", sagt Ariane Ranger und setzt das Saxofon an. Sie hat sich mit Doris Wiening und Gabriele Dörrfuß getroffen. Eine letzte Probe vor der Konzert-Premiere. Am Freitag ist Auftakt im Ratskeller in Herzogenaurach. Danach noch drei weitere Termine. Die erfahrenen Musikerinnen werden zum ersten Mal in dieser Besetzung auftreten. Die Zuhörer erleben dann eine Mischung aus Literatur und Musik: Halb Lesung, halb Konzert. Mit Piano, Saxofon und Gesang verbinden die drei Jazz mit Lyrik.

Neuer Gedichtband vorgestellt
"Auslöser war das Buch", sagt Gabriele Dörrfuß. Auf dem Flügel liegt der gerade erschienene Band "Lebenslinien - Gefühlswelten - Körperformen". Auf der Leipziger Buchmesse hat Gabriele Dörrfuß ihren Gedichtband vorgestellt. Er ist im Deutschen Lyrikverlag unter ihrem Pseudonym Solyluna Joppien erschienen. Zum Schreiben sei sie intuitiv gekommen. Ihr Metier ist eigentlich der Gesang. Sie ist ausgebildete Sängerin: Kirchenmusik, Theatergesang, klassische Stücke, das ist seit langem ihr musikalisches Zuhause. "Ich würde mich nicht unbedingt als klassische Jazz-Sängerin bezeichnen", sagt Gabriele Dörrfuß. Erst seit einiger Zeit hat sie den Jazzgesang für sich entdeckt.



"Es war einfach stimmig", erzählt Pianistin Doris Wiening von den ersten gemeinsamen Proben. Die Eigenkompositionen der Herzogenauracherin stehen zwischen vertraktem Jazz und beswingtem Pop und passen gut zu den melancholischen Texten von Gabriele Dörrfuß. So etwa beim nachdenklichen Stück und gleichnamigen Gedicht "Schmetterling Flatterding".

"Songtexte sind ja oft platt und einfach gestrickt", sagt Wiening. Es sei gar nicht so einfach gewesen, die Musik auf die Gedichte anzupassen, da sie nicht als Songtexte verfasst wurden und kein Versmaß enthalten. In den Stücken ist von Verkopftheit aber nichts zu hören, mit solch einer Leichtigkeit spielt das Trio. Es hakelt nichts, die Melodie fließt. Es gibt sogar einen echten Refrain, was im Jazz ja nicht selbstverständlich ist.

Melancholische Texte
Die Texte handeln von Krisen und schweren Momenten, die man im Leben bewältigen muss. Dass es am Freitag im Ratskeller besonders schwermütig zugeht, ist aber nicht zu befürchten. Bei der Probe wird viel gescherzt. So ernst wie manches Thema ihrer Musik nehmen sich die drei Frauen augenscheinlich nicht. Auf dem Programm stehen neben den selbstgeschriebenen Stücken noch acht weitere Titel: Jazzstandards und Latinpop.

Assoziationen zum Minirock
Zu einem Namen für ihr Projekt haben sie sich noch nicht entschließen können. Vieles klänge einfach zu platt und abgedroschen. Bloß nichts mit "Ladies", da sind sich die drei einig. Da denke man immer, man müsse im Minirock und durchgestylt auf der Bühne stehen. Am besten, es bleibe einfach bei den drei Nachnamen. So kenne man sie auch am besten im Dreieck Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach. Doris Wiening und Ariane Ranger sind oft bei den Jazz-Sessions im Erlanger E-Werk dabei. Für den Herbst planen die Jazzerinnen weitere Konzerte im Großraum Nürnberg. Dann haben sie vielleicht noch mehr ihrer jazzigen Poesie dabei.