Aufgrund der vielen Fälle von „Callcenter-Betrug“ in Franken und dem damit verbundenen finanziellen Schaden der Opfer hat sich das Polizeipräsidium Unterfranken dazu entschieden, zum Schutz der Betroffenen die Präventionskampagne "Leg auf!" zu starten.

Das Ziel dieser Kampagne sei es, insbesondere ältere Menschen und deren Angehörige über aktuelle Betrugsmaschen wie „Enkeltrickbetrug“, „Falsche Polizeibeamte“ und „Schockanrufe“ zu informieren, zu sensibilisieren und Verhaltenstipps zu geben, betont das Polizeipräsidium.

Vorsicht bei Telefonbetrug: Die wichtigsten Tipps der Polizei

  • Legt bei einem verdächtigen Anruf auf und wählt die Notrufnummer 110. Fragt dann bei der Polizei nach, ob es wirklich einen entsprechenden Einsatz oder Notfall gegeben hat, bei dem Verwandte in Gefahr sein könnten.
  • Die Polizei würde niemals dazu aufrufen, Geld oder Schmuck zu Hause zur Abholung bereitzulegen oder an unbekannte Abholer zu übergeben.
  • Übergebt keine Geldbeträge an Fremde: Auch die Polizei würde an der Haustüre keine Wertsachen abholen, um sie in Verwahrung zu nehmen.
  • Die Täter können mittels "Call ID-Spoofing" jede gewünschte Rufnummer auf dem Telefondisplay anzeigen lassen - bei der echten Polizei erscheint aber niemals die 110, auch nicht mit Vorwahl.
  • Sprecht mit Freunden, Nachbarn und Verwandten über das Phänomen und tauscht euch aus.
  • Wenn ihr nicht möchtet, dass eure Rufnummer in öffentlichen Verzeichnissen wie dem Telefonbuch zu finden ist, könnt ihr den Eintrag löschen lassen.
  • Lasst euch am Telefon nicht unter Druck setzen, sondern legt einfach auf.
  • Gebt unbekannten Anrufern keine Details zu euren finanziellen Verhältnissen. Nach solchen Informationen würde die Polizei niemals fragen.
  • Wenn euch der Anrufer auffordert, die 110 zu wählen, um die Richtigkeit des Anrufers zu verifizieren, dann beendet das Gespräch, legt den Hörer auf und ruft dann eigenständig bei der Polizei an.

In Schweinfurt und Erlangen-Höchstadt waren Betrüger mit solchen Maschen wieder erfolgreich und haben zwei Seniorinnen um ihre Ersparnisse gebracht.

Am Dienstag (8. März 2022) hat sich eine Telefonbetrügerin als Polizistin ausgegeben und behauptet, dass die Tochter der Angerufenen in einen tödlichen Verkehrsunfall verwickelt sei. Die Anruferin forderte einen hohen Geldbetrag, der erforderlich sei, damit die Tochter einer Haftstrafe entgehe. Mit dieser "Kautionsmasche" haben Betrüger auch schon eine Rentnerin aus dem Kreis Bamberg hereingelegt. Auch die Seniorin aus Schweinfurt wurde um einen fünfstelligen Geldbetrag gebracht.

Falsche Polizistin täuscht Seniorin: Tochter soll tödlichen Unfall verschuldet haben

Gegen 10.30 Uhr nahm sie den Anruf der bislang unbekannten Betrügerin entgegen. Die angebliche Polizistin behauptete, dass die Tochter der älteren Dame einen Unfall verursacht hätte, bei dem eine schwangere Frau verletzt und deren ungeborenes Kind getötet worden sei. Der Tochter würde deshalb eine Haftstrafe drohen, die nur durch Zahlung einer fünfstelligen Geldsumme abgewendet werden könne. 

Die Übergabe des Geldes an eine ebenfalls unbekannte Abholerin erfolgte zwischen 11 Uhr und 12 Uhr in der Kornacherstraße. Währenddessen wurde die Seniorin noch eine ganze Weile am Telefon gehalten. Die Anruferin beendete das Gespräch erst, nachdem die Abholerin samt Beute verschwunden war.

Die Seniorin beschrieb die Geldabholerin folgendermaßen:

  • Sie war etwa 35 Jahre alt;
  • sie war ungefähr 1,75 Meter groß und schlank;
  • sie hatte schulterlanges, welliges Haar;
  • sie trug einen blauen Trenchcoat mit Gürtel;
  • sie hatte zudem eine schwarze Tasche mit Reißverschluss und Tragegriffen bei sich.

Die Kriminalpolizei Würzburg hat inzwischen die weiteren Ermittlungen in dem Fall übernommen und hofft dabei auch auf Hinweise von Zeugen:

  • Wer hat im Laufe des Dienstags im Bereich der Kornacherstraße eine Frau gesehen, auf die die Personenbeschreibung zutrifft?
  • Wer hat möglicherweise die Geldübergabe beobachtet, die in der Nähe eines Hochhauses stattfand?
  • Wer kann sonst sachdienliche Hinweise geben, die zur Aufklärung des Falles beitragen könnten?

Hinweise nimmt die Kripo unter der Telefonnummer 0931/457-1732 entgegen.

Kautionsmasche wird auch Rentnerin in Nürnberg zum Verhängnis

Im Kreis Erlangen-Höchstadt wurde ebenfalls am Dienstag eine Seniorin mit einem Schockanruf von Betrügern unter Druck gesetzt. Die Täter stahlen auf diese Weise einen sechsstelligen Geldbetrag.

Gegen Mittag gaben sich Betrüger bei einem Anruf gegenüber einer 73-jährigen Frau als Polizisten aus. Die falschen Beamten forderten die Seniorin auf, die Kaution für einen angeblich von ihrem Sohn verursachten Unfall zu zahlen. Durch die geschickte und bestimmte Gesprächsführung brachten die Betrüger die 73-Jährige dazu, in die Nürnberger Innenstadt zu fahren und dort einem Unbekannten einen sechsstelligen Geldbetrag auszuhändigen.

Erst als sie im Nachhinein per Telefon nach Erlangen dirigiert wurde, um dort ihren Sohn treffen zu können, fiel der Betrug auf. Das zuständige Fachkommissariat der Nürnberger Kriminalpolizei hat die Ermittlungen gegen die unbekannten Betrüger aufgenommen.