Wie soll sich das Mittelzentrum Höchstadt in den nächsten Jahren entwickeln? Wo wird es neue Bau- und Gewerbegebiete geben? Über diese Fragen diskutierte der neue Stadtrat in seiner ersten Sitzung nach der Konstituierung und stellte die Weichen. Danach soll es in Höchstadt keinen ungezügelten Flächenverbrauch mehr geben.

Mit der deutlichen Mehrheit von jeweils 21:3 Stimmen entschied der Stadtrat am Montagabend im weiten Rund der Aischtalhalle - in Corona-Zeiten muss ja schließlich Abstand gehalten werden. Sowohl bei der Baulandausweisung, als auch bei den Gewerbeflächen wird nicht mit den maximal möglichen Forderungen ins Genehmigungsverfahren für den neuen Flächennutzungsplan gegangen.

Grüne für ganz kleine Lösung

Schon bei der Vorbesprechung mit Vertretern aller Fraktionen vor einer Woche hatte sich herauskristallisiert, dass man auf die Bremse treten wolle. Der neuen Fraktion der Grünen ging das aber immer noch nicht weit genug. Ihr Sprecher Peter Winkler plädierte beim Bauland für eine "ganz kleine Lösung" und bei Gewerbegebieten nur für ein "maßvolles Nachverdichten".

Winkler monierte einen viel zu großen Landschaftsverbrauch, einen Fehler, den seiner Meinung nach auch alle Nachbarkommunen machen. Man sei in einer Wachstumsspirale, die Lebensräume zerstöre, sagte der Grünen-Sprecher.

In allen anderen Fraktionen war man sich einig, auch neue Gewerbeflächen in den neuen Flächennutzungsplan aufzunehmen. Diese werden im Bereich Greiendorfer Weg am westlichen Stadtrand ausgewiesen. Dafür verzichtet man komplett auf mögliche weitere Gewerbeflächen entlang der Birkach östlich von Etzelskirchen.

Zum Einstieg in die Flächennutzungsplan-Diskussion betonte Bürgermeister Gerald Brehm (JL), dass es sich bei diesem Plan nur um eine Absichtserklärung der Stadt handle. In die seien auch schon sehr viele Vorstellungen der Träger öffentlicher Belange und von Bürgern eingeflossen. Es werde immer Interessenskollisionen geben, so Brehm, aber Höchstadt sei Mittelzentrum und müsse Flächen für mehr Wohnraum und Gewerbe vorhalten. Natürlich wolle man die Bebauungspläne ökologisch gestalten.

Dass Höchstadt auf jeden Fall ein Gewerbegebiet brauche, betonten Bernd Herberger (CSU) und JL-Sprecher Michael Ulbrich. "Wir müssen in den saueren Apfel beißen", sagte Martin Oberle (JL). Er würde gerne ein "ökologisches Gewerbegebiet" schaffen. Auch wenn Josef Bessler (JL) eindringlich davor warnte, die landschaftlich wertvolle Fläche am Greiendorfer Weg als Gewerbegebiet auszuweisen, stimmte eine Mehrheit dafür und strich die Fläche an der Birkach.

500 Anfragen nach Bauland

Erarbeitet wird der Bebauungsplan im Höchstadter Ingenieurbüro Valentin Maier. Ingenieur Georg Schreiber präsentierte den Entwurf in der Sitzung, in den aus Sicht der Planer die maximal möglichen Flächengrößen eingezeichnet waren. Ziel sei es jetzt, die ausgewiesenen Flächen soweit abzustimmen, um einen Vorentwurf zu erstellen.

Der Bedarf an Bauplätzen für Wohnhäuser ist in Höchstadt nach wie vor groß. Unter den rund 500 Anfragen seien auch 300 von Höchstadtern, die hier bauen möchten, sagte Brehm. Sie sollen Möglichkeiten bekommen. Laut Ingenieur Schreiber könnten insgesamt 55 bis 65 Hektar Wohnbauflächen ausgewiesen werden.

Bei zwölf Bauplätzen pro Hektar könnten so über 600 Parzellen entstehen. 24 Hektar im Bereich Etzelskirchen-West, sechs Hektar in Höchstadt-Süd Richtung Gremsdorf und der größte Teil mit etwa 500 Bauplätzen in der Fortführung des Gebietes Häckersteig.

Auf Wunsch der Stadtratsmehrheit wird dieses Gebiet etwas abgespeckt. Um eine dichtere Bebauung am Häckersteig zu ermöglichen, soll dort auch ein Trinkwasserbrunnen aufgelassen werden. CSU-Sprecher Alexander Schulz forderte ebenfalls die kleinere Lösung und sprach von einer "kompakten Abrundung". Er stelle fest, dass Höchstadt trotz Bauland-Ausweisungen seit Jahren an Einwohnern nicht zunehme und das alte Baugebiete langsam aussterben würden.

AfD-Einzelkämpfer Christian Beßler votierte auch für einen kleineren Häckersteig und schlug zudem vor, aus alten Mischgebieten reine Wohngebiete zu machen.