Dem Wunsch vieler Eltern nach einem Waldkindergarten in Höchstadt kam der Stadtrat in seiner Sitzung am Montagabend einen großen Schritt näher. Einstimmig wurde beschlossen, einen Waldkindergarten "anzustreben". Die Initiatoren hätten zwar gerne schon einen endgültigen Beschluss gehabt, den soll es jetzt aber erst im März geben.

Vorher wird der Bauausschuss den Standort festlegen. Beschlossen hat der Stadtrat am Montagabend allerdings schon, dass ein freier Träger den Waldkindergarten betreiben soll. Mit der in Uehlfeld sitzenden gemeinnützigen Unternehmergesellschaft Wichtelglück stellte sich in der Sitzung auch gleich ein interessierter Betreiber vor, der bereit stünde, den Waldkindergarten in Höchstadt zu starten.

Waldkindergarten in Höchstadt: Keine großen Investitionen nötig

Sandra Besold und Jessica Arndt, die beiden Macherinnen von Wichtelglück, betreiben bereits in Neustadt einen Waldkindergarten und gründen gerade den nächsten in Bad Windsheim.

Den Räten in Höchstadt stellte Besold ihr Konzept vor. Das basiere auf dem bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan. Die Vorschulerziehung könne laut Besold ebenso in der Natur vollzogen werden wie die musikalische Früherziehung .

Große Investitionen sind für einen Waldkindergarten nicht notwendig. Es reiche ein Grundstück im Wald oder am Waldrand und ein Bauwagen. "Strom und Wasser sind nicht nötig", erklärte Besold zur Verwunderung einiger Räte. Für die dringenden Bedürfnisse der Kinder gibt es eine Kompost-Toilette. Geschlafen wird in Hängematten und auf Fellen.

Grüne befürchten Beeinträchtigung der Natur

Peter Winkler (Grüne) äußerte die Befürchtung, dass ein Waldkindergarten durch seinen Standort auch die Natur beeinträchtige. Einmal durch die Aktivitäten der Kinder und durch den Autoverkehr, wenn die Kinder gebracht und abgeholt werden.

Den Bedenken schloss sich Josef Bessler (JL) an. Er sprach sich gleich gegen einen möglichen Standort am Waldrand bei Sterpersdorf aus. Bäume könnten umfallen und Probleme mit den Jägern auftauchen, wenn die Kinder das Wild aufscheuchen. Darauf konterte Sandra Besold, dass sich gerade Kinder im Waldkindergarten sehr wohl im Wald zu benehmen wissen. Sie zerstreute auch die Bedenken von Michael Ulbrich (JL), der sich an nasskalten Tagen Sorgen machen würde. Für die Kindergärtnerin ist das nur eine Frage der richtigen Kleidung.

Ulbrich kündigte die "mehrheitlich positive" Haltung seiner Jungen-Liste-Fraktion an, plädierte aber im Beschlussvorschlag für die noch nicht endgültige Formulierung, einen Waldkindergarten "anzustreben".

Alexander Schulz ( CSU ) erinnerte daran, dass die CSU das Thema überhaupt aufgebracht habe und stimmte wie alle anderen Räte dem Grundsatzbeschluss zu.

"Wir wollen einen Waldkindergarten implementieren", begann Bürgermeister Gerald Brehm (JL) seine Ausführungen. Höchstadt als Mittelzentrum stehe eine solche Einrichtung gut zu Gesicht. Den Wunsch der Initiatoren, schon im kommenden Herbst zu beginnen, hält er mit einem Bauwagen für "zeitlich machbar".

Wie die Stadtverwaltung über eine Umfrage erkundet hat, gibt es in Höchstadt für 57 Kinder den Wunsch nach einem Platz in einem Waldkindergarten . Im Gespräch sind vier mögliche Standorte: Sterpersdorf, Nackendorf, das Waldgebiet Birkach und der Bereich des Abenteuerspielplatzes in Höchstadt-Süd. Hier könnten die Einrichtungen des Spielplatzes mit genutzt werden, es gäbe Parkmöglichkeiten für die Eltern und bei Sturm könnten sich die Kinder in die nahe gelegene Sporthalle der Grundschule-Süd in Sicherheit bringen.