"Mit Karl May kann man da nicht kommen": Grünen-Politiker kritisiert Museumswerbung zu "Indianern"

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Höchstadt: Grünen-Politiker kritisiert Museumswerbung zu "Indianern" - "nicht mehr angebracht"
Das Spix-Museum in Höchstadt zeigt Besuchern die Reise zweier Bayern nach Brasilien - und benutzt das umstrittene Wort "Indianer".
Höchstadt: Grünen-Politiker kritisiert Museumswerbung zu "Indianern" - "nicht mehr angebracht"
Spix Museum; Collage: inFranken.de

Ist das Wort "Indianer" auf einer Werbetafel des Höchstädter Spix-Museums angebracht? Die Meinungen des Museumsleiters und eines Grünen-Stadtrat klaffen weit auseinander.

  • Höchstädter Spix-Museum benutzt Wort "Indianerstämme"
  • "Total in Ordnung" - Museumsleiter verweist auf Karl May
  • Grünen-Politiker sieht Wort in Wissenschaft "nicht mehr angebracht"
  • Rassismus und Kolonialismus - behandelt das Museum die kritischen Seiten?

Das Spix-Museum in Höchstadt behandelt das Leben des "berühmtesten Bürgers der Stadt", wie es auf der Webseite heißt. "Der bayerische Humboldt" Johann Baptist Ritter von Spix und sein Kollege Carl Friedrich von Martius erforschten von 1817 bis 1820 das bis dahin weitgehend unbekannte brasilianische Landesinnere. Auf einer von mehreren Werbetafeln, die in der Stadt aufgestellt werden sollen, steht: "Sie besuchten 30 Indianerstämme und lernten ihre Lebensweise kennen." Während Museumsleiter Herbert Fiederling nichts Schlimmes an dem Wort "Indianer" sieht, findet Stadtrat und Ortssprecher der Grünen Peter Winkler das Wort heute "nicht mehr angebracht".

"Total in Ordnung": Höchstädter Museumsleiter verteidigt Wort "Indianer" - Grünen-Stadtrat hält dagegen

Mit der Diskussion um das Winnetou-Verbot im vergangenen Sommer entbrannte in der breiten Öffentlichkeit wieder die Frage, ob wir uns heutzutage von dem Stereotyp"Indianer" verabschieden sollten. In Höchstadt ist diese Debatte momentan wegen geplanter Werbung für das Spix-Museum aktuell. Das Preisgeld des kürzlich gewonnenen Bayerischen Museumspreises soll unter anderem Werbetafeln finanzieren, die in der Stadt auf das Museum hinweisen.

Herbert Fiederling findet das Wort "Indianer total in Ordnung. Ich bin mit Karl May aufgewachsen. Ich liebe Winnetou und halte 'Indianer' nicht für ein Schimpfwort, sondern für einen anständigen, ehrlichen und für Gerechtigkeit kämpfenden Volksstamm". Es handele sich in seinen Augen vielmehr um "ein Ehrenwort", wie er gegenüber inFranken.de deutlich macht. Peter Winklers Meinung geht in eine andere Richtung: "Spix war sicherlich eine wichtige Person der Stadt. Die Brasilienreise und den Geburtsort muss man würdigen, aber es bedarf einer historischen Einordnung", sagt er im Gespräch mit inFranken.de.

Sicherlich könne man das Wort "irgendwie in einer Art und Weise vielleicht verwenden", doch nicht mehr im wissenschaftlichen Kontext. Man spreche hier von "den Indigenen oder der indigenen Bevölkerung, aber nicht mehr von den Indianern. Das hat eine abwertende Konnotation und das muss man in der heutigen Diskussion berücksichtigen", betont Winkler. "Mit Karl May kann man da nicht kommen."

"War rassistisch": Politiker rät zu kritischer Diskussion - was tut das Spix-Museum?

Laut Winkler herrsche heute eine "sehr kultursensible Diskussion", die auch den Vergleich zwischen Humboldt und Spix problematisch mache. Humboldt habe die Lebensweisen der indigenen Bevölkerung viel intensiver studiert als Spix. Als "hinterweltige Menschen" hätten Spix und sein Kollege sie betrachtet. "Es war rassistisch, sie sind mit den Kolonialherren durch den Amazonas gezogen und haben Menschen als Sklaven genommen." Zwei mitgenommene Kinder seien auf der Reise nach Europa gestorben. "Man muss es kritisch benennen", fordert er.

Die aktuelle Ausstellung kenne Winkler nicht und er habe nichts explizit gegen das Museum. Auf die Frage, ob das Museum auch Kritik an Spix behandelt, antwortet Fiederling: "Alles, was es aufzuarbeiten gibt, ist aufgearbeitet." Es sei schon oftmals auch an anderen Stellen schriftlich festgehalten und sogar in einem Podcast besprochen worden. Im Museum weise eine Infotafel auf die kritischen Seiten von Spix hin. 

2021 habe sich das Höchstädter Spix-Museum gegen ein großes Bewerberfeld für den Bayerischen Museumspreis behauptet, heißt es in einer Pressemitteilung. "Der Ausstellung gelingt es auf kleiner Fläche, mit Präparaten, Texten, Bildtafeln und Medieneinheiten ein spannendes Bild vom bayerischen Humboldt zu zeichnen", lobt hier Stiftungsvorstand Franz Kränzler. Das Museum ist an jedem ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Weitere aktuelle Nachrichten aus Höchstadt a. d. Aisch findest du hier.