Beim "Open Beatz Festival" im mittelfränkischen Herzogenaurach (Landkreis Erlangen-Höchstadt) kam es 2019 zu dramatischen Szenen: Ein 31 Jahre alter Mann stürzte von einem Riesenrad 25 Meter in die Tiefe. Der Festivalbesucher erlag wenig später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Für einen ehemaligen TÜV-Mitarbeiter und den Betreiber des Riesenrads hat der tragische Unfall  ein gerichtliches Nachspiel: Beide müssen sich in einem Prozess vor dem Amtsgericht Erlangen verantworten. 

Eine erste Entscheidung ist bereits gefallen: Der 63-jährige Ingenieur, der als Prüfer des TÜV Rheinland im Vorfeld des Musikfestivals die technische Abnahme des Riesenrads übernommen hatte, wurde am Donnerstag (4. November 2021) wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. "Er war in einem zuvor stattgefundenem Gespräch bereit, alles einzuräumen, was ihm zur Last gelegt worden war", berichtet Richterin Birgit Griem, Pressesprecherin des Amtsgerichts Erlangen, am Freitag (5. November 2021) inFranken.de

Tödlicher Riesenrad-Unfall in Herzogenaurach: 31-Jähriger stürzt 25 Meter in die Tiefe

Das tragische Unglück auf dem "Open Beatz Festival" in Herzogenaurach hatte sich am Abend des 20. Juli 2019 ereignet. Das Riesenrad wurde infolge des Sturzes beschlagnahmt und anschließend von Gutachtern auf technische Mängel hin untersucht. Die Ermittlung zum Unfallhergang ergab später, dass sich mehrere Gondeltüren des Riesenrads nicht richtig schließen ließen, weil sie verkehrt montiert waren.

Bei der Rekonstruktion des Unfalls griffen die Ermittler auch auf ein Facebook-Video zurück, das den Sturz des 31-jährigen Unfallopfers zeigte. Laut Berichten war der Mann seinerzeit eigens aus Kolumbien nach Franken gereist, um das Musikfestival zu besuchen. Das Riesenrad betrat er an jenem Samstagabend vor mehr als zwei Jahren in Begleitung seiner Freundin. Kurz nach 18 Uhr stürzte er aus rund 25 Metern Höhe in die Tiefe und verstarb wenig später in einer Klinik. Die Freundin des Opfers erlitt einen Schock.

In der Verhandlung räumte der frühere TÜV-Angestellte am Donnerstag ein, das Riesenrad nicht ausreichend auf seine Sicherheit kontrolliert zu haben. Der Ingenieur wurde, wie eingangs erwähnt, wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Die einjährige Freiheitsstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Auch der Betreiber des Riesenrads, ein Schausteller aus Worms, steht in Erlangen vor Gericht. Der 63-Jährige hatte das Fahrgeschäft offenbar eigens für das Gastspiel in Herzogenaurach von Bekannten aus Frankreich geliehen. Der Prozess vor dem Amtsgericht Erlangen wird am 25. November fortgesetzt. Im Dezember und im Januar finden zudem insgesamt vier weitere Verhandlungstage statt.