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Höchstadt a. d. Aisch
Enttäuschung

Eisstadion: Kein Geld vom Bund

Die Höchstadter Sportstätte ist nicht im Förderprogramm für die Sanierung kommunaler Einrichtungen. Bürgermeister fordert Kriterienkatalog.
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Im Höchstadter Eisstadion wird nicht nur hochklassig Eishockey gespielt, auch Freizeitsportler drehen hier ihre Runden.  Foto: Andreas Dorsch (Archiv)
Im Höchstadter Eisstadion wird nicht nur hochklassig Eishockey gespielt, auch Freizeitsportler drehen hier ihre Runden. Foto: Andreas Dorsch (Archiv)

Was unterscheidet die Fassade der Stadthalle in Gütersloh, das Freibad in Bischofsgrün, die Eisstadien in Buchloe und Straubing vom Eisstadion in Höchstadt? Im Gegensatz zu den anderen Projekten wird das in die Jahre gekommene Höchstadter Eisstadion nicht in das neue Förderprogramm des Bundes aufgenommen.

300 Millionen Euro stellt der Bund für die "Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur" bereit. Kommunen aus ganz Deutschland konnten sich mit ihren Sportstätten und anderen Einrichtungen bewerben. In der vergangenen Woche hat der Haushaltsausschuss des Bundestags die 186 Projekte beschlossen, die gefördert werden. Wie das Innenministerium mitteilt, hatte es rund 1300 "Interessenbekundungen" gegeben.

Hoffnungen waren groß

Nicht nur im Höchstadter Rathaus ist man über das Scheitern der Bewerbung zutiefst enttäuscht. Auch in den Vereinen und Schulen, die das Eisstadion nutzen, wird es keine Freude auslösen. Dabei waren Bürgermeister Gerald Brehm (JL) und der Stadtrat recht zuversichtlich, mit dem unter großem Aufwand in sehr kurzer Zeit erstellten Sanierungskonzept ins Förderprogramm zu kommen.

Die große Generalsanierung des Höchstadter Eisstadions ist auf 5,3 Millionen Euro veranschlagt. Im Förderprogramm hätte die Stadt mit 45 Prozent Zuschuss rechnen können. Die bleiben jetzt aus.

So einfach hinnehmen will Bürgermeister Brehm diese Entscheidung nicht. Die erste Bewerbungsfrist für das Förderprogramm lief am 23. November 2018 ab. Nur wenige Wochen vorher war es den Kommunen angeboten worden. Mit großem Einsatz und unter Zeitdruck erstellten Stadtverwaltung und Planungsbüro das Sanierungskonzept. Eine Stadtratssitzung wurde extra vorverlegt, um den nötigen Beschluss fassen und den Termin halten zu können.

Als die Unterlagen eingereicht waren, wurde die Bewerbungsfrist "auf parlamentarischen Wunsch" - wie der FT auf Anfrage von der Pressestelle des Innenministeriums erfuhr - bis zum 19. Dezember verlängert.

Für den Höchstadter Bürgermeister tun sich da einige Fragen auf. Er möchte wissen, warum die Frist verlängert wurde, wer sich erst nach dem ersten Termin beworben und jetzt den Zuschlag bekommen hat. Brehm möchte auch prüfen lassen, ob eine zeitlich befristete Ausschreibung einfach so verlängert werden kann, obwohl genügend Bewerbungen da sind. "Wir haben uns an alle Vorgaben gehalten", sagt Brehm.

Der Höchstadter Bürgermeister fordert jetzt den Kriterienkatalog, nach dem die Plätze im Förderprogramm vergeben wurden. Er will wissen, warum beispielsweise das Regattatribünengebäude in Berlin, das Freibad in Alsfeld, die Grundschul-Turnhalle im Bremer Stadtteil Osterholz, oder der historische Volkspark in Bamberg förderwürdiger sind als das Höchstadter Eisstadion.

Förderwürdiger sind auch die Eisstadien in Straubing und Buchloe, für die 2,7 und 1,1 Millionen Euro Bundesmittel in der Liste stehen. Brehm könnte sich als Alternative einen Eisstadien-Fördertopf vorstellen, aus dem dann alle etwas bekommen.

Jetzt kleine Lösung

Ganz auf die Sanierung ihres Eisstadions verzichten kann die Stadt Höchstadt aber nicht. "Wir sind haushaltsmäßig gerüstet", sagt der Bürgermeister. Erneuert werden müssen auf jeden Fall Eisfläche, Bande und Technik. Nach der nächsten Eiszeit soll es losgehen.

Kommentar von Andreas Dorsch

Da bleiben Fragen offen

Über 40 Jahre ist das Höchstadter Eisstadion am Kieferndorfer Weg inzwischen alt. Die Technik für die Kühlung, die Eisfläche und die Bande aus massiven Holzbrettern stammen auch noch aus den späten 1970er Jahren, ebenso wie die Leimbinder samt der restlichen Dachkon-struktion. Der Sanierungsbedarf, den das Stadion hat, ist offensichtlich und unbestritten. Da kam Ende Juli vergangenen Jahres das Förderprogramm des Bundes gerade recht. Vier Monate hatten die Kommunen Zeit, Sanierungskonzepte zu erstellen und einzureichen. Auch für Höchstadt war es keine leichte Aufgabe, bis 23. November eine Projektskizze mit Kostenaufstellung zu liefern. Stadtverwaltung und Planungsbüro meisterten die Herausforderung, der Stadtrat zog eine Sitzung vor, um den für die Bewerbung nötigen Beschluss zu fassen. Dass dann die kurzfristig um einen Monat verlängerte Bewerbungsfrist in Höchstadt Unmut auslöste, ist verständlich. Wollte man da der einen oder anderen Kommune noch eine Chance geben? Jetzt sind die 186 geförderten Projekte bekannt, Höchstadt ist nicht dabei. Dafür wird mit zwei Millionen die Sanierung der Gütersloher Stadthallen-Fassade gefördert, aber auch die Eisstadien in Straubing und Buchloe. Ein Schelm, wer diese Stadien kennt und zu dem Schluss kommt, dass deren CSU-Bürgermeister einfach eine bessere Lobby haben?