Susanne Lasch besucht häufig ihre Großmutter in der Wohngemeinschaft Haus Schlossberg in Höchstadt. Die junge Frau gießt die Blumen und kümmert sich um die persönlichen Gegenstände. Denn ihre Oma wohnt dort mit ihren eigenen vertrauten Möbeln und Einrichtungsgegenständen.

Auf dem Tisch steht ein großer bunter Blumenstrauß auf einer Decke mit einer breiten Häkelborte. Nein, er ist kein Mitbringsel der Enkelin, sondern es sind kunstvoll gehäkelte Blüten. Die Handarbeiten hat vor Jahren die alte Dame gefertigt.

Fragt man sie heute danach, gibt sie sachkundig Auskunft über die Technik. Trotz der Tatsache, dass die alte Dame an Demenz erkrankt ist. "Es war eine Odyssee, bis wir für Oma diese Wohngemeinschaft fanden. Seit ihrem Einzug hat sie sich total gewandelt", berichtet Lasch.

Weniger Medikamente

Der Gesundheitszustand ihrer Großmutter hatte sich so verschlechtert, dass sie aus einer Einrichtung des Betreuten Wohnens ausziehen und sogar vorübergehend in die Bezirksklinik musste. "Inzwischen konnten selbst ihre Medikamente reduziert werden", berichtet Lasch weiter. Zurück führt sie es auf die familienähnliche Struktur des Hauses für elf Bewohner.

Kern und Lieblingsaufenthalt der allermeisten ist die große Wohnküche, in der vor dem Mittagessen auch von vielen fleißig geschnippelt und gewerkelt wird. "Am begehrtesten ist das grüne Sofa am Eingang", ergänzt Vera Mahler. Sie gehört wie Lasch dem Angehörigengremium des Hauses an. Denn alle elf Bewohner haben Angehörige als Betreuer, die für sie die Dinge regeln, zu denen sie selbst nicht mehr in der Lage sind.

Den Alltag dagegen meistern sie mit Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes, dessen Mitarbeiter rund um die Uhr im Haus sind. "Immer sind drei Pflegepersonen im Haus. Drei der 17 Pfleger haben eine gerontopsychologische Ausbildung", erläutert Rosi Schmitt, die Moderatorin des Vereins "Lebensfreude ERHalten", der das ehemalige Amtsgericht für die Wohngemeinschaft umgebaut hat.

Noch ein wenig garteln

"Sie binden die Bewohner in die Alltagsverrichtungen ein. Diese Animation oder Aktivierung wirkt besser als Medikamente", ergänzt Schmitt Laschs Ausführungen. "Das, was da ist, kann erhalten werden", bestätigt auch Mahler.

Für Laschs Oma ist das ihre Erfahrung mit dem Garten. "Sie hilft hier mit und kommandiert den Anbau", beschreibt die Enkelin, was ihre auch körperlich schwer gehandicapte Oma noch tun kann. Kein Problem ist es nach dem Umbau des Hauses, dass sie mit dem Rollstuhl überall hin kommt.

Ein Aufzug verbindet das Erdgeschoss mit dem oberen, in dem ihr Zimmer liegt. An der Wand des Ganges hängen ansprechende, farbenfrohe Bilder. "Sie stammen von einem inzwischen verstorbenen Bewohner. Er hat sie alle hier gemalt", berichtet Mahler zur Verblüffung aller.

Eine flache Rampe führt in den geschickt angelegten Garten. Ein Hochbeet für rüstigere, eine stabil überdachte Laube, reichlich Kräuter, Blumen und zwei Apfelbäume, die Kindheitserinnerungen wecken können.
"Wir sind sozusagen die Heimleitung", erklärt Mahler als Sprecherin des Angehörigengremiums. Es entscheidet bei seinen häufigen Treffen über Regeln und vertragliche Dinge sowie über Anschaffungen wie zuletzt einen Badewannenlifter.

Lore Wassermanns Mutter ist erst seit einem Monat im Haus, nachdem sie sich in einer anderen Einrichtung nicht eingewöhnen konnte. "Die Information über das Haus Schlossberg habe ich von einer Kundin, deren verstorbener Vater so zufrieden hier gelebt hat", berichtet sie . "Nun können wir Mutter mit einem guten Gefühl besuchen, aber auch mit einem guten Gefühl wieder gehen."

Ambulante Betreuung

Das bestätigt auch Inge Bauer, deren Ehemann hier lebt. "Mir hat seine Situation sehr wehgetan; es war eine bittere Entscheidung", sagt sie rückblickend. "Doch sie war gut für meinen Mann; er ist jetzt so ausgeglichen", betont sie. Und: "Ich bewundere die Betreuerinnen." Denn sie kennt sehr wohl die Belastung, die zum Beispiel mehrmaliges Aufstehen pro Nacht bedeutet.

Haus Schlossberg ist eine ambulant betreute Wohngemeinschaft für demenzkranke und pflegebedürftige Menschen. Auf der finanziellen Seite beutet dies, dass auch die Zahlungen der Pflegekasse danach gestaffelt sind. "Bei einer Person in Pflegestufe eins bedeutet dies eine monatliche Zuzahlung von 1900 Euro", sagt Schmitt. Davon macht die Miete rund 230 Euro aus, die Mietnebenkosten belaufen sich auf etwa 285 Euro. Und pro Monat wird ein Haushaltsgeld von derzeit 230 Euro erhoben.

Die Summe entspricht, so Schmitt, den Sätzen von beschützenden Einrichtungen. Ausdrücklich weist sie darauf hin, dass bei Bedarf eine Unterstützung durch das Sozialamt möglich ist.

Während die Gesprächspartnerinnen vom Angehörigengremium durchs Haus führen, geht eine Bewohnerin mit einer Betreuerin zum Mülleimerplatz. Sie trägt die leichte Tüte, die Pflegerin das schwerere Behältnis. Eine andere Frau zupft noch ein wenig an einem Beet, ehe sie zurück ins Haus geht.

Und eine dritte kommt auf die ihr bekannten Angehörigen zu. Die ermuntern sie, eines der vielen Gedichte, die sie noch beherrscht, vorzutragen. Die Bewohnerin schafft die lange Ballade vom Erlkönig noch bis fast zum Ende, viele Zeilen weiter, als sie den viel Jüngeren noch geläufig ist.