Theresia Hauke führt seit 26 Jahren ihren Laden "Männermoden Horbaschek" in Herzogenaurach (Landkreis Erlangen-Höchstadt). In den vergangenen drei Wochen durfte sie öffnen. Zwei Kunden konnte sie mit vorheriger Terminbuchung in dieser Zeit gleichzeitig im Laden beraten. Ab morgen muss sie wieder schließen, die Inzidenzwerte im Kreis sind zu hoch.

"Ich bin enttäuscht, dass wir nicht auch über 100 mit Terminvergabe öffnen dürfen", sagt Hauke inFranken.de. "Warum müssen wir schließen und andere dürfen öffnen?" Baumärkte zum Beispiel durften zuvor unabhängig von der Inzidenz geöffnet haben. Selbiges gilt für Supermärkte, in denen auch Kleidung verkauft wird. "Es ist deprimierend, dass Supermärkte alles verkaufen dürfen. Wir, die Kleinen, müssen im Lockdown schließen, das ist ungerecht", sagt Hauke verständnislos.

Geschäftsinhaberin aus Herzogenaurach: "Mein Laden ist mein Ein und Alles"

Als "enttäuschend" empfindet sie es, wie sich Menschenmengen teils in Supermärkten auf engem Raum drängen. Der Unterschied zwischen den erlaubten zwei Kunden bei ihr und den hohen Kundenzahlen in Supermärkten, bei denen eine Kontaktnachverfolgung unmöglich ist, ist für sie gravierend. "Ich habe das Gefühl, es wird lockerer genommen. Im ersten Lockdown wurde durch Security sehr auf die Regeln geachtet, jetzt merke ich davon in einigen Märkten leider nichts mehr. Wir müssen dann darunter leiden und schließen, wenn die Zahlen nach oben gehen."

Die vergangenen drei Wochen geöffnet zu haben, hat Hauke und ihrem Geschäft gutgetan. Auch in 26 Jahren angesammelte Rücklagen und ihre Stammkunden helfen dem Laden sehr. "Sie kommen ganz bewusst zum Einkaufen. Sie kommen lieber zu uns, bevor sie online etwas bestellen", freut sie sich über die Unterstützung. Ihre Kunden seien keine "anonymen Nummern", sie kenne jeden von ihnen persönlich, erklärt Hauke.

Ihr Job ist ihre Leidenschaft. "Mein Laden ist mein Ein und Alles, Verkauf ist mein Traumberuf." Ohne einem passenden Konzept wird es so aber nicht ewig weitergehen können. "Wenn wir verkaufen dürfen, brauchen wir auch keine staatlichen Hilfen", gibt sie zu bedenken. "Unser größter Wunsch ist es, öffnen zu dürfen." Die Hygienemaßnahmen ließen sich in ihrem Geschäft leicht umsetzen.

#Lasstunsöffnen: Unternehmer wollen Ladenöffnungen

Für Ladenöffnungen setzen sich auch die Unternehmer des Aktionstags #Lasstunsöffnen ein. Dem steht Hauke zwiegespalten gegenüber. "Es muss von den Virologen das Okay gegeben werden. Ich möchte nicht um jeden Preis öffnen, um das zu entscheiden, kenne ich mich zu wenig aus. Aber wenn es so viele Ausnahmen gibt, die öffnen dürfen, verstehe ich nicht, wieso ich nicht mit zwei Leuten im Laden mein Geschäft weiterführen darf. Das finde ich ungerecht."