Kein Zweifel, dies war ein ganz besonderer Jahrgang an Abiturienten, der am Freitagabend auf dem Südhof des Gymnasiums seine Verabschiedung erfuhr.

Auch das böse C-Wort (Corona) spielte dabei eine Rolle. "Die Einschränkungen haben viele Schüler verunsichert", so Schulleiter Roland Deinzer, "Unsere Lehrkräfte haben die Schüler sehr engagiert begleitet." Hilfestellung gab es laut Deinzer auch von Seiten des Ministeriums, weil so auf Schulaufgaben verzichtet werden konnte und die volle Konzentration der Schüler auf dem Abitur gelegen habe.

Eine weitere Besonderheit ergab sich durch die Erprobung der sogenannten Mittelstufe plus, wobei die Schüler entscheiden können, ob sie ein Jahr zusätzlicher Lernzeit wählen, oder nicht. Aus diesem Grund wurden dieses Jahr statt der gewohnten etwa 100 bis 110 Schüler lediglich 59 verabschiedet.

Ricarda Nietsch und Linus Hutzler geleiteten die Gäste souverän durch den Abend. Das diesjährige Motto "Die goldenen Zwanziger - Abgang mit Stil" war wohl durchdacht und ließ kaum Fragen offen.

Lehrer mussten daheim bleiben

"Die Zwanziger waren eine Zeit des Aufbruchs", so Nietsch. "Wie in den Zwanzigern die Wirtschaftskrise hat uns jetzt die Corona-Krise eingeholt." Den Corona-Auflagen geschuldet, wurden keine Lehrer eingeladen und jeder Absolvent durfte nur zwei Gäste mitbringen, damit man nicht über die 200 erlaubten Teilnehmer kam.

"So hadie Erprobung der sogenannten Mittelstufe plust es also doch noch geklappt, dass wir euch die Abiturzeugnisse nicht per Post zuschicken müssen, sondern sie euch in einem feierlichen Rahmen überreichen", so Schulleiter Deinzer, "Hinter allem steht eine wichtige Erfahrung. Letztlich haben wir unser Leben nämlich nicht selbst in der Hand", fährt er fort und zitiert von Ämilie Juliane Gräfin von Schwarzburg-Rudolstadt: "Es kann vor Nacht leicht anders werden, als es am frühen Morgen war."

Trotz Krise: Vertrauen in Zukunft

Aber er wünscht seinen Schülern auch Vertrauen in die Zukunft, denn: "Wo das Vertrauen verloren geht, gerät das Leben in Gefahr" und ergänzt: "Am Ende wird alles gut werden und wenn es nicht gut ist, dann ist es auch noch nicht das Ende." Auch Landrat Alexander Tritthart (CSU) gratulierte den Abiturienten: "Ihr habt nicht nur ein Abitur gemacht, ihr habt 2020 Abitur gemacht", so dass sich das Thema Corona auch durch seine Rede zog.

"Ich wünsche, dass Sie Ihren Weg machen und dass Sie das Glück nicht liegen lassen", gab Axel Rogner, Dritter Bürgermeister (JL), den jungen Menschen mit auf den Weg. Birgit Völker tritt für den Elternbeirat ans Mikrofon, der als Andenken für jeden Absolventen eine Tasse mit dem diesjährigen Motto bereithält, "Lasst die Welt wieder golden werden", sagte sie.

Lydia Hermann vom Verein der Freunde und Förderer des Gymnasiums Höchstadt zitierte Elisabeth Kübler Ross mit den Worten: "Jedes Ende ist zugleich ein strahlender Beginn."

Oberstufenkoordinator Michael Hipp lockerte die Stimmung mit seiner Idee für eine Corona-Zeitkapsel auf, aus welcher er neben einem Hut, den er vor seinen Schülern zieht auch einen schicken Umhang zu Tage fördert. "Das war kein Corona-Abitur", sagt er, "Diesen Vorwurf braucht ihr euch nie, nie gefallen lassen." Besonders hob er die Leistung seiner Schüler hervor, die mit dem 3D-Modell des Kapuziner-Klosters den P-Seminar-Preis 2020 des Bayerischen Kultusministeriums errangen. Als kleinen Gag erhielt jeder Absolvent von ihm eine Flasche Corona-Bier.

Musikalisch untermalt wurde die Feier durch die Jazz-Combo sowie vom Orchester unter der Leitung von Ariane Dammann-Ranger.

Abitur 2020 in Höchstadt: mit Auszeichnung

Dass sich dieser Jahrgang durchaus sehen lassen konnte, zeigte sich bei der Verleihung der Abiturzeugnisse. Über einen roten Teppich schritten die jungen Damen und Herren stolz vor zur Bühne, wo Deinzer jedem das Zeugnis in einer roten Mappe überreichte.

Jahrgangsbester mit einem Notendurchschnitt von 1,0 und herausragender Leistung im Fach Mathematik war Raphael Döring. Er beginnt sein Studium in Sozialwissenschaften an der Humboldt-Uni in Berlin. Gleichauf mit einem Schnitt von 1,0 findet sich Jakob Lisch. "Ich habe bereits einen Studienplatz für Business und Politikwissenschaft in Reims/Frankreich", sagt er nicht ohne Stolz.

Matthias Baumann, der mit 1,1 abgeschnitten hat, plant ein Duales Studium für Maschinenbau in Mannheim, den praktischen Teil absolviert er bei Schaeffler in Höchstadt. Zusammen mit Erik Wagner wurde er zudem für seine herausragenden Leistungen im Fach Physik geehrt. Sara Mattick brillierte mit ihrer Seminararbeit über die Photosyntheseleistung bei Pflanzen unter verschiedener Lichteinwirkung und gewann so den Sonderpreis der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg.

Mit einem Notendurchschnitt von 1,2 wird sie im Herbst in Erlangen ihr Jurastudium beginnen.

Katharina Keller errang den Biologie-Zukunftspreis 2020, Alexandra Keller wurde mit dem VfS-Abiturpreis des Vereins für Socialpolitik ausgezeichnet. Linus Hutzler wurde aufgrund seiner herausragenden Leistungen im Fach Latein mit der goldenen Ehrennadel des Deutschen Altphilologenverbandes geehrt.