Ursprünglich wurde der Flieger aus Kopenhagen um 12 Uhr am Nürnberger Flughafen erwartet. An Bord: die deutsche Fußballnationalmannschaft. Doch offenbar kam das Team nach dem Unentschieden in Dänemark mit reichlich Rückenwind nach Franken. Nicht unbedingt im sportlichen Sinn, sondern eher im meteorologischen. Bereits um kurz nach 12 Uhr passierte der Tross das Herzogenauracher Ortsschild.


Kaum jemand da

Als die Kolonne aus dem schwarzen Teambus und mehreren Pkw auf den Parkplatz des Teamhotels einbiegt, warten dort kaum Fans oder Schaulustige. Nur ein kleines Grüppchen von Medienvertretern hat sich rechtzeitig dort eingefunden und sich nicht auf die kommunizierte Ankunftszeit verlassen.

Als sich die Türen des Teambusses öffnen, geht alles ganz schnell. Das Trainerteam um Joachim Löw und die Spieler um Julian Draxler, Kevin Trapp oder Matthias Ginter verschwinden recht schnell in der Lobby des Hotels. Nur Andreas Köpke und Miroslav Klose beschäftigen sich mit den zwei erfahrenen Autogrammjägern mittleren Alters, die direkt lautstark Unterschriften einfordern, kaum das jemand den Bus verlassen hat (Klose: "Ich hol' nur noch kurz meine Sachen!").



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Nach nicht einmal fünf Minuten ist die Show vorbei und der Bus geparkt. Schade für die, die jetzt erst am Hotel eintreffen.

Da sind zum Beispiel die beiden Jungs Jan (10) und Tim (8), die aus den Nürnberger Gemeindeteilen Großgründlach und Kraftshof hier her gekommen sind. Wer letztendlich auf ihren noch blütenweißen DFB-Trikots unterschreibt, sei ihnen "eigentlich egal". Immerhin haben sie in der Vergangenheit schon einige hochkarätige Autogramme abgestaubt. "Zum Beispiel Müller, Neuer und Kramer", zählt Jan auf.

Er durfte im Oktober des letzten Jahres beim Länderspiel Deutschland gegen Tschechien sogar schon als Einlaufkind den Spielern ganz nahe kommen: "Wir haben uns damals über den DFB beworben und gewonnen. Dann sind wir nach Hamburg gefahren und ich bin mit Jonas Hector eingelaufen", sagt er.


Lieber zum Club

Auf dem Parkplatz ist inzwischen auch Sabine Jung aus dem Baiersdorfer Ortsteil Igelsdorf eingetroffen. Sie hat ihre beiden Töchter Vanessa (14) und Laura (12) dabei. Gerade die ältere wollte sich das Nationalteam nicht entgehen lassen: "Sie ist völlig fußballfanatisch. Da muss ich immer zu solchen Sachen fahren", sagt Mutter Sabine und lacht. Schon am Flughafen hatten sie versucht, das Team zu entdecken, doch waren nicht erfolgreich. "Viel haben wir nicht gesehen. Kontrolliert werden die ja nicht. Die sind gleich in den Bus und weg", so Sabine Jung. Doch das gefährdet nicht die gute Laune: "Naja, jetzt haben wir uns das mal angeschaut. Aber beim Club sieht man mehr! Da ist alles öffentlich und die Spieler nehmen sich Zeit und unterhalten sich mit den Leuten."


Kein Happy-End?

Zu spät dran war auch der sechsjährige Jonas Gäbelein aus Herzogenaurach. Der glühende Gladbach-Fan hat es natürlich besonders auf Lars Stindl und den früheren Gladbacher Marc-André ter Stegen abgesehen.

Mit ersterem verbindet ihn sogar schon eine Geschichte: Der kleine Torwart des FC Herzogenaurach hatte die Borussia als Fan im Trainingslager besucht. Gefehlt hat dort allerdings Torwartvorbild Yann Sommer. Lars Stindl war es, der die für die Unterschrift gedachten Torwarthandschuhe mitnahm und sie später nach Herzogenaurach zurückschickte. Natürlich mit der Unterschrift des Schweizer Nationalkeepers.

Dafür wollte sich Jonas nun bedanken. Doch während die anderen Autogramm- und Fotojäger im Laufe des Nachmittags wenigstens noch Timo Werner, Amin Younes, Benjamin Henrichs und Oliver Bierhoff zu Gesicht bekamen, wartete Jonas vergeblich auf seinen Helden. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt: Ein paar Gelegenheiten könnten sich ja noch ergeben, bevor das Team wieder abreist.