Er nennt sich am liebsten "Gastgeber", andere haben ihn aber auch schon "grüner Spinner" genannt: Hotelier Klaus Förtsch, Geschäftsführer der Hotel Luise GmbH. Seit 20 Jahren arbeitet er daran, dass sein Hotel in unmittelbarer Nähe der Siemens-Hauptverwaltung eine ausgeglichene Umweltbilanz hat.

Es sind viel kleine - beharrliche - Schritte, um ein Hotel in die Kategorie A der Klimafreundlichkeit eingestuft zu erhalten, erfährt man von ihm gleich beim Frühstück im ganz mit Naturholz ausgestatteten Frühstücksraum. Mülltrennung ist das Thema, das durch eine Batteriebox im Eingangsbereich angestoßen wurde. "Wir machen die Mülltrennung für den Gast", sagt Förtsch und schlüsselt dann auf. "Wir kommen mit zwei 120-Liter-Tonnen Restmüll pro Woche aus." Bei 96 Zimmern und jeden Tag Frühstück.
Denn Lebensmittelreste wandern auf den Kompost und der wieder in den liebevoll gepflegten Hotelgarten zwischen den zwei Gebäuden.

"Den Kaffeesatz packen wir in Behälter für unsere Angler- und Gärtnergäste." Er ist begehrt. Wie auch die großen Gläser mit Schraubdeckel, in denen Förtsch die Marmelade aus Niedermirsberg in der Fränkischen Schweiz erhält. Die leeren Gläser wandern in die Spülmaschine und dann in einen Korb, aus dem sie die Gäste mitnehmen können. "In ihnen kann man gut Mehl oder Haferflocken oder Nudeln aufbewahren", weiß Förtsch, warum die Gäste gerne zugreifen.

Die Marmelade ist biozertifiziert, der Dinkel zum Schroten fürs Müsli auch, die Eier, der Käse...Der Einkauf ist nicht immer einfach, bekennt Förtsch. Der Öko-Einkaufsring zum Beispiel hat Mindestbestellmengen. "Da muss ich oft bei kleinen Firmen direkt selber suchen. Was nicht bio ist, ist zumindest regional." Denn gegen Bio-Erdbeeren aus China sprechen nunmal die Transportwege. Da lässt sich Förtsch lieber über seinen Hausmeister eine Hobby-Imker aus Neunkirchen vermitteln und das Brot backt eine Bauernfamilie.

Förtsch hat seinen Betrieb den Regeln der BGS (Bio-Garantie GmbH) unterworfen. "Sie arbeitet vergleichbar mit der Lebensmittelkontrolle, auch mit unangemeldeten Besuchen", erklärt er. Die BGS kontrolliert auch die Lager- und Verarbeitungsbedingungen. So darf die Kaffeemachine nur mit Zitronenessig gereinigt werden. Oder: Eine Tasse Kaffee darf nur dann bio heißen, wenn auch Zucker und Milch zertifiziert sind.

Zum Frühstück gehört eine große Auswahl an Früchten und Gemüse, fein in Scheiben oder Streifen geschnitten. Das Angebot kommt an, auch die Karotten sticks, was der Küchenchef bezweifelt hatte.

Doch das Frühstück ist nur ein Teil der positiven Öko-Bilanz. "Normal sind bei einem Hotel 29 bis 32 Kilogramm Kohlendioxidausstoß pro Jahr und Gast. Wir liegen unter neun Kilo, trotz Wellnessoase", betont Förtsch. Auch hier sind es viele Bausteine. Eine Solaranlage auf dem Dach, das ist fast selbstverständlich. Das Brauchwasser wird in einer Zisterne aufgefangen zum Garten gießen und - für die Toilettenspülung. Dafür muss im Bad ein Hinweisschild angebracht sein.

Stören sich daran die Gäste? Im Gegenteil. Förtsch weiß von Gästen, die sein System zuhause übernommen haben. Ihn störte es keineswegs, wenn der Gast gar nicht merkte, dass er nicht in einem "normalen Hotel" übernachtet hatte. Inzwischen sind die Zertifikate nicht zu übersehen. Förtsch hält es so: "Tue Gutes und rede darüber, aber nie mit erhobenem Zeigefinger."

Das gilt besonders für die Angebote für Gäste im Paket: Das Fahrrad, um die Hugenottenstadt zu erkunden, ist immer dabei, gleich ob es um eine Biergartentour oder um Stadtgeschichte geht. Eine kuriose Geschichte fällt Förtsch dazu ein: Er hat einen Stammgast. Die Dame hat öfters mit den Erlanger Kliniken zu tun. Am liebsten würde sie den Weg mit dem Fahrrad zurücklegen. Nur ihr Auftraggeber zahlt ihr zwar die Taxifahrt dorthin, nicht aber die Fahrradmietgebühr.