Ganze fünf Mal musste der Briefkasten des Rathauses am vergangenen Wochenende ausgeleert werden. Und jedes Mal war er voll bis oben hin. Nichts hätte da noch reingepasst. Auch gestern, kurz vor der Mittagszeit, schaut Gerhard Leicht, Leiter des Bürgerbüros in Höchstadt, noch einmal nach. Obwohl der Briefkasten erst am Morgen frisch ausgeleert wurde, warten schon wieder dutzende rosa Umschläge auf ihn. Der Wahlleiter braucht beide Hände, um den Stapel an Wahlunterlagen aus dem Briefkasten zu fischen. "Die Briefwahl hat einen enormen Andrang, stärker als sonst", sagt er und bringt die neue Ausbeute zum Bearbeiten nach drinnen.

1840 Höchstadter haben bisher bereits per Briefwahl ihre Kreuzchen gemacht. "Plus der Stapel, der noch nicht bearbeitet ist", betont Gerhard Leicht. Und der ist gewaltig. Dazu kamen 600 neue Anträge allein übers Wochenende.
"Dieses Mal ist es schon extrem, das ist der helle Wahnsinn", findet Heidi Stark vom Bürgerbüro. Auf dem Flur herrscht reger Betrieb. Wähler wollen ihre Unterlagen holen oder abgeben. "Die rennen uns die Bude ein. Manche Leute reichen es auch durch das Fenster", lacht Stark.

Unterlagen für 4000 Briefwähler

Für insgesamt 4000 Briefwähler wurden Wahlunterlagen bestellt. "Ich hoffe, das reicht. Es sind noch 14 Tage bis zur Wahl. Aber es haut schon hin", glaubt Leicht. Bei 10 800 Stimmberechtigten und einer Wahlbeteiligung von rund 80 Prozent würde das bedeuten, dass sich die Hälfte der Höchstadter lieber für die Briefwahl als für die Wahlkabine entschieden haben. "Der Trend zur Briefwahl hat sich schon bei der letzten Wahl im September angedeutet", erzählt Leicht. Die Briefwahlbezirke wurden deshalb schon bei der Landtags- und Bundestagswahl aufgestockt. Diesmal sind es acht Briefwahlbezirke - plus 17 "normale" Wahllokale. "Pro Briefwahlbezirk rechnen wir mit 500 Wählern."

Die Umschläge dürfen von den Wahlhelfern um 15 Uhr geöffnet werden - um festzustellen, ob der Wahlschein in Ordnung ist und die Wahlunterlagen gültig sind. Auch in die entsprechenden Urnen dürfen sie bereits sortiert werden. Zum Auszählen freigegeben sind sie allerdings erst um 18 Uhr. Zuerst die Bürgermeister und Landräte per Hand, dann Stadtrat und Kreistag mithilfe des Computers - und einem Barcodeleser. Jeder Kandidat hat einen Strichcode, das Lesegerät ist automatisch mit dem PC verbunden. Eine immense Erleichterung, die schon bei der letzten Wahl zum Einsatz kam. "Vorher mussten noch Strichlisten geführt werden", erinnert sich Leicht.
Währenddessen bringt die Post schon wieder neue Umschläge. "Bei der Kommunalwahl gibt es tendenziell immer mehr Briefwähler wegen der Kompliziertheit der Wahl", erklärt Leicht. Kein Wunder. Für Bürgermeister und Landrat gibt es jeweils zwar nur ein Kreuz, im Stadtrat können dagegen 24, im Kreistag sogar 60 Stimmen vergeben werden.

Mit Spickzettel in die Wahlkabine

"Das wollen die Leute lieber bequem zuhause im stillen Kämmerlein machen, ganz in Ruhe", weiß auch Horst Lindner, Wahlleiter und geschäftsleitender Beamter in Hemhofen und Zeckern. Hier sind bisher 1000 Briefwahlunterlagen - bei insgesamt 4300 Wahlberechtigten - eingegangen. Bisher waren es zwei Briefwahlbezirke, diesmal sind es erstmals drei. "Aufgrund der starken Nachfrage. Die Wahlgesetze haben sich verändert, man muss keinen besonderen Grund mehr wie Krankheit oder Abwesenheit angeben", erklärt sich Lindner den großen Andrang.

Auch die Briefwahlbezirke in Weisendorf erfahren im März eine ordentliche Aufstockung - statt einem wie bisher, sind es jetzt drei. "Im Moment haben wir 900 Briefwähler bei 5000 Stimmberechtigten, ich schätze das werden noch 2000", glaubt Gerhard Meyer , Wahlleiter und geschäftsleitender Beamter.

Und auch in Adelsdorf boomt die Briefwahl - bisher haben sie 1100 von 6000 Wahlberechtigten genutzt. Auch hier gibt es heuer erstmals drei Briefwahlbezirke. "Dort sind jeweils acht Wahlhelfer. Sollten wir merken, der Andrang wird größer, können wir noch zusätzlich welche einsetzen", verrät Margot Ammon vom Bürgerservice.
Gerhard Leicht ist inzwischen wieder in seinem Büro. Der 16. März macht ihn nicht nervös: "Stressig ist es in den Wochen vorher." Von ihm selbst wird es übrigens keinen rosa Umschlag geben. Er geht noch ganz klassisch in die Wahlkabine. Wen er wählt, hat er sich bereits zuhause genau überlegt. "Das schreibe ich dann alles auf einen kleinen Spickzettel und nehme ihn mit ins Wahllokal."

Reaktionen auf Facebook


Umfrage Auf unserer Facebook-Seite haben wir die User gefragt, ob Sie lieber in die Wahlkabine oder per Briefwahl wählen.

Ralf G.: Ich mache seit Jahren Briefwahl, weil ich es einfach als angenehmer empfinde, meine Kreuze zu Hause zu machen, Vor allem kann ich mir Zeit lassen. Bin ich unsicher, lege ich die Wahlscheine wieder beiseite und überlege noch einmal in Ruhe oder vergleiche die Wahlaussagen der Kandidaten. Diese Ruhe habe ich in der Wahlkabine nicht.

Anja L.: Wahlkabine, weil es so schee is, wenn man sieht, wie manche dort mit den Hufen scharren ;-)

Philipp K.: Ich mache heuer zum ersten mal Briefwahl. Habe die Unterlagen bequem im Internet angefordert und innerhalb von zwei Tagen bekommen.