Als Hausherr des "Petersbeckskellers" weiß Bürgermeister Gerald Brehm (Junge Liste) genau, wovon er spricht, wenn er immer wieder die "Kellerberg-Philosophie" ins Spiel bringt. Stammtische, Lebenskultur, Wohlfühlatmosphäre - auf dem Kellerberg werde dies alles gelebt.

Tatsächlich tut sich auf der von der Straße abgewandten Seite des städtischen Kellers eine andere Welt auf. Die knorrige alte Eiche hat schon Generationen von Höchstadtern gesehen, die in ihrem Schatten Erholung - und wohl auch Genuss - gesucht haben. Ähnlich idyllisch mag es auch auf den übrigen der insgesamt 24 Kellerhäuschen der historischen Anlage zugehen. Etwa 200 Felsengewölbe, in Kellergemeinschaften zusammen gefasst, könnten tief unter Höchstadts heiligem Berg liegen, vermutet Jürgen Ganzmann vom städtischen Bauamt.
In den Felsen eingeritzt sei zu lesen, dass die ältesten Felsenkeller aus dem Jahr 1623 stammen, berichtet Karsten Wiese, der Vorsitzende des Kellerbergvereins.

Die Höchstadter wissen, was sie an ihrem Kellerberg haben, und nutzen ihn auch. Das historische Erbe der Stadt soll mit rund einer Million Euro aufgewertet werden. Geld, das gut angelegt ist, wie Bürgermeister Brehm findet. Er ist glücklich, dass die Bedeutung dieses Kulturguts jetzt allseits Anerkennung findet. Aufwertung und Erhalt der Anlage sei genau die Zielrichtung, die das Stadtentwicklungskonzept Hohestete 2030 vorgebe.

Die Keller sollen aber auch als weiteres Angebot in das regionale Freizeitwegenetz eingebunden werden. "Zum Freizeitprojekt Aischgrund gehört der Kellerberg als echte Säule dazu", sagt Brehm.

Kellerbergverein geht voran
Das müssen auch die Stadtväter so gesehen haben, als sie die finanziellen Mittel für den Kellerberg abgesegnet haben. "Noch vor wenigen Jahren wäre das undenkbar gewesen", freut sich der Stadtchef. So sehen es auch die Besitzer der Kellerhäuschen, die zum großen Teil bei diesem Projekt mitziehen. Und schließlich auch die Lokale Aktionsgruppe Aischgrund, die erhebliche finanzielle Mittel aus dem europäischen Topf zur Verfügung stellt.

Nicht überzeugen musste man den Kellerbergverein. Seit seiner Gründung gab es immer Menschen, die sich für die Erhaltung dieses kostbaren Schatzes eingesetzt haben. Nach dem unvergessenen Andreas Starke, der alles in Bewegung gebracht hat, waren es Alois Kunzelmann und jetzt Karsten Wiese, die sich an der Vereinsspitze für die Keller einsetzen. Der Verein war es auch, der sich über Jahre hinweg um den Umbau des Petersbeckskellers gekümmert und unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit in die Sanierung investiert hat. Dieser erste Bauabschnitt, der 162 000 Euro kostete, ist abgeschlossen.

In einem zweiten Bauabschnitt sind jetzt die Sanierung der historischen Kegelbahn, die Einrichtung eines Kellerbergmuseums sowie die Außenanlage mit Gestaltung eines Brau- und Schaugartens am Petersbeckskeller an der Reihe. Im Obergeschoss des städtischen Kellerhäuschens wird das Museum eingerichtet. Eine erste "Eis-Vitrine" steht bereits. Dort finden sich Gerätschaften, mit denen die Altvorderen einst das Eis zum Kühlen des Bieres aus den Weihern der Umgebung geschlagen haben. Karsten Wiese hofft, noch viele Leihgaben zu bekommen, die von der einstigen Bier- und Braukultur Zeugnis geben.

Die Kegelbahn soll nach altem Vorbild so wiederhergestellt werden, dass sie bespielbar ist. "Sogar die alten Kegel sind noch vorhanden", sagt Wiese. In die Außenanlage des Kellers hat Architekt Fritz Wiesneth einen Brau- und Schaugarten geplant, in dem Hopfen und Biergetreide angebaut werden sollen. Ein Brunnen sei gerade in der Entwurfsphase. Der Vorbereich soll terrassiert und die Auffahrt für Rollstuhlfahrer etwas abgeflacht werden. Auch ein Behinderten-WC ist vorgesehen. Im hinteren Bereich sind ein Schau-Brauhaus und ein Pavillon zur Unterbringung von Brauutensilien geplant.

Alle sollen mit ins Boot
Wären da noch die privaten Kellerhäuschen, deren Fassaden so hergestellt werden sollen, dass sie dem Ensemble-Schutz gerecht werden. Einige von ihnen sind bereits eingerüstet. "Wir wollen uns mit den Kellerhäusern eingehend beschäftigen und Haus für Haus abarbeiten", sagt Architekt Wiesneth. Neunzig Prozent der Besitzer hätten sich bereits bereit erklärt, bei dem Projekt mitzumachen, berichtet Brehm. Ziel sei es jedoch, alle 24 mit ins Boot zu holen.

Zur Aufwertung der Kellerhäuser sind Fördermittel für Kosten in Höhe von 350 000 Euro beantragt. Da auch zwei städtische Keller an den Kosten mittragen, müssten laut Brehm etwa 70 000 Euro auf die Nutzer umgelegt werden. "Jedem, der ein Herz für den Kellerberg hat, sollte es das wert sein."

Im August 2015 muss nach den Leader-Richtlinien das Projekt abgeschlossen sein. Dann soll mit der Kellerbergkirchweih auch die Einweihung gefeiert werden.