Bürger wehren sich gegen die Brücke über den Wiesengrund. Gefordert wird, alternative Lösungen für die Trasse der Stadt-Umland-Bahn zu verbessern.
Bei einer Demonstration am Samstag setzten Erlanger Bürgerinnen und Bürger in der Innenstadt ein klares Zeichen gegen die im Rahmen der Stadt-Umland-Bahn geplante Brücke durch den Erlanger Wiesengrund.
Die aktuelle Trassenplanung für die StUB sieht vor, dass eine über 1,5 Kilometer lange Betonbrücke an der breitesten Stelle in den Regnitzwiesen gebaut werden soll. Geplant ist dort eine Straße mit integrierten Gleisen, sodass neben der StUB auch Taxis, Busse und Rettungsfahrzeuge dort fahren können.
Wie Gisela Löhr, Mitbegründerin der Bürgerinitiative "StUB ja, aber keine Wöhrmühl-/ Kosbacher Brücke" erläutert, ende diese Vereinbarung jedoch nach zehn Jahren. "Danach können die Stadträte theoretisch diese geplante Trasse auch für den motorisierten Individualverkehr freigeben". Löhr betont, dass die Mitglieder der Initiative die StUB zwar grundsätzlich befürworten würden, da "wir leistungsfähige öffentliche Verkehrsmittel brauchen und weil wir so den Autoverkehr reduzieren können". Mit der geplanten Regnitzquerung seien sie jedoch nicht einverstanden: "Das ist eine ökologische Katastrophe", macht sie deutlich. Anstatt eine neue Trasse zu bauen, solle man lieber auf bereits vorhandene Trassen setzen.
Als Alternative kamen bei der Planung der Stadt Erlangen auch der Dechsendorfer Damm oder der Büchenbacher Damm in Frage, um dort die Verkehrswege zu bündeln. Bei der letztendlichen Auswahl spielt jedoch zum einen das sogenannte standardisierte Bewertungsverfahren, zum anderen im Zuge dessen aber auch das Nutzen-Kosten-Verhältnis (NKV) eine große Rolle. Damit ein Verkehrsprojekt durch Bundesgelder gefördert werden kann, muss ein NKV über 1 vorliegen. Dieses wurde ausschließlich bei der geplanten Strecke durch den Wiesengrund erreicht, so dass die anderen beiden Alternativen ausschieden.
Die Bürgerinnen und Bürger der Demonstration forderten die Kommunalpolitiker, allen voran jedoch den Erlanger Oberbürgermeister Florian Janik (SPD), deshalb "vehement" dazu auf, alle Möglichkeiten zu nutzen, um alternative Trassen in der Planung so weit zu verbessern, dass sie förderfähig werden und dementsprechend auch die Förderrichtlinien zu korrigieren oder anzupassen. "Dieses Förderungsverfahren ist veraltet und berücksichtigt die Natur zu wenig", merkt Susanne Ackermann, ebenfalls Mitbegründerin der Bürgerinitiative, an.
Auch sie kritisiert den geplanten Bau scharf: "In heutigen Zeiten mit Klimanotstand, Artensterben ohnegleichen und dem Schrei nach mehr Grün in den Städten ist es ganz wichtig, Verkehrswege zu bündeln und nicht neue Trassen zu bauen". Zudem sei der Wiesengrund ein Naherholungsgebiet und ein Landschaftsschutzgebiet mit sehr erhaltenswerten Biotopen und auch "eine Achse für die umwelt- und klimafreundlichsten Verkehrsteilnehmer, nämlich die Radfahrer und Fußgänger".
Ackermann betont: "In anderen Städten gibt es Programme, um das Grün zurückzubekommen und wir würden es hier vernichten".