Pia Douwes und Uwe Kröger sind das Musical-Traumpaar Wiens. Diesen Ruf haben sie sich schon vor zwei Jahrzehnten in dem Stück "Elisabeth" erspielt. An ihren Erfolg in der Donaumetropole knüpfen die beiden Darsteller seit Februar in der tragischen Komödie "Besuch der alten Damen" im traditionsreichen Wiener "Ronacher" an.

Einem Franken trauen es die Vereinigten Bühnen Wien zu, dieses Traumpaar zu ergänzen: Armin Kahl ist "Cover" - Vertretung - von Uwe Kröger, spielt mehrfach im Monat an der Seite der "alten Dame" die zweite Hauptrolle, "Alfred III". "Du musst maximalen Einsatz zeigen, Höchstleistungen abrufen", beschreibt der gebürtige Erlanger, der in Hamburg auch schon Alexander Klaws als Tarzan "gecovered" hat, den Anspruch, den die Zuschauer und natürlich auch der Veranstalter an die Vertreter
prominent besetzter Hauptrollen stellen.

"Künstlerische Freiheiten"

Als "Alfred III" ist er in Friedrich Dürrenmatts Stück "Besuch der alten Dame" immer auf der Flucht, rennt im ganzen Theater um sein Leben. "Der Regisseur verlangt dabei nicht, dass ich die Rolle genauso spiele wie die Erstbesetzung. Ich habe und nehme mir durchaus künstlerische Freiheiten und spiele zum Beispiel auch hier in diesem Musical die eine oder andere Szene mit einer anderen Emotionalität als Uwe Kröger."

Dass ihm das offensichtlich sehr gut gelingt, zeigen begeisterte Fans, die ihn nach der Show am Bühneneingang um Autogramme und gemeinsame Fotos bitten. Aber auch das gibt es (Kahl schmunzelt): "Ich fahre nach der Show mit der U-Bahn nach Hause. Nicht weit vom mir sitzt eine ältere Dame. Sie schildert ihrer Tochter per Telefon in bestem Wienerisch ihren Musicalbesuch und erzählt, dass nicht Uwe Kröger, sondern irgendein Armin ..., Armin ... - K ... in der Hauptrolle zu sehen war."

Der gebürtige Erlanger kann also durchaus unerkannt durch Wien schlendern, obwohl er bereits seit Sommer 2013 hier auf der Bühne steht - zunächst in "Natürlich blond", jetzt im "Besuch der alten Dame". Vor einem Jahr hat er seine Wahlheimat Hamburg nach Engagements in "Tarzan" oder "Ich war noch niemals in New York" Richtung Österreich verlassen. "Ich hätte in Hamburg Rocky spielen können, habe mich aber dann gegen diese immense körperliche Belastung entschieden."

Neue Ufer warteten trotzdem auf den Musicaldarsteller: nicht mehr an der Elbe, sondern an die Donau. Wenn er Hamburg und Wien vergleicht, dann kommt er zu diesem Schluss: "Wien ist als Musicalhauptstadt im deutschsprachigen Raum inzwischen von Hamburg abgelöst worden." Als er neun oder zehn Jahre alt gewesen sei, seien "Cats", "Les Miserables", "Die Schöne und das Biest" vorwiegend in Wien gespielt worden. Die Kulturstadt sei seitdem dem Anspruch treu geblieben, Eigenproduktionen wie "Elisabeth, "Tanz der Vampire", "Mozart" oder "Rebecca" auf die Bühne zu bringen und habe diese auch nach Deutschland verkauft. Wien sei allerdings - über Musicals hinaus - künstlerisch, kulturell und historisch sehr, sehr breit aufgestellt. "Hamburg dagegen hat in den letzten beiden Jahrzehnten insbesondere das Musical als kulturellen Schwerpunkt ausgebildet." Und es seien weitere zwei Häuser geplant.

Ist daraus zu lesen, dass der gebürtige Erlanger bald wieder in Deutschlands hohem Norden zu sehen sein wird? - "Nein. Das ist derzeit nicht absehbar. Bis Juni läuft das Engagement hier in Wien. Dann bin ich drei Monate auf der Seebühne in Thun in der Schweiz bei ,Aida‘ zu sehen."

Anschließend nimmt sich Armin Kahl eine kurze Auszeit, um vor der nächsten Herausforderung Kraft zu tanken. Ab Februar 2015 wird er den Vicomte de Valmont in der Uraufführung von "Gefährliche Liebschaften" am Staatstheater am Gärtnerplatztheater in München spielen.



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