Nach Beendigung der Schulzeit verliert man die Klassenkameraden nicht selten aus den Augen. Klassentreffen bieten sich an, um die ehemaligen Weggefährten wiederzusehen, zu erfahren, was aus ihnen geworden ist. Man trifft sich ein- bis zweimal und über kurz oder lang bleibt nur noch der harte Kern mit vielleicht fünf oder sechs Leutchen übrig. Dass es auch anders geht, zeigt der Abschlussjahrgang 1980 der Hauptschule in Höchstadt. Die Schüler von Evelyn Boebé-Munkert treffen sich alle fünf Jahre, und das seit nunmehr 40 Jahren. Wie man die Mädels und Jungs bei der Stange hält und was heute anders ist als da-mals, erzählen Evelyn Boebé-Munkert, Gerhilde Rasser und Beate Geyer bei einem Plausch in Rassers Salzgrotte in Medbach.

Beate Geyer: Frau Boebé hat damals gesagt, wenn wir gut mitmachen, wird sie uns be-lohnen mit einer Klassenfahrt nach Berlin.

Evelyn Boebé-Munkert: Damals gingen Klassenfahrten nur über drei Tage. Wir haben ein politisches Programm vorgelegt und durften eine Woche bleiben. Wir waren Vorprescher für die, die nachkamen.

Geyer: Wir kamen am Berliner "Zoo" an. Untergebracht waren wir im Jugendgasthaus in Berlin.

Gerhilde Rasser: Ich weiß noch, wir hatten einen Brustbeutel um, damit wir uns nicht verlieren.

Boebé-Munkert: Vorher haben wir in der Klasse U-Bahn-Fahren geübt, mit dem Finger auf der Karte. Beeindruckend waren die auf der Straße lebenden Menschen. Das kannten wir ja nicht. Die saßen und schliefen da auf den Treppen.

Rasser: Wir kamen ja vom Land. Besonders schlimm war es am Bahnhof "Zoo".

Boebé-Munkert: Da rutschte so mancher meiner Schüler näher an mich ran. Wir hatten dann auch ein straffes Programm für eine Woche. Ich habe gesagt: Schlafen könnt ihr zu Hause, aber hierher kommt ihr vielleicht nur einmal.

Ist sonst alles glatt gegangen?

Boebé-Munkert: Mehr oder weniger. Wir wollten auch nach Ostberlin. Vorher habe ich noch gefragt, ob alle ihre Ausweise dabeihaben. Dann war die Hälfte schon abgefertigt, da sagen zwei Jungs, sie hätten ihre Ausweise doch nicht dabei. Die haben wir dann zurück in das Jugendhotel geschickt.

Wir haben auch einen Ausflug gemacht zum "Checkpoint Charlie". Plötzlich fehlte ein Schüler, ein ganz braver. Als wir nach Hause kamen, spielte er Pingpong. Wie sich herausgestellt hat, war er am Checkpoint so fasziniert von dem Film, der dort lief, dass er nicht mitbekam, dass die anderen schon weitergegangen waren.

Sie waren 30 Schüler in der Klasse. Wie viele kommen zu den Klassentreffen?

Rasser: Es kommen so gut wie alle. Meist sind zwischen 80 und 90 Prozent da. Das schwankt ein bisschen, aber nichtsdestotrotz, mindestens 20 waren es immer.

Wie schafft man es, die Truppe zusammenzuhalten und wer managt das?

Rasser: Das machen die Beate und ich. Wir waren beide Klassensprecher, ich war auch Schulsprecherin. Für unser erstes Klassentreffen haben wir das Telefonbuch genommen und die Eltern angerufen oder sind persönlich hingefahren, haben gefragt, ob die Namen noch gleich sind oder wo unsere Klassenkameraden wohnen. Wir halten auch immer Kontakt. Jetzt läuft das viel über Whatsapp.

Boebé-Munkert: Man sieht sich auch beim Einkaufen, auf dem Friedhof, in der Kirche.

Geyer: Die, die beim ersten Mal da waren, kommen immer wieder.

Wie läuft so ein Klassentreffen bei Ihnen ab?

Rasser: Das läuft ganz akkurat ab. Die Klassentreffen sind immer an einem Samstag. Zuerst bestellen wir eine Kirche und treffen uns dann auf dem Friedhof. Dort legen wir eine Schale für unseren in der siebten Klasse verunglückten Mitschüler Peter Geyer aufs Grab. Dann gehen wir in die Kirche in Etzelskirchen und lassen eine feierliche Messe lesen. Anschließend essen wir gemeinsam, tauschen Erfahrungen und Anekdoten aus. Da gibt es so einiges.

Boebé-Munkert: Da sind ja auch immer fünf Jahre dazwischen.

Rasser: Unser 40-jähriges Treffen fand dieses Jahr am 26. September auf dem Lauberberg statt.

Wie lange geht so ein Klassentreffen?

Geyer: Das ist mit Open end. Das späteste endete mal früh um vier, da waren wir noch im "Jammy's". Das war so beim 30-jährigen.

Der Mitschüler/die Mitschülerin mit der weitesten Anfahrt kommt aus ...?

Geyer: Aus Dormitz. Der Rest kommt aus dem näheren Umkreis.

Was ist Ihnen so in Erinnerung geblieben an Ihre Schulzeit?

Geyer: Die Sportgruppe. Ab der siebten Klasse haben wir jedes Jahr einen Tanz einstudiert. Wir haben das selbst koordiniert und choreografiert, haben uns zu Hause getroffen und das einstudiert. Damals zu Liedern von "Boney M".

Rasser: Ein Highlight waren auch die Sportfeste.

Boebé-Munkert: Und die Bundesjugendspiele.

Das letzte Schuljahr, wie haben Sie das empfunden?

Rasser: Im Hinterkopf hatten wir die Berlinfahrt, dass wir uns anstrengen mussten. Wir haben zusammengearbeitet.

Boebé-Munkert: Ihr wusstet auch, dass die Lehrer sich untereinander besprechen. Ihr musstet euch in allen Fächern Mühe geben.

Rasser: Wir wollten das ja auch nicht nur für Berlin. Es kamen ja auch Berufsberater.

Geyer: Was es damals nicht gab, waren Schnupperlehren. Das kannten wir so nicht.

Wenn Sie Schule früher und heute vergleichen, was war Ihrer Meinung nach anders?

Boebé-Munkert: Früher standen die Eltern mehr hinter ihren Kindern. Da war mehr Disziplin in der Klasse. Es gab eine gute Klassengemeinschaft, die Schüler hatten Unterstützung durch ihre Eltern und konnten mit den Lehrern reden.

Geyer: Wir waren in der Schule, sind nach Hause und dann raus zum Spielen. Wir waren zufriedener, heute sind sie so hibbelig.

Rasser: Früher war das anders, da hatte man Respekt. Und wenn man mal geschwätzt hat, dann wurde man gleich versetzt. Wir Bauernkinder sind auch nach der Hausarbeit raus auf den Acker und haben geholfen.

Boebé-Munkert: Heute denkt jedes Kind, wenn es in die Schule kommt, es wäre immer als Erster dran. Weil die Eltern immer gleich springen, wenn es mal einen Pieps macht. Es war auch früher in der Klasse mehr Harmonie, die Schüler waren nicht so biestig und zickig, wie es später der Fall war. Wir haben damals noch mit Eltern und Schülern in der achten oder neunten Klasse Hexenhäuschen gebacken, es gab Weihnachtsfeiern mit den Eltern. Es war auch anders, wenn die Eltern in die Elternsprechstunde kamen. Sie haben zugehört und wir haben gemeinsam eine Lösung gefunden. Heute kommen die Eltern und sagen: "Also, Sie machen das am besten so." Jeder glaubt, ein Lehrer zu sein, nur weil er mal in der Schule war.

Ist Unterricht an sich heute einfacher als früher?

Boebé-Munkert: Wir haben früher noch viel Handarbeit gemacht. Wenn ich an meine Arbeitsblätter denke ... Ich habe ausgeschnitten, aufgeklebt, selber gezeichnet. Heute gehst du einfach ins Internet.

Geyer: Mein Vater hatte ein 20-bändiges Lexikon. Da hast du dir für ein Referat alles zusammengesucht. Das hat gedauert. Heute gehst du ins Netz.

Das Gespräch führte

Britta Schnake.