Wieviel Bauland braucht Höchstadt in den kommenden Jahren? Ist die Natur im Häckersteig ökologisch zu wertvoll, um dort das bereits vorhandene Baugebiet zu erweitern? Reicht eine kleinere Fläche?

In Höchstadt wird zur Zeit viel diskutiert. Im Oktober will der Stadtrat den geänderten Flächennutzungsplan auf den Weg bringen. Eine große Mehrheit der Fraktionen hat den Entwurf mitgestaltet und grundsätzlich befürwortet. Von Naturschützern und Grünen kommt Kritik. Die verschiedenen Positionen im Überblick: Bürgermeister und Junge Liste: Die jetzige Planung ist bereits ein Kompromiss, es braucht schleunigst Bauland für Familien. Ursprünglich hätte sich Bürgermeister Gerald Brehm (JL) noch mehr Bauplätze vorstellen können. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte die Erweiterung des Baugebiets Häckersteig über 30 Hektar umfasst. Nach Diskussionen im Stadtrat landete man schließlich bei 24,5 Hektar. Aus Sicht von Brehm und der JL brauche es schleunigst Bauplätze für Familien. Brehm nennt in diesem Zusammenhang immer wieder die Warteliste, auf die sich über 400 Bauwillige hätten setzen lassen. Die Erweiterung des Wohngebiets Häckersteig sei die konsequente Antwort. Auch für günstigen Wohnraum, den die Stadt dort mit dem Verkauf von Grundstücken sicherstellen will. Die JL argumentiert, Höchstadt brauche dringend Wohnbebauung, um als Mittelzentrum mit Neubürgern und wirtschaftlichem Potenzial wachsen zu können. Brehm weißt darauf hin, dass es sich um eine Entwicklungsfläche für weit mehr als das kommende Jahrzehnt handle. Kritik der Grünen, weist die JL zurück. Die Ablehnung von neuen Bauplätzen mache "der Lebensplanung vieler junger Familien einen Strich durch die Rechnung", so JL-Fraktionssprecher Michael Ulbrich. Naturschützer: Bebauung nur auf 37,5 Prozent der Fläche Der Höchstadter Biologe und Naturschützer Hans Krautblatter hat einen Gegenvorschlag gemacht. Er fordert, die aus seiner Sicht ökologisch besonders wertvollen Flächen aus dem 24,5-Hektar-Plan heraus zu nehmen. Seine Variante sieht eine Bebauung auf 9,2 Hektar vor. Das wären lediglich 37,5 Prozent der auf dem Tisch liegenden Planung. Herzstück wäre eine 6,4 Hektar große Fläche, angrenzend an die bisherige Bebauung nördlich des Wachenrother Wegs, ein halbes Hektar südlich davon, sowie 2,3 Hektar nördlich des Treibwegs. Die alte, terrassenförmige Kulturlandschaft mit dem Lebensraum für viele Arten und der Wanderweg mit Blick ins Tal müsse unbedingt erhalten bleiben, so Krautblatter. Unterstützt wird er von einzelnen Vertretern von Höchstadter Vereinen. CSU: Es braucht diese Dimension, aber vielleicht anders. Die Höchstadter CSU sieht sich selbst als die "Mutter" der aktuellen Planung. Denn eigentlich, so Vorsitzender Alexander Schulz, seien mehr als 30 Hektar geplant gewesen - aus CSU-Sicht zu voluminös. Die aktuellen 24,5 Hektar wären der Kompromiss gewesen, der in einer - von der CSU einberufenen - interfraktionellen Besprechung zustande gekommen sei. Dazu stehe man, so Schulz. Bauland werde in Höchstadt dringend gebraucht. 9,2 Hektar, wie von den Naturschützern vorgeschlagen, würden "für eine Entwicklung der Stadt nicht ausreichen". Allerdings sei es sinnvoll, darüber zu reden, ob im Häckersteig wirklich bis auf die Anhöhe gebaut werden muss oder ob man die Naturlandschaft und den Ausblick nicht erhalten könnte, wenn man dafür im Tal eine größere Fläche bebaut. Schulz sieht Fehler, die die Stadtspitze von Beginn der Planungen gemacht habe: "Scharmützel mit den Grünen hätte man sich ersparen können." Es habe an einer offenen Aussprache im Vorfeld gemangelt. "Man hätte viele Bedenken ausräumen können", meint Schulz. Er könne verstehen, wenn sich so mancher außerhalb des Stadtrats nun "vor den Kopf gestoßen fühlt." Grüne: Grundsätzlich gegen Bebauung - oder doch nicht? Die Höchstadter Grünen sehen grundsätzlich die Ausweisung neuer Baugebiete kritisch, vor allem in dieser Größenordnung. Das wäre "schlimm und fatal". Das macht Peter Winkler, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat, deutlich. Man ziehe aus Gründen des Umwelt-, Landschafts- und Klimaschutzes eine behutsame Nachverdichtung, etwa in Baulücken vor. Winkler schlägt jedoch die Tür nicht vollends zu. Ein Kompromissvorschlag für ein deutlich kleineres Baugebiet sei zumindest diskutierenswert. "Ein interessanter Gedanke. Wir sind für so etwas offen." Zu einer verkleinerten Variante der Häckersteig-Planung gebe es jedoch bisher keinen Beschluss der Grünen. "Wie wir uns dazu stellen, ist noch nicht ausgemacht." Er persönlich finde jedoch, dass man über eine "verträgliche Ortsabrundung" reden könne, solange die ökologisch wertvollen Bereiche sowie die "Blickachse ins Tal" erhalten blieben. Sollte die 24,5-Hektar-Planung im Oktober im Stadtrat eine Mehrheit finden, denke man bei den Grünen über eine Unterschriftensammlung für ein Bürgerbegehren nach. "Ein Flächennutzungsplan kann auch mit einem Begehren noch zurückgenommen werden."

Winkler verwehrt sich der Kritik, dass er selbst in dem Baugebiet, das nun erweitert werden soll, ein Haus besitzt: "Ich lasse es mir nicht verbieten, zu sagen, dass ökologisch wertvolle Flächen verloren gehen, wenn der Häckersteig zugebaut werden sollte." SPD: Die Fläche muss genügend Entwicklungspotenzial für alle Höchstadter bieten. Dass der Flächennutzungsplan, wie er nun ausgearbeitet vorliegt, genügend Raum für die künftige Entwicklung Höchstadts bieten muss, betont Andreas Hänjes, Fraktionsvorsitzender der Höchstadter SPD. "Ich finde die Planung, wie sie ist, gut." Die SPD sehe den dringenden Bedarf an Bauland. Es müsse sicher gestellt werden, dass alle Höchstadter davon profitieren können, spricht er die gerechte Vergabe der vergleichsweise günstigen Bauplätze an. "Wir bauen die ja auch nicht alle morgen auf einmal zu", betont Hänjes. Der Natur- und Artenschutz sei bei der Erstellung des Flächennutzungsplans von Fachleuten schon mit einbezogen worden. "Ich sehe nicht ein, dass der Naturschutz in dieser Ecke eine besondere Rolle spielen soll", sagt Hänjes. Nachverdichtung, wie die Grünen sie fordern, sei schön und gut. Aber wenn die Stadt, wie in der Kerschensteinerstraße, Wohnungsbau plant, seien die Grünen, die ersten, die dann wieder querschießen, so Hänjes. Er fordert Generationengerechtigkeit und erinnert daran, dass auch an Stelle der alten Wohngebiete in Süd, im Weingartsgraben oder im Musikerviertel vorher Natur war. "Diejenigen, die sich jetzt als absolute Profis und Beschützer der Natur aufspielen, haben selber ihre Grundstücke einst von schönen, prächtigen Hecken befreit." AfD: Die Pläne sind ausgewogen, "Zersiedelung" trotzdem verhindern Es sei das Anliegen der Höchstadter AfD für Familien und Senioren dringend benötigten Wohnraum zu schaffen, sagt AfD-Stadtrat Christian Beßler. "Eine zunehmende Zersiedelung oder gar Flächenfraß soll zugunsten stringenter Bebauungspläne vermieden werden, um architektonische Beliebigkeit zu verhindern." Er selbst wohne seit 19 Jahren am Häckersteig. Als Kind habe er auf den Wiesen gespielt, die nun bebaut werden sollen. Ihm sei immer klar gewesen, dass dies einmal Bauland werden würde. Bei den geplanten 24,5 Hektar handle es sich um einen "ausgewogenen Kompromiss". Es bestehe kein Änderungsbedarf. Die Grünen würden mit zweierlei Maß messen. "Würden am Trimm-Dich-Pfad noch weitere Windkrafträder geplant, dann wären diese Grünen die ersten, die bereit wären, weiteren Wald dafür zu roden."