Nun ist es amtlich: Der bisherige Zweite Bürgermeister Karl-Heinz Hertlein (CSU) ist Erster Bürgermeister des Marktes Weisendorf. Hertleins erster Tag als Rathauschef unterschied sich allerdings wenig von den vorausgegangenen Wochen und Monaten, es war ein völlig normaler Arbeitstag. Schließlich lenkte er bereits während der Krankheit und nach dem Tod von Heinrich Süß die Geschicke von Weisendorf.

Hertlein kann kann auf eine langjährige kommunalpolitische Erfahrung zurückblicken, so wurde er 1996 erstmals in den Marktgemeinderat und 2002 auch in den Kreistag gewählt. Als einen "ganz normalen Arbeitstag", beschrieb er deshalb seinen ersten Tag im Bürgermeisterbüro und musste sich auch bei den Angestellten des Rathauses nicht mehr vorstellen. So begann sein erster Tag nach der Wahl am Sonntag gleich mit einer Sitzung des Kreistages und der anschließenden Verwaltungstätigkeit, Gesprächen und Baustellenterminen.

Trotzdem war für ihn das Wahlergebnis bei der wegen Corona ungewöhnlichen Wahl mit 1816 Stimmen (60,05 Prozent) eine Überraschung. Hertlein sieht im Ergebnis auch eine deutliche Zustimmung der Wählerschaft zur Kommunalpolitik in Weisendorf.

"Ich bin nicht allwissend, geschweige denn jemand, der mit Kompetenz und langjähriger Erfahrung den einzig richtigen Weg zeigen kann", sagt der Bürgermeister. Doch auch er habe eigene Ideen und Vorstellungen, die er gemeinsam mit dem Marktgemeinderat umsetzen möchte. Doch erst werden die von seinem Vorgänger angestoßenen Projekte und Planungen umgesetzt, in die er von Heinrich Süß noch eingeweiht wurde. Dazu gehören die Fertigstellung der Ballsporthalle und der Arbeiten am Abwassersystem in den Ortsteilen Kairlindach und Boxbrunn, weil die wasserrechtlichen Genehmigungen auslaufen. "Was unterirdisch gebaut wird, ist zwar nicht publikumswirksam, muss aber sein, denn es gibt ständig neue Vorschriften", betont Hertlein.

Die nächsten Aufgaben

In den kommenden Wochen muss er sich dann um ein großes Vorhaben kümmern: Hertlein muss gemeinsam mit der Kämmerin den Haushalt für das laufende Jahr ausarbeiten. Die Sitzung des Finanzausschusses im Dezember musste wegen Corona verschoben werden, aber der Bürgermeister sieht für den kommenden Haushalt keine größeren Probleme. "Der Markt Weisendorf ist mit seinem Mix an Gewerbetreibenden gut aufgestellt und ich erwarte keine größeren Einbrüche", sagt der Bürgermeister. So seien keine fetten Jahre zu erwarten und "größere Wünsche" könnten durchaus verschoben werden.

Für etwas Sorgenfalten sorgen die Außenanlagen der Ballsporthalle, denn im laufenden Jahr sei es schwierig, eine Firma für die Arbeiten zu finden. Am liebsten wäre ihm eine Gesamtplanung des Festplatzes unter Einbeziehung der Außenanlagen. Zusammen mit dem Gemeinderat will der Bürgermeister deshalb das weitere Vorgehen beraten.

So wird es auch bei der Ortskernsanierung weitergehen - und damit rückt auch die Neugestaltung des Marktplatzes in greifbare Nähe. Mit Blick auf das Baugebiet am Heidweihergraben erwartet Hertlein den Zuzug von jungen Familien und das bedeute weitere Investitionen in der Kinderbetreuung. "Das müssen wir ebenso im Blick haben, wie seniorengerechtes Wohnen", betont der Bürgermeister. So sei zwar ein Anbau am Kinderhaus St. Josef in der Planung, aber das dürfte mittelfristig nicht reichen und der Neubau einer weiteren Einrichtung sei durchaus realistisch. Im Blick habe er auch den bereits diskutierten Waldkindergarten und seniorengerechten Wohnraum. Dazu hatte bereits sein Vorgänger Gespräche geführt, wegen des neuen Flächennutzungsplanes wurde das Vorhaben nach hinten geschoben. "Aber wir werden uns damit befassen müssen und wir können das nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag aufschieben", erklärt der Bürgermeister.

Noch am Wahlabend gratulierten ihm die Mitbewerber, Ernst Rappold (Grüne) und Franz Dellermann (UWG). Wie Rappold mitteilte, haben die Grünen in Weisendorf zwar einen guten aber leider noch lange keinen ausreichenden Stand, um den Bürgermeister stellen zu können. "Ja, so in Etwa hatten wir das Ergebnis erwartet", erklärt Ernst Rappold. Hertlein habe mit seiner langjährigen Erfahrung punkten und die Wähler überzeugen können. Nach Auffassung von Rappold hat Hertlein als Vertreter des verstorbenen Bürgermeisters in der Vergangenheit integrierend und ausgleichend gewirkt. "Ich wünsche mir, dass das so bleibt und wir uns, trotz der deutlichen Unterschiede in den Zielen, auf einem gemeinsamen Weg, für das Wohl der Marktgemeinde, zusammen finden", sagt Rappold abschließend.

Wieder im Arbeitsmodus

Dellermann gibt sich zwar mit dem Wahlergebnis zufrieden, hatte aber auf eine Stichwahl gehofft, um bei einem Wahlsieg das "Erbe" von Heinrich Süß weiterzuführen. Allerdings hatte der Kandidat aus dem Ortsteil Buch einen entscheidenden Nachteil: Keine Wahlversammlungen, keine öffentlichen Auseinandersetzungen, keine Podiumsdiskussionen gingen dem Wahltag voraus.

Nach Auffassung der UWG hatte der neugewählte Bürgermeister auch den Vorteil, dass er schon lange die Kommunalpolitik aktiv mitgestaltet. Wie Gemeinderätin Jutta Kattner erklärt, hatte die UWG gehofft, dass die Aufstellung eines Kandidaten der Grünen die Wahrscheinlichkeit für eine Stichwahl erhöht. "Trotzdem zeigt das Ergebnis schon, dass wir noch eine Rolle spielen in der Gemeinde.

Karl-Heinz konnte mit seiner langjährigen Erfahrung punkten und die Wähler überzeugen", sagt Kattner. Das zeige auch, dass sich die UWG bei den Punkten, die sie realisieren will, im Moment nicht wirklich von der CSU unterscheide. "Aber ich denke es ist eine gute Basis um weiter unseren Einfluss in der Kommunalpolitik geltend zu machen. Wir bleiben die zweitstärkste Kraft", sagt Kattner abschließend.

Hertlein schaltete bereits am ersten Arbeitstag wieder in den Arbeitsmodus. Neben Gesprächen und Baustellenbesichtigungen muss die nächste Sitzung am kommenden Montag vorbereitet werden, bei der die weiteren Bürgermeister gewählt werden.