Herzogenauracher Heldinnen

3 Min
Petra Schonath (r.) mit einer Mitarbeiterin in ihrer Metzgerei die Stellung. Foto: Verena Stephan
Petra Schonath (r.) mit einer Mitarbeiterin in ihrer Metzgerei die Stellung.   Foto: Verena Stephan
Nicole Weichert Foto: Verena Stephan
Nicole Weichert   Foto: Verena Stephan
 
Katrin Frauenhoffer Foto: Verena Stephan
Katrin Frauenhoffer  Foto: Verena Stephan
 

Wer in einem systemrelevanten Berufsfeld arbeitet, hat in diesen Tagen viel zu erzählen.

In Zeiten von Corona wird uns allen viel abverlangt: Home-Office, Kinderbetreuung und Ausgangsbeschränkungen. Doch nicht alle Herzogenauracher können von zu Hause arbeiten, denn Kontaktverbot hin oder her, Lebensmittelhandel und Gesundheitswesen müssen weiterlaufen.

Stellvertretend für alle "Helden des Alltags" wie Verkäuferinnen, Krankenpflegerinnen, Kassiererinnen, Arzthelferinnen, Ärzte, Hebammen, Apotheker, Rettungssanitäter, Mitglieder der Feuerwehren, Polizisten, Zulieferer, Seelsorger, Bestatter, Mitarbeiterinnen der Ämter, Psycho- und Physiotherapeuten, Tierärzte und -pfleger und alle, die sonst noch in diesen schwierigen Zeiten die Stellung, haben wir mit einigen Herzogenaurachern gesprochen und mal nachgehakt, wie das so ist, wenn man in einem systemrelevanten Berufsfeld tätig ist.

Fragen an Nicole Weichert, Verkäuferin bei der Bäckerei Polster:

Inwiefern hat sich Ihr Arbeitsalltag durch Corona verändert?

Es ist umstrukturiert worden, wir haben weniger Personal im Einsatz und arbeiten in getrennten Schichten, um gesunden Ersatz in der Hinterhand zu haben, falls eine Kollegin erkrankt. In der Backstube ist auch Kurzarbeit, deswegen haben wir uns aufs Kernsortiment beschränkt. Es ist eine Umstellung, aber es ist zu schaffen.

Es wurden ja auch Schutzmaßnahmen ergriffen, die geben bestimmt Sicherheit, oder?

Auf jeden Fall. Wir haben die Plexiglasscheiben als Spuckschutz und natürlich auch Handschuhe, Desinfektionsmittel und Mundschutz. Da haben wir auch absoluten Rückhalt vom Chef und der Verkaufsleitung und es wird alles getan, was machbar ist.

Wie funktioniert das Zusammenspiel von Verkäuferinnen und Kunden?

"95 Prozent der Kunden verstehen es und achten auch konsequent darauf, aber es gibt auch immer ein paar, die uneinsichtig sind.

Sind Sie eher froh, dass Sie noch arbeiten dürfen, oder...?

Auf jeden Fall! (lacht)

Fragen an Katrin Frauenhoffer, Apothekerin in der Herz-Apotheke:

Wie ist es für Sie, trotz Corona weiter zur Arbeit zu gehen?

Man geht schon jeden Tag mit einem komischen Gefühl hierher, weil man ja nie weiß, ob einer infiziert ist oder nicht. Die Schutzmaßnahmen sind natürlich auch neu.

Wie haben Sie die Hamsterkäufe erlebt?

Also am Anfang war das Desinfektionsmittel echt ein Problem, aber mittlerweile haben wir selbst welches hergestellt und verkaufen es in kleinen Mengen. Bei den Masken und Handschuhen haben wir auch Schwierigkeiten und lange Wartefristen.

Gab es schon Schwierigkeiten mit unvernünftigen Kunden?

Ja, deswegen haben wir jetzt auch eine Tür zugemacht. Manche halten gar keinen Abstand und desinfizieren sich auch nicht oder kommen auch uns dann immer näher als sie sollten. Da weisen wir die Kunden dann auch darauf hin, dass sie Abstand halten sollen, um niemanden unnötigen Risiken auszusetzen.

Fragen an Petra Schonath, Verkäuferin bei der Metzgerei Schonath:

Sind Sie dankbar, dass Sie noch arbeiten dürfen? Und falls ja, wieso genau?

Naja, wir sichern dadurch ja auch unsere Einnahmen und können dadurch unsere Leute weiterbezahlen. Das ist nicht selbstverständlich und deshalb sind wir sehr dankbar.

Was hat sich in Ihrem Laden verändert? Irgendwelche Sortiments- oder Personalumstrukturierungen?

Eigentlich nur die Schutzmaßnahmen, da bin ich auch dem Herrn Welker sehr dankbar, der den Spuckschutz ganz spontan gemacht hat. Sonst mussten wir eigentlich nichts ändern, diese hygienischen Mittel wie Handschuhe und Händewaschen haben wir eh schon immer gehabt.

Zeigen Ihre Kunden Verständnis?

Absolut, das muss ich auch mal sagen, da sind unsere Kunden total rücksichtsvoll und organisiert. Die warten schön draußen, damit nicht so viele gleichzeitig im Laden sind, und da gibt es auch kein Gemecker. Diese Rücksichtnahme aufeinander find ich bewundernswert, das muss man den Herzogenaurachern echt lassen.

Fragen an Niklas Schiffer, Einzelhandelskaufmann bei E-Center Bächmann:

Wie haben Sie die anfänglichen Hamsterkäufe erlebt?

Wir mussten teilweise Überstunden machen, um mit dem Einräumen hinterherzukommen. Es gab aber nie einen Mangel an Lebensmitteln, wir hatten immer genug da. Klopapier, Hefe und Wasser in Mehrweg-Glasflaschen war das Einzige, was vorübergehend nicht vorrätig war. Mittlerweile geht das aber zum Glück alles wieder, außer die Hefe, da haben wir immer nur wenig da.

Waren Sie froh, dass die Supermärkte in Herzogenaurach keine Anpassung der Öffnungszeiten vorgenommen haben?

Ja, da war ich natürlich sehr froh. Ich denke, wenn ein Markt sechs Tage die Woche von 7 bis 20 Uhr geöffnet hat, dann ist das genug Zeit, damit es alle schaffen, einkaufen zu gehen.

Mit welchem Gefühl gehen Sie täglich auf Arbeit?

Natürlich hat man immer ein bisschen Angst, das Virus zu bekommen. Aber trotzdem mache ich ganz normal meine Arbeit und erledige meine Aufgaben. Man wäscht sich halt lieber einmal zu viel die Hände und desinfiziert sich regelmäßig, aber ansonsten machen wir halt einfach unseren Job.