Es hat seine Zeit gedauert, bis die Straßenerneuerung von der Steggasse bis zum Ende der Würzburger Straße vollendet war. Ende gut, alles gut, könnte man angesichts des planebenen, barrierefreien Pflasters sagen.

Bis der Blick näher an den Straßenleuchten hängenbleibt, zum Beispiel an der Lampe direkt vor dem Fenster der Redaktion. Die Form erinnert an die Gaslampen vor 100 Jahren; die Straße wird in ein mildes, fast romantisches Licht getaucht. Das passt sehr gut zu den historischen Gebäuden ringsum. Untertags erkennt man aber, dass die "Glühbirne" keine LED sein können.

Das bestätigt Thomas Hiller, der technische Leiter der Herzowerke. Sie sind von der Stadt beauftragt, die Straßenbeleuchtung zu planen und zu warten sowie darauf zu achten, dass die Ausleuchtung den gesetzlichen Vorgaben entspricht.
Hiller ist vollkommen mit der Stadt einig, dass vor allem aus Energiespargründen die LED-Technik eingesetzt werden sollte.

Herzogenauracher Standard

"LED ist bei Straßenneubauten Herzogenauracher Standard", betont auch Bauamtsleiter Gerhard Merkel. Darüber herrscht im Stadtrat Konsens, und Bürgermeister German Hacker (SPD) hat als Prämisse an die planende Verwaltung herausgegeben, bei neuen Straßenzügen und größeren Straßenerneuerungen die Beleuchtung mit LED einzurichten.

Das erste Projekt war der Geh- und Radweg an der Peter-Fleischmann-Straße vom McDonald's bis nach Niederndorf. Die jüngsten waren die Würzburger und die Parkstraße. Fest eingeplant ist die moderne Lichttechnik für die Herzo Base und für das Gewerbegebiet Bamberger Straße, erklärt Merkel. Warum sind dann in den
Leuchten im Altstadtbereich der selben Straßenerneuerung keine LED? "Man kann in eine Straßenleuchte nicht einfach eine LED reinschrauben, wie man Glühbirnen gewechselt hat. Es muss der ganze Leuchtenkörper ausgetauscht werden", erläutert der Fachmann bereitwillig. Das liegt am völlig anderen Kons truktionsprinzip der LED.

Kleine Lichtpunkte

"Sie sind, vereinfacht, viele kleine Lichtpunkte", versucht er den gravierenden Unterschied zu Gasentladungslampen verständlich zu machen. Bei "weißen" Quecksilberdampflampen wie auch bei den "gelben" Natriumdampflampen leuchtet Gas in einem Glaskolben. Wegen seiner Form und Größe wird inzwischen ganz allgemein sogar von Kofferleuchten gesprochen, obwohl der Begriff ursprünglich nur ein Handelsname eines namhaften Herstellers war.

Technisch lässt sich auch mit LED ein gelbwarmer Lichtton erzeugen. "Eingefärbte LED brauchen aber fünf bis zehn Prozent mehr Strom", setzt Hiller sofort dagegen. Und das würde das erklärte Ziel der Stromersparnis konterkarieren. Denn: "Realistisch betrachtet haben LED-Leuchten einen um 20 bis 40 Prozent niedrigeren Stromverbrauch als die herkömmlichen Gasentladungslampen", erklärt Hiller. Die teilweise genannten Sparwerte von 70, 80 Prozent beziehen sich, so Hiller, auf den Vergleich mit Glühbirnen, wie man sie in häuslichen Lampen bislang eingesetzt hat.

Aus der Straßenbeleuchtung sind sie schon lange verschwunden. Auch Leuchtstoffröhren sind nur mehr vereinzelt im Einsatz; sie waren an Peitschenmasten befestigt, die beim Aufstellen und Warten sehr unpraktisch waren - im Vergleich zu heutigen geraden Masten mit dem kofferförmigen Leuchtkörper.
Der Fachmann Hiller wagt sogar eine Prognose: "In 30 Jahren sind in Deutschland 80 Prozent der Straßenlampen auf LED umgestellt; in 50 Jahren gibt es nur noch LED."

Spareffekt durch weniger Strom

Dennoch stellt er nüchtern fest, dass sich die Umstellung auf LED nur durch die Stromeinsparung rechnet. LED-Leuchten sind deutlich teurer in der Anschaffung. Und auch die Wartung und Reinigung von Staub und Insekten im Vier-Jahres-Turnus gilt für sie auch.
Einzelne (schadhafte) Straßenlampen werden in Herzogenaurach nicht durch LED-Leuchten ersetzt. Denn es entstünde zwangsläufig eine Art Mischlicht. "Eine einzelne Lampe unter anderen Leuchtmitteltypen erweckt einen ganz anderen Lichteindruck", beschreibt Merkel den Effekt. Und das wäre bestimmt im Altstadt ambiente eine große Irritation.