Der oberfränkischen Polizei sind am Montag (7. Februar 2022) wieder mehrere Fälle von Telefonbetrug gemeldet worden: In einem Fall aus dem Bamberger Landkreis erbeuteten die Betrüger als „falsche Polizeibeamte“ Bargeld von einer Rentnerin. Die Kriminalpolizei Bamberg sucht nun nach Zeugen.

Am Montagmorgen erhielt die Bischbergerin einen Anruf, bei dem sich eine „Kommissarin der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt“ vorstellte und von einem tragischen Verkehrsunfall berichtete, an dem die Enkelin der Frau beteiligt gewesen sein soll. Um eine Haftstrafe zu umgehen, sollte die Bischbergerin eine hohe Kaution für ihre Enkelin zahlen.

Telefonbetrüger täuschen Senioren mit erfundenen Geschichten

Mit ähnlichen erfundenen Geschichten hatten Betrüger bereits in der Vergangenheit versucht, als angebliche Polizisten ihre Opfer in eine Falle zu locken. "Sie gehen dabei äußerst professionell vor und setzen die meist älteren Frauen und Männer mit geschickter Gesprächsführung permanent unter Druck und halten sie, teils über Stunden, am Telefon", erklärt das Polizeipräsidium Oberfranken dazu. Dabei passen die Betrüger die Geschichten individuell an die Lebensumstände ihrer Opfer an und wechseln sogar im Gesprächsverlauf die Bezugspersonen.

So komme es auch immer wieder vor, dass eine weinende Frau die Rolle der„inhaftierte Enkelin“ übernimmt. Die Betrüger agieren dabei auch als vermeintliche Staatsanwälte, um die Senioren zusätzlich unter Druck zu setzen. Durch Zeitdruck sollen die meist hilflosen und alleine wohnenden Geschädigten gestresst werden.

Die Polizei beobachtet bei den Fällen wiederkehrende Gemeinsamkeiten: Unbekannte, die sich als Personen einer öffentlichen Stelle ausgeben, fordern von Rentner*innen Geld aufgrund einer vermeintlichen Notsituation von Familienangehörigen. Dabei fällt oftmals der Begriff „Kaution“, der in Deutschland, insbesondere bei Verkehrsunfällen und anders als im europäischen Ausland, in der Regel gar nicht üblich ist. Polizei oder Staatsanwaltschaft würden niemals Geld oder Wertgegenstände am Telefon einfordern, betont das Polizeipräsidium.

Bischbergerin von Unbekannten um mehrere Tausend Euro betrogen

Im Fall aus Bischberg kam die Frau den Forderungen der falschen Kommissarin jedoch nach. Sie folgte den Anweisungen und hob bei ihrer Hausbank im Bamberger Stadtteil Gaustadt eine hohe Bargeldsumme in fünfstelliger Höhe ab. Anschließend fuhr sie zurück zu ihrer Wohnadresse und übergab schließlich gegen 15.40 Uhr das Geld an eine unbekannte Frau.

Diese beschreibt die Polizei folgendermaßen:

  • Sie ist etwa 30 Jahre alt und 1,60 Meter groß;
  • sie ist korpulent und hat dunkles, schulterlanges Haar;
  • sie trug eine große Brille;
  • sie war mit einem hellen Mantel und einer roten Mütze bekleidet.

Die Kriminalpolizei Bamberg übernahm die weiteren Ermittlungen in dem Betrugsfall. Die Beamten bitten außerdem um Hinweise aus der Bevölkerung:

  • Wem sind in Bischberg, insbesondere im Ortskern, verdächtige Personen und/oder Fahrzeuge aufgefallen?
  • Wer hat zu besagter Zeit eine Frau gesehen, auf die die Personenbeschreibung zutrifft?
  • Wer kann weitere hilfreiche Angaben zu dem Fall machen?

Zeugen werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 0951/9129-491 bei der Kriminalpolizei Bamberg zu melden.

Vorschaubild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Symbolbild