Rassismus ist kein Problem, das erst seit gestern existiert. Der Mord an George Floyd durch einen Polizisten ging um die Welt und hat die Menschen in Aufruhr versetzt. Auch in Deutschland protestierten tausenden Menschen auf den Straßen, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Auf Social Media Kanälen zeigen Menschen ihre Solidarität oder erzählen von ihren persönlichen Erfahrungen mit Rassismus.

Auch der Hass auf Polizisten nimmt dadurch wieder zu. In Stuttgart wurden die Verachtung und die Feindseligkeit in großem Ausmaß deutlich. Während der Kontrolle aufgrund eines Drogendelikts, solidarisierten sich die Anwesenden laut Polizei gegen die Beamten. Vermummte Männer randalierten in den Straßen Stuttgarts, schlugen Scheiben ein und zerstörten Geschäfte. 19 Polizisten wurden verletzt.

CSU-Politiker aus Erlangen äußert sich auf Twitter zu den Gewalttaten in Stuttgart

Der CSU-Politiker Stefan Müller hat sich auf Twitter zu den Gewaltausschreitungen geäußert und dabei ganz klar einer Personengruppe die Schuld zugeschrieben. Er ist Mitglied des Bundestages für Erlangen und Erlangen-Höchstadt.

Stefan Müller schreibt auf Twitter: "Wir haben in Deutschland ein Problem mit Migranten, die keinerlei Respekt vor der Polizei haben. Angestachelt von den Rassismus-Diskussionen der letzten Wochen fühlen sie sich als Opfer und enthemmt durch Alkohol und Drogen entlädt sich der Hass auf Polizisten."

Der Tweet spaltete die Nutzer. Neben mehr als 6000 Likes, hagelte es auch Kritik an Müllers Aussage.

Erlanger Journalist gibt Konter 

Der Journalist Frédéric Schwilden, der für die Welt schreibt, kommt ebenfalls aus Erlangen. Er hat sich die Mühe gemacht, auf Müllers Tweet ausführlich auf Facebook zu antworten. In einem durchdachten Plädoyer setzt sich Schwilden Stück für Stück mit den rassistischen Vorwürfen von Müller auseinander.

Der Journalist schreibt: "Das größte Problem daran ist, glaube ich, dass Sie, als Sie diesen Schwachsinn geschrieben haben, total nüchtern waren." und spielt damit auf Müllers Verweis von der "Enthemmung von Alkohol und Drogen" an. 

Er zählt mehrere Unternehmen und Arbeitgeber Erlangens auf, bei denen auch Migranten arbeiten: "Diese Migranten retten Ihnen als Pfleger, Pflegerinnen, Ärzte und Ärztinnen das Leben. Sie entwickeln die Maschinen, die Ihr Leben verlängern, wenn Sie sie mal brauchen."

Schwilden: "Sie sind nicht besser oder toller oder klüger als Mohammed Ozkurt oder wer auch immer"

Schwilden betont, dass neben Deutschen, auch aus Bosnien, Portugal, dem Iran, dem Irak, Kroatien, Somalia und Afghanistan stammende Bürger an den Gewalttaten in Stuttgart beteiligt gewesen waren. "Was diese Menschen eint, ist nicht ihr unterstellter Migrationshintergrund. Es ist männlich-jugendliche Beklopptheit."

Der Welt-Journalist setzt sich dabei auch mit dem allgemeinen Rassismus-Problem auseinander: "Wenn man nicht Stefan Müller, sondern vielleicht Mohammed Ozkurt heißt, ist es schwerer eine Ausbildung zu bekommen. Sogar bei so einer albernen Firma, wie der Dresdner Bank Erlangen. Das wissen Sie ja selbst, da durfte sogar jemand wie Sie seine Ausbildung machen. Der Punkt ist aber, Sie sind nicht besser oder toller oder klüger als Mohammed Ozkurt, oder wer auch immer, der eben nicht Stefan Müller heißt, aber Sie haben es einen Ticken einfacher."

Schwildens Fazit: "Was Sie machen ist: Weiße Identitätspolitik. (...) Sie sind ein weißer deutscher Bundestagsabgeordneter, der von Migranten schreibt, weil er sich nicht vorstellen kann, dass Leute, die nur ein bisschen anders aussehen oder einen anderen Namen tragen, auch Mitbürger und Mitbürgerinnen sind." Wenn Müller nicht wahrhaben wolle, dass Deutsche auch Lee, Palmer, Iyibas, Akbay, Bakovic oder Bajbouj heißen, habe er im Bundestag nichts zu suchen.

Müller weist Vorwürfe zu einer rechten Gesinnung von sich

Frédéric Schwildens Beitrag erhält über 10.000 Likes und wird fast 5.000 Mal geteilt. Der CSU-Politiker lässt auch das nicht auf sich sitzen und äußert sich in den Nürnberger Nachrichten zu seinem Tweet: "Das ist weder ein Generalverdacht gegen alle Migranten, noch eine Aussage gegen Migranten an sich. Diejenigen, die Probleme machen, müssen deutlich benannt werden, auch wenn man absichtlich missverstanden wird."

Auch dass ihm nun viele eine rechte Gesinnung zuschreiben, passt dem CSU-Politiker nicht: "Um das an dieser Stelle klar zu stellen: ich hab weder mit der rechten Szene noch ihrer Partei AfD etwas zu tun."