Es gibt sie, Menschen, die dazu beitragen, Stadt- und Ortskerne wohnens- und liebenswert zu halten. Menschen, die alte Bausubstanz nicht abreißen, sondern ihr neues Leben einhauchen. Zu dieser Kategorie gehören Melanie Wright und Kurt Geist. Die beiden haben vor drei Jahren das Anwesen Marktbrunnenstraße 4 in der Höchstadter Innenstadt gekauft und sind dabei, es in ein kleines Juwel zu verwandeln.

"Wir haben lange nach einem alten Haus gesucht, das wir renovieren können", sagt die aus Schottland stammende Melanie Wright. Fündig wurden sie mit dem Gebäude samt Innenhof an der Ecke Marktbrunnenstraße/Untere Brauhausgasse.

Die Fassade ist inzwischen fertig und strahlt in zartem Blau. Das Fachwerk im Obergeschoss wurde freigelgt. Für den Höchstadter Heimatverein eine "vorbildliche Renovierung", die die Experten des Vereins kürzlich mit der Verleihung des Höchstadter Ziegels prämierten.

Auch wenn die Fassade nun wieder strahlt, abgeschlossen ist die Renovierung des Anwesens noch lange nicht. Im Inneren wird erst die Hälfte des Hauses wieder bewohnt. "Wir haben 30 Tonnen Bauschutt rausgeräumt", rechnet Kurt Geist hoch. Für den gelernten Forstwirt, der als selbstständiger Baumpfleger arbeitet, ist die Renovierung eine Herausforderung, der er sich mit Begeisterung stellt.

Abriss kam nicht in Frage

Geist und Wright renovieren aber nicht nur das Haus, auch die dazugehörende Scheune hat bereits ein neues Dach bekommen. Holzexperte Geist beeindruckt dabei besonders der jahrhundertealte Dachstuhl, der immer noch seinen Zweck erfüllt.

Als die beiden das Anwesen vor drei Jahren erwarben, bekamen sie von verschiedenen Seiten den Rat, es doch einfach abzureißen. Aber gerade das wollten sie nicht. Als sie im Heimatmuseum einen alten Katasterplan sahen, fragten sie nach und bekamen von Monika Mennel Auskunft über ihr "neues" Haus. Mennel erforscht die Historie aller Höchstadter Anwesen seit 1645.

Einem ihrer mittlerweile 20 Ordner konnte sie entnehmen, dass das Haus 1642 dem Bäcker und Ratsbürger Hanns Schell gehörte. 1806 wurde das Haus geteilt. Eigentümer wurden Joseph Kratz und Johann Georg Dresel. Von der Teilung zeugen nicht nur die beiden Eingangstüren an der Ost- und Westseite des Hauses. In der Scheune gab es auch zwei Kuhställe und drei Gewölbekeller. Bevor sich Melanie Wright und Kurt Geist an die Renovierung machten, diente die Hälfte des Hauses der Stadt noch als Obdachlosenasyl.

Zug um Zug wird nun das Innere des Anwesens, das übrigens nicht auf der Denkmalliste steht, immer wohnlicher. Geist verwendet bei der Renovierung die alten Fliesen, arbeitet mit Kalkputz, Lehm und Holz. Materialien, wie sie auch schon vor Jahrhunderten zum Einsatz kamen und heute noch für ein besonderes Wohnklima sorgen.