Kirchenaustritte hat es in Höchstadt und der Verwaltungsgemeinschaft Höchstadt bisher zwar noch nicht gegeben. Doch das muss nicht unbedingt so bleiben, glaubt Konrad Biermann vom Standesamt in Höchstadt: "Ich schätze, dass am Donnerstag schon ein paar Leute kommen und austreten wollen. Da haben wir nachmittags geöffnet."

Viele Katholiken (und Nicht-Katholiken) werfen dem Limburger Bischof Tebartz-van Elst Verschwendung vor. 31 Millionen Euro kostete der Bau seiner Residenz auf dem Limburger Domberg. Allein für die Badewanne gingen 15 000 Euro drauf. Zwar nicht das Geld des Kirchensteuerzahlers. Aber immerhin Vermögen des Bistums Limburgs. Nicht nur die Limburger macht das sauer. Auch die Geistlichen aus dem Landkreis sind verärgert. Und enttäuscht. Pfarrer Kilian Kemmer ist einer von ihnen: "Ich kann verstehen, wenn die Leute aus der Kirche austreten."

Wie es zu diesen immensen Ausgaben kommen konnte, ist für ihn unerklärlich: "Nach den Strukturen unserer Kirche ist es schier unmöglich, durch einsame Entscheidungen über solche Gelder zu entscheiden." Kemmer vermutet, dass diese Summe über Jahre hinweg entstanden sein muss. "Warum wurde es nicht publik? Das hat schon ein Geschmäckle", findet er. Überhaupt empfindet er die Hofhaltung speziell deutscher Bischöfe mit Dienstwagen und Chauffeur als "überholt".

Das italienische Modell
Deshalb fordert er aber keine Radikal-Reform des kirchlichen Finanzsystems. Die Kontrollmechanismen mit Stiftungsaussicht, Revisionen und privaten Wirtschaftsbüros seien schließlich vorhanden. Kemmer hat dafür eine ganz andere Idee: "Wir sollten es wie die Italiener machen. Die können jährlich entscheiden, ob sie 8,5 Prozent ihrer Einkommenssteuer dem Staat oder der Kirche zukommen lassen."

Doch auch ohne Kirchensteuer kann sich das Pfarramt in Höchstadt nicht beschweren. 105 000 Euro haben die Höchstadter allein 2012 - in der Kirche direkt oder auf das Konto des Pfarramts - für wohltätige Zwecke gespendet. Dazu kommen rund 10 000 Euro monatlich vom Erzbistum Bamberg. "Wobei man nicht vergessen darf, dass wir ein mittelständisches Unternehmen mit 57 Angestellten sind, die bezahlt werden müssen", erklärt Kemmer.

Nächstes Jahr soll das Dach des Pfarrheims saniert werden. Die Kosten stehen noch nicht fest, 65 Prozent übernimmt das Erzbistum. Genauso wie bei der Turmsanierung, die dieses Jahr abgeschlossen wurde. Kosten: 400 000 Euro. "Über 50 Prozent des Anteils des Pfarramts kamen aus Spenden zusammen", freut sich Kemmer. "Dort, wo die Kirche nah am Menschen ist, gibt es keine Probleme."

Für Bischof Tebartz-van Elst sieht er allerdings nicht mehr viel Chancen: "Er wird um einen Rücktritt wohl nicht herumkommen." Allein um des Friedens Willen müsse eine personelle Lösung her. Ob ihn die Affäre um den Bischof und den Imageschaden für die katholische Kirche persönlich betrifft? "Natürlich schämt man sich."
Auch Pfarrer Helmut Hetzel aus Herzogenaurach bedauert die Affäre: "Ich finde es schade und es macht mich traurig. Das schadet dem Ansehen und der Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche."

Die zunehmenden Kirchenaustritte in Limburg seit die Ausgaben in Millionenhöhe für den Bischofssitz bekannt wurden, kann Hetzel nachvollziehen: "Ich kann die Gläubigen in Limburg verstehen, wenn sie sagen: Ich bring' mein Geld nicht mehr da hin." Viele in seiner Kirchengemeinde würden den Kopf über den Skandalbischof schütteln. Hetzel selbst findet das Verhalten Tebartz-van Elsts "einfach nur peinlich": "Ob Luxusbadewanne oder nicht - man kann nicht mehr als sauber werden. Er hat öffentlich von fünf Millionen Euro gesprochen, jetzt sind es fast 40 Millionen. Das kann einfach nicht sein."

Hetzel sieht das große Problem vor allem darin, dass der Limburger Bischof eine "andere Wahrheitsauffassung" bevorzugt. Er plädiert deshalb dafür, alle Ausgaben transparent zu machen. So, wie es in Herzogenaurach bereits der Fall ist: "Jährlich gibt es vom Erzbistum Bamberg einen Flyer, in dem alle Projekte aufgelistet werden." In Herzogenaurach waren das konkret die Sanierung der Kirche St. Joseph in Niederndorf. Am 17. November wird sie neu eröffnet. Die Kosten liegen bei 560 000 Euro, wobei 45 Prozent das Erzbistum übernimmt. Auch bei dem neu in Betrieb genommenen Kindergarten in Niederndorf, der im September eingeweiht wurde, übernahm die Diözese bei den Gesamtkosten von 2,6 Millionen Euro laut Hetzel "einen großen Teil". Dass er sich bei künftigen Ausgaben mehr rechtfertigen müsse, glaubt er nicht."Bei uns wird alles offen gelegt", erklärt er.

"Nicht in Ordnung" und "unhaltbar" findet den Skandal auch Georg Walcher, Vorsitzender des Höchstadter Pfarrgemeinderats. Vorausgesetzt die Zahlen, die in den Medien veröffentlicht werden, stimmen. "Das ist ein enormer Schaden für die Kirche." Frühzeitige Kirchenaustritte sieht er allerdings mit Vorsicht: "Es wird jetzt viel verallgemeinert. Man sollte abwarten, bis klar ist, was wirklich passiert ist und in welchem Maße."

Konrad Biermann vom Standesamt in Höchstadt wird auf jeden Fall da sein. Nicht nur am Donnerstag.