Frischen Wind wollte Giovanni Daniele in die Politik von Lonnerstadt bringen, als er in diesem Jahr als CSU-Kandidat bei den Bürgermeisterwahlen antrat. Zu tun bekam er es mit ordentlich Gegen- statt Rückenwind. So zumindest bewertet der mittlerweile aus der Partei ausgetretene Daniele das Geschehen der vergangenen Monate.

Die CSU in Lonnerstadt gibt ein zerstrittenes Bild ab. Bereits im Sommer war Jörg Brunhofer als Vorsitzender zurückgetreten. Er wollte nicht mittragen, dass die CSU im Gemeinderat gegen die Vereinsförderung in der jetzigen Form argumentiert.

Geknallt hat es dann im Vorlauf der Gemeinderatssitzung vergangene Woche. Daniele legte nicht nur den Fraktionsvorsitz nieder, sondern gab gleich das Parteibuch mit ab.

Seine Gründe dafür, dass er hingeschmissen hat? "Die CSU hatte offenbar kein Interesse an einer Neuorganisation des Ortsverbands", sagt Daniele gegenüber dem Fränkischen Tag. Als "Außenstehender" habe er lernen müssen, dass man bestimmte Dinge im Ort offenbar lieber nicht ausspreche.

Daniele meint damit die aus seiner Sicht illegitime Förderung von Vereinen, die er mehrfach und vehement angeprangert hatte. Es sei daraufhin zu Anfeindungen seiner Person gekommen und er sei als "Feind der Vereine" dargestellt worden, was überhaupt nicht stimme.

Ihm gehe es nach wie vor ausschließlich um die wirtschaftliche Vernunft. Und die sage, dass eine Kommune, die "pleite" ist und 1,5 Millionen Euro an Krediten aufnehme, sich besser hinterfragen müsse, ob und in welcher Höhe man Vereine fördert.

Dass der TSV Lonnerstadt allerdings eine starke, teils personelle Verankerung auch im Gemeinderat habe, das habe er unterschätzt, als er die aus seiner Sicht unbequeme Wahrheit über das finanzielle Füllhorn seiner klammen Kommune aussprach.

Kritik von Parteikollegen

Für ihn habe das Fass zum Überlaufen gebracht, dass zum Schluss massiver Druck auch aus seiner Partei gekommen sei, obwohl man doch vereinbart habe, eine scharfe Opposition fahren zu wollen, so Daniele. Von CSU-Ortschef Karl Blankenbühler habe er harsche Kritik geernet, er solle die Anträge im Gemeinderat, unter anderem zur Akteneinsicht in Pachtverträge mit Vereinen, zurückziehen. Blankenbühler habe ihm klar gemacht, ansonsten notfalls der Gemeinde schriftlich zu geben, dass Daniele nicht im Namen der CSU spreche.

Wurde alles abgestimmt?

Daniele widerspricht. Alle inhaltlichen Positionen, auch die Kritik an der Vereinsförderung, seien im Vorfeld unter den Mitgliedern besprochen und von diesen befürwortet worden. Auf Nachfrage erklärt Blankenbühler, dass die Anträge von Daniele wie aus heiterem Himmel gekommen seien. Er habe sie den Mitgliedern gesendet, mit der Bitte "bis in einer Stunde" noch zu sagen, ob etwas nicht passe, dann leite er sie so wie sie sind an die Gemeinde weiter. Eine Stunde sei zu wenig Vorlauf, sagt Blankenbühler. Die Parteifreunde seien alle berufstätig und würden nicht ständig in ihre E-Mails schauen.

Kreisebene schaltet sich ein

Doch beim Streit im Ortsverband blieb es nicht. Am meisten habe er sich geärgert, so Daniele, dass sich schließlich die Kreisebene eingeschaltet hat, in Form eines Anrufs von Walter Nussel, stellvertretender Kreisvorsitzender. Wie man hört, hat er Daniele unmissverständlich klar gemacht, dass sein Agieren in Sachen Vereinsförderung nicht im Sinne der CSU sei.

Ein Machtwort der Kreisleitung bei einem Ortsverband? Nein, ein Machtwort sei es nicht gewesen, sagt Nussel auf Nachfrage des Fränkischen Tag. Er habe Daniele nur klarmachen wollen, "dass ich sein Vorgehen nicht für zielführend halte", so Nussel. "Das Dorf lebt von Vereinen." Und ein Sportverein sei, was den Finanzbedarf angeht, "nicht mit einem Schachverein zu vergleichen."

Die CSU stehe hinter dem Ehrenamt und der kommunalen Förderung von Vereinen, auch in Lonnerstadt, auch für den TSV, solange alles rechtskonform abläuft. Und dies habe die Rechtsaufsicht des Landratsamtes kürzlich festgestellt.

Daniele dagegen nennt Nussels Anruf eine "Einmischung" in inhaltliche Positionen, die eigentlich nur der Ortsverband selbst klären hätte sollen. "Ich frage mich, mit welcher Not Herr Nussel dem ganzen Ortsverband in den Rücken gefallen ist", sagt Daniele.

Zwei Rücktritte im Vorstand

Das sehen in der Lonnerstadter CSU offenbar auch andere so. Hier knirscht es derzeit gewaltig. Es hat offenbar den ein oder anderen Brandbrief an die Kreisspitze der CSU gegeben, in dem nicht nur von einer Spaltung der Lonnerstadter CSU, sondern gar von einer drohenden Auflösung die Rede ist. Auch über mangelnde Unterstützung im Wahlkampf, etwa durch Landrat Alexander Tritthart, ist die Rede.

Im Ortsverband zieht Danieles Rücktritt weitere personelle Kreise. Wie Karl Blankenbühler, Ortsvorsitzender, auf Anfrage bestätigt, hat Susanne Pfister, stellvertretende Ortsvorsitzende, ihr Amt niedergelegt und ist aus Protest ganz aus der CSU ausgetreten. Axel Popp ist als Schriftführer zurückgetreten.

Nein, vor dem Zerfall stehe der Ortsverband nicht, sagt Blankenbühler. Nussels Äußerungen verstehe er nicht als Einmischung. Man wolle nun zurück zur Sacharbeit. Im November stünden zudem turnusgemäße Delegiertenwahlen an.

Und auch Nussel winkt ab. Streit, vor allem nach einer verlorenen Bürgermeisterwahl, das gebe es häufiger. Nun müsse man warten und die Sache "in Ruhe bewerten".

Einen Schlussstrich hat Daniele mit der CSU gemacht. Sein Mandat als Gemeinderat wolle er jedoch weiter ausfüllen, auch wenn er als Einzelner keinen Sitz im Rechnungsprüfungsausschuss hat. Er wolle weiterhin offen seine Meinung sagen.

Denn, so Daniele: "Eine Opposition existiert im Gemeinderat nicht." Er werde weiterhin "den Finger in die Wunde legen". Dass er hier und da anecken werde, das sei ihm bewusst. Er hoffe auf einen sachlichen Umgang mit seinen Argumenten.