Er ist fit wie ein Bergschuh. Hans Gaschbauer hat in seinem langen Leben schon viele Gipfel bestiegen. Mit 61 Jahren erklomm der Herzogenauracher Bergsteiger, wie er sich erinnert, seinen ersten Sechstausender im Himalaya. Und auch jetzt, fast drei Jahrzehnte später, zieht es ihn noch in die Berge. Mal schnell einen Dreitausender, "das macht er mit links", schmunzelt seine Nichte Jutta Williams. So wie den Olperer, im letzten Sommer.

Am gestrigen Mittwoch traf sich die Familie im Haus vom "Gaschi", wie er an der Aurach seit der ersten Klasse genannt wird, in der Heinestraße. Auch zwei Schwestern waren angereist, eine sogar aus den USA. Man feierte den 90. Geburtstag des großen Bruders. Für die Stadt gratulierte schon am frühen Vormittag Bürgermeister German Hacker. Auch er kennt seinen Mitbürger und weiß zu berichten: "Er muss raus. Hans Gaschbauer ist ein Unruhegeist im positiven Sinn".

Hinaus in die Welt

Und das war er immer schon. Es zog ihn stets hinaus in die Welt, ausgerüstet mit Seil und Haken, um Berge zu besteigen. Auf 6282 Meter Höhe führte eine denkwürdige Besteigung: Es ging auf den Amle Machin im Kumlun-Gebirge in Osttibet. Das war gleichzeitig seine Erstbesteigung eines solchen Riesen. "Erst musste ich einen Test bestehen", erinnert sich der rüstige 90-Jährige, der die steile Treppe zu seiner Wohnung im Obergeschoss hochspringt wie ein Junger. Der Bergsteiger Sigi Hupfauer suchte für die Expedition 14 Teilnehmer und ließ diese erst einmal in den Alpen antreten, damit sie ihre Fähigkeit für eine solche Aufgabe unter Beweis stellen konnten. Neun nahm der Mann vom Alpenverein dann mit, denn mehr waren vom chinesischen Bergsteigerverband nicht genehmigt worden. Hans Gaschbauer war einer der Auserwählten. Fünf haben den Gipfel geschafft, erzählt er weiter. Der "Gaschi" war einer aus dem Quintett.

Seine Leidenschaft entdeckte der Jubilar Mitte der 50-er Jahre. Bekannte nahmen den Mittzwanziger damals mit auf den Höhenglückssteig in der Hersbrucker Schweiz. Schnell folgten die Alpen und der erste "Ausflug" auf über fünftausend Meter. Von Gaschis Bergerlebnis auf dem 5642 Meter hohen Elbrus hat damals auch Puma-Chef Armin Dassler erfahren. Er hat seinen talentierten Mitarbeiter - Gaschbauer war gelernter Schuhmacher - fortan finanziell unterstützt. "Meine Touren habe ich ihm zu verdanken", betont der Bergsteiger heute noch gerührt.

Ein Gipfelkreuz auf dem Walberla

"Der höchste Berg, den ich bestiegen habe, war der Gauri Sankar im Everest-Gebirge", berichtet der Herzogenauracher weiter. Es ist ein 7134-Meter-Riese. Dazu gesellten sich der Popocatepetl in Mexiko, der Chimborazo in Ecuador und der Kilimandscharo in Tansania. Nicht ganz so hoch, aber nicht weniger schwierig seien zum Beispiel Matterhorn, Mont Blanc und Watzmann gewesen. Und auf den Großglockner habe er den damaligen Bürgermeister Hans Ort mitgenommen. Manchmal aber zog es ihn nur vor die Haustür. Auf dem Walberla beispielsweise, so merkt er schmunzelnd an, habe er ein Gipfelkreuz gesetzt.

Zum Gratulieren waren auch seine beiden Schwestern Marga Wiesen (82) aus Wiesbaden sowie die 87-jährige Emi Greczner aus der Nähe von New York angereist. Sie nahmen sich schon am Vormittag die Zeit zu einem Schwätzchen, denn so oft sehen sie sich nicht. Zumeist wird telefoniert, aber immer nur ein paar Minuten, dann muss er schon wieder weiter, sagt Marga. Hans Gaschbauer hat zwei Töchter, zwei Enkel und zwei Urenkel.

Aufgewachsen ist der "Gaschi" in der Steggasse. In armen Verhältnissen, wie er sich erinnert. Sein Vater fiel 1941 in Stalingrad, die Mutter Eva musste sieben Kinder alleine groß ziehen. Gearbeitet habe sie als Stall- und Hausmagd beim Schuh in Dondörflein. 1951 hat der Jubilar geheiratet. Seine Frau Betty hat ihn stets bei den Diavorträgen seiner Reisen unterstützt und die Texte gesprochen. Das Vereinshaus war damals immer ausverkauft. Der Jubilar hat auch Spenden gesammelt. Für die Erdbebenopfer in Nepal waren es vor einigen Jahren gar 30 000 Euro, berichtet seine Nichte Jutta Williams.

Nicht geraucht und wenig Alkohol

Und was ist sein Rezept für seine Fitness, die er heute mit 90 Jahren noch hat? "Ich habe viel trainiert", sagt er, "nicht geraucht und wenig Alkohol getrunken." Seine Schwester Marga weiß noch mehr: "Augen hat er wie ein Adler und Ohren wie ein Luchs." Und es zieht ihn noch immer stetig hinaus in die Natur und in die Berge. Das macht er gemeinsam mit dem Alpenverein, der Sektion Bubenreuth gehört er seit 40 Jahren an. "Meine Wege sind nicht mehr so lang, meine Berge nicht mehr so hoch", sagt er zwar. Aber für einen Dreitausender reicht's dann trotzdem noch.