Schon um 8 Uhr in der Frühe stürmte die vierte Klasse die Mehrzweckhalle und wurde vom Hegegemeinschaftsleiter Karl Hetzar mit einem Jagdsignal empfangen. In Großenseebach fand die diesjährige Gehörnschau der Hegegemeinschaft Seebachgrund statt und waren auch zahlreiche Tierpräparate der heimischen Wildtiere gezeigt.

Eine besondere Attraktion waren zwei lebende Jagdfalken, den die Falkner mitgebracht hatten und bei dem nicht nur die Schulkinder vom friedlichen, fast stoischen Wesen des Raubvogels beeindruckt waren. Die Falkner, darunter auch Alfons Zeiler aus Höchstadt, beantworteten geduldig die vielen Fragen, und mutige Kinder konnten die Falken auch mal auf den Arm halten oder streicheln.

Zeiler hatte seinen "Terzel" mitgebracht, das ist der männliche Vogel unter den Taggreifvögeln. Der Wanderfalke ist ein Greifvogel, der ausschließlich im freien Luftraum Vögel erbeutet. Der Terzel jagt kleinere Vögel und stößt aus großer Höhe mit großer Geschwindigkeit von über 200 km/h auf seine Beute herab. Er gilt damit als das schnellste Tier der Erde.

Alfons Zeiler erklärte den Kindern, dass schon vor vielen Jahrhunderten die eleganten Tiere zur Jagd abgerichtet wurden. Gejagt wurde alles, was gefiedert war und sich zwischen Himmel und Erde bewegte, mit Vorliebe Rebhühner, Reiher, Enten, Fasane und Kraniche. Der Falkner hatte auch seine Ausrüstung dabei, so den festen Handschuh. Der Falke bekommt eine lederne Haube übergestülpt, die ihn vor störenden äußeren Einflüssen schützen soll. Erst zur Jagd wird der Kopfschutz entfernt.

Eigentlich ist die Falkenjagd mehr zu einem Hobby geworden und dient nicht mehr, wie vor Jahrhunderten, der Beschaffung von Nahrung. Wie der Falkner erklärte, haben sich zum Beispiel die Rabenkrähen stark vermehrt und schaden vor allem den Bodenbrütern und dem Niederwild. Also lassen die Falkner ihre Greifvögel die bei Jägern und Landwirten auch die nicht gerade beliebten schwarzen Vögel jagen. Denn gerade auch für Bodenbrüter und Niederwild haben sich die Rahmenbedingungen für durch den Wandel in der Landwirtschaft sowieso schon verschlechtert.

Wie Zeiler erklärte, komme dazu noch die Veränderung in der Gesellschaft mit ihren geliebten Haustieren. Gerade in der jetzigen Zeit sollten in der freien Natur Hunde an der Leine geführt werden und nach Möglichkeit die Katzen während der Nacht im Haus bleiben. Denn der Jagdtrieb gehört bei den Katzen zu den Urinstinkten. Die wenigsten Katzen seien heute noch darauf angewiesen, sich ihr Futter in der freien Natur zu suchen, der Jagdtrieb lasse sich aber weder abtrainieren, noch gerät er in Vergessenheit. Der Drang, Beute zu machen, ist im Wesen einer Katze fest verankert. Er ist bei frei lebenden Katzen ebenso ausgeprägt wie bei Tieren, die ausschließlich in der Wohnung gehalten werden. Alfons Zeiler konnte eine Reihe von Beispielen aufzeigen, bei denen die Gelege der Bodenbrüter und auch Vogelnester geräubert wurden.

"Die Öffentlichkeitsarbeit ist sehr wichtig", sagt Hegegemeinschafts-Leiter Karl Hetzar: Denn wenn man junge Menschen bereits an die Natur und ihren Schutz heranführe, bewirke dies deutlich mehr als Appelle im Erwachsenenalter.

Die Jäger standen für Fragen zur Verfügung und erklärten, dass die Jagd ein in Jahrhunderten gewachsenes Kulturgut sei, das in den Menschen Bayerns verwurzelt ist. Jagen heiße, Verantwortung für Mensch und Natur übernehmen. Die Jagd diene gerade jetzt der Erhaltung einer ausgewogenen Vielfalt in der Tier- und Pflanzenwelt. So würden nur Wildarten bejagt, deren Bestandsgröße eine nachhaltige Nutzung erlaubt oder deren Bejagung aus Natur- und Artenschutzgründen erforderlich ist.