Als Familie Müller (Name von der Redaktion geändert) an einem Novemberabend nach Hause kommt, erlebt sie eine böse Überraschung. Die Terrassentür ihres frei stehenden Einfamilienhauses in Höchstadt war eingeschlagen worden. Zuvor hatten der oder die ungebetenen Eindringlinge versucht, über das Kellergeschoss einzusteigen.

Im Haus hatten sie Schränke und Möbel nach Wertgegenständen durchwühlt.Folge: Schäden am Gebäude in Höhe von 2000 Euro, fehlendes Bargeld und geklauter Schmuck im Wert von rund 1000 Euro. Für die Betroffenen eher erstaunlich war, dass die Einbrecher nichts von den elektronischen Geräten mitgehen haben lassen.


Beute leicht umzusetzen

Für Simone Wiesenberg, Presseprecherin am Polizeipräsidium Mittelfranken, ist diese Beschränkung des Beuteguts typisch für Tages- und Dämmerungseinbrüche in Privathäuser. "Um elektronische Geräte absetzen zu können, brauchen die Täter ein gewisses Wissen über Marken und Qualitäten und Hehler, über die sie sie zu Geld machen können." Deshalb würden sich die meisten Diebe, auch wenn sie sich zu Gelegenheitsbanden zusammenschlössen, nur leicht umsetzbare Güter mitnehmen.

Familie Müller verständigte sofort die Polizei. Und damit rückte auch die Spurensicherung (Spusi) der Kripo Erlangen an. Da der oder die Täter sich relativ lange und intensiv im Haus aufgehalten hatten, war die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie kriminalistisch verwertbare Spuren hinterlassen hatten.

Durch DNA-Spuren Täter ermittelt

Das stellte sich als zutreffend heraus. Die Spezialisten fanden an einigen berührten Gegenständen DNA-Spuren einer Person. Das ist nicht selten. Ein Glücksfall war es, dass die gefundenen DNA-Spuren einer im Polizeicomputer gespeicherten Person zuzuordnen waren. Einem 44-jährigen Mann. "Die Ermittlungen dauern noch an. Möglicherweise können ihm weitere Taten zur Last gelegt werden", berichtete die Polizeisprecherin.

"In solchen Fällen vergleichen wir gemeldete Wohnungseinbrüche in der näheren Umgebung, natürlich über die Grenzen der Polizeiinspektionen hinaus", klärt Wiesenberg auf. "Auch Einbrecher haben inzwischen Autos. "

Identifizierbare DNA-Spuren haben auch dazu beigetragen, dass 2012 von den 61 Wohnungseinbrüchen in der Stadt Erlangen 15 aufgeklärt werden konnten. Mit einer Aufklärungsquote von 25 Prozent liegt die Universitätsstadt damit weit über dem deutschen Durchschnitt von 15, 7 Prozent.Allerdings liegt sie auch in der Steigerungsrate seit 2009 weit höher. Waren es 2009 36 Delikte inklusive der Versuche, stieg die Zahl im Folgejahr auf 49, stagnierte 2011 bei 47, um 2012 die Rekordhöhe von 61 zu erreichen.

Delikte steigen in Stadt und Land

Doch auch der ländliche Raum um Erlangen wurde in den vier Jahren nicht verschont. Den krassesten Sprung gab es im Einzugsbereich der Polizei Herzogenaurach. Wurden dort 2009 gerade mal zwei Wohnungseinbrüche angezeigt, stieg die Zahl 2011 auf zwölf und 2012 auf 13 Fälle an. Vier Fälle davon konnten aufgeklärt werden; die Polizei ermittelte drei Tatverdächtige.

Auf 24 Fälle verdoppelt haben sich auch die Wohnungseinbrüche im östlichen Teil des Landkreises. Hier wurde bislang nur ein Fall aufgeklärt, aber vier Tatverdächtige ermittelt. "Das war wahrscheinlich eine Bande", sagt Wiesenberg dazu.

Aus ihrer Berufserfahrung weiß sie, dass sich Einbrecher immer wieder zu "Gruppenarbeit" zusammenschließen. Gemeinsam spähen sie geeignete Objekte aus und schlagen kurzerhand zu. Von Schnelleinbrüchen spricht deshalb die Polizeisprecherin. Im Gegensatz zu Taten, die von langer Hand geplant werden, die Diebe es auf eine ganz bestimmte Ware abgesehen haben und gewissermaßen der Hehler oder auch der Auftraggeber schon Gewehr bei Fuß steht, um die Beute in Empfang zunehmen.

Weshalb Einbruchsversuche abgebrochen wurden, kann Wiesenberg der Statistik nicht entnehmen. Die Fälle sind dabei, bei denen gesicherte Fenster und Türen Täter schlicht scheitern ließen; aber auch die, in denen sie bei ihrer Tätigkeit gestört wurden und abhauten.

Aus dem Stand weiß sie von mehreren Fällen in jüngster Zeit, bei denen die Wohnungsinhaber Lärm hörten und dann in ihren Wohnzimmern Unbekannte vorfanden, die schleunigst Reißaus nahmen. "Einbrecher vermeiden tunlichst den Kontakt. Gewaltbereite Täter sind ganz wenige darunter."

Aber auch das "Erlebnis" reicht wohl schon: Ziemlich genau am selben Tag, an dem der 44-Jährige in Höchstadt in das Haus eindrang, ertappte ein Ehepaar fremde Männer im Flur. Die potenziellen Diebe fragten das Ehepaar "richtig blöd" und hauten dann doch ab.