Ein bisschen Erfahrung hat der Bürgermeister mit den Grünen. 1996 war es, das Jahr, als Gerald Brehm (JL) ins Rathaus einzog, da ergatterten die Grünen ihren einzigen und bald vorerst letzten Sitz im Stadtrat Höchstadt.

Es folgten viele Jahre, in denen die Ökopartei keine Rolle spielte. Bis sie vergangenes Jahr einen Ortsverband gründete. Bei der Wahl in diesem Jahr zogen die Grünen dann mit drei Mitgliedern in den Stadtrat ein. Auch eine Höchstadter Grüne sitzt nun im Kreistag. Mancher hatte vorhergesehen, dass der grüne Zeitgeist in Deutschland auch lokal ankommen würde. Doch wofür stehen die Grünen in der Stadtpolitik? Was wollen sie erreichen?

Beim Gespräch im Engelgarten mit den drei Stadträten Peter Winkler, Irmgard Schlehlein und Andreas Popp sowie der neuen Kreisrätin Lydia Göbel wird klar: Bürgermeister und etablierte Fraktionen haben mit kritischen Fragen zu rechnen. Und vor allem mit grünem Widerspruch. Das macht Fraktionssprecher Peter Winkler deutlich: "Wir sind die einzigen, die jetzt mal sagen: Nein!" Er sieht eine "völlige Konzeptlosigkeit bei der Stadtentwicklung", wenn es um das Thema Flächenverbrauch geht. Womit er gleich beim Leib-und-Magen-Thema der Grünen ist: dem Umwelt-, Klima- und Landschaftsschutz.

Gegen Reihenhaus-Projekt

Zu viel, zu groß, das meiste unnötig: Das ist die grüne Sicht auf die Höchstadter Bauland- und Gewerbepolitik der letzten Jahre. "Die Baugebiete sind exorbitant groß", sagt Popp. "Man muss nicht den kompletten Häckersteig zubauen", sagt Winkler. Das sei eine irrationale und unwiederbringliche Zerstörung von Natur und Landschaft.

Der Bebauung des alten Edeka-Areals am Greiendorfer Weg mit 32 Reihenhäusern durch einen privaten Bauherren hätte der Stadtrat niemals zustimmen dürfen, so Winkler. "Das ist kein Wohngebiet." Nach Meinung der Grünen ungeeignet, weil zu dicht an der Straße, zu eingepfercht. Kleingewerbe wäre aus ihrer Sicht besser gewesen. "Die Stadt hätte es erwerben sollen", sagt Popp. Auch eine Renaturierung der Fläche an den Aischwiesen wäre eine Option gewesen, findet er. Immer gleich zum Beton zu greifen, sei der falsche Weg. Auch eine Kommune habe ihren Beitrag zum Schutz des Klimas zu leisten. Winkler erinnert an den "dritten Hitzesommer in Folge".

Grüne zweifeln Warteliste an

Dass es Nachfrage nach Wohnraum gibt, wolle man nicht leugnen. Doch die Grünen zweifeln an, dass diese wirklich so groß sei, wie oft behauptet. Sicher gebe es eine Warteliste für Bauland. Doch darauf stünden auch viele "Karteileichen" oder Leute, die eigentlich schon ein Häuschen oder eine Wohnung in Höchstadt hätten, so Winklers Einschätzung.

Vielleicht gibt es den ein oder anderen Immobilienspekulanten. Doch die Realität ist auch, dass es junge Höchstadter Familien gibt, die (bezahlbaren) Wohnraum suchen. Wo sollen die hin? Hier setzen die Grünen vorrangig auf leerstehende Gebäude und das Füllen von Baulücken. "Das Stadtentwicklungskonzept Hohestete 2030 hat so gute Ansätze. Sie müssen nur endlich mal umgesetzt werden", sagt Schlehlein.

Doch was, wenn marode Häuser an der Straße keiner will? Der Neubau im Grünen immer noch Traum vieler ist? Was, wenn Grundstücksbesitzer nicht verkaufen wollen? Man müsse hartnäckig bleiben und es wirklich wollen, sagt Popp. Seine Lösung: Eine Stelle in der Verwaltung, die sich ausschließlich um Flächenmanagement kümmert. Er habe Hoffnung, dass sich der Erfolg dann einstelle. "Man muss halt anfangen, das Brett zu bohren." Winkler schlägt ein Flächentauschmodell vor.

Beim Thema Gewerbe klingt die Melodie der Grünen ähnlich wie die der CSU im Stadtrat: Zu viele Grundstücke würden zu leichtfertig an den Nächstbesten hergegeben, ohne zu fragen: Wie viele Arbeitsplätze bringt ein Betrieb überhaupt, der relativ viel Fläche verbraucht (Stichwort: Logistiker)?

Umgehung Gremsdorf verhindern

Beim Thema Verkehr gehen die Grünen in Fundamentalopposition. Eine Umgehung für Gremsdorf lehnen sie ab. Egal ob Süd- oder Nordvariante. Gerade bereite man einen entsprechenden Brief an die beiden Bundesabgeordneten vor.

Die Grünen können nicht verstehen, wie der Bürgermeister eine Umgehung im Norden durch das Aischtal so vehement befürworte. Jeder, der das will, vergreife sich an der Ökologie und der schönen Landschaft. Die Grünen wollen verhindern, dass der Aischgrund regelrecht "zugebaut" werde. "Das ist eine Sünde", so Winkler. Eine Südumgehung sei wegen des Naturschutzgebiets der Krausenbechhofener Weiher ebenfalls auszuschließen.

Doch was sagen die Höchstadter Grünen den lärmgeplagten Gremsdorfern? Statt Umgehung fordern sie: Tempo 30 im Ort, verkehrsberuhigende Inseln, Förderung von Lärmschutzfenstern und Flüsterasphalt. Allgemein sollten mehr Menschen mit dem Bus fahren.

Hier setzt Kreisrätin Lydia Göbel an. Ihre Hauptthemen: Radwege und Nahverkehr. Aktuell kämpfe sie für einen Direktbus Höchstadt-Forchheim. Sie nennt die Stadt-Umland-Bahn, die auch im Osten von ERH fahren solle. Eine erneute Bürgerbefragung im Landkreis schließt sie nicht aus.

Spätestens bei diesem Thema dürfte Höchstadts Bürgermeister Wallungen bekommen. Ihm und der Jungen Liste steht eine debattenreiche Zeit bevor.