Sein erstes Tattoo war die Dornenkrone. Das war mit 35. Er hat sich ganz bewusst dafür entschieden. Suchte nach einem Symbol für Jesus Christus. Bei dieser Tätowierung ist es nicht geblieben. Inzwischen sind es mehr geworden. Wie viele, verrät er nicht. Doch alle stehen für die Dreifaltigkeit Gottes. Der nächste Termin bei seinem Stammtätowierer in Rosenheim steht bereits in seinem Kalender.

Ein evangelischer Pfarrer mit Tätowierungen - eine absolute Seltenheit. Doch eigentlich will Torsten Bader gar nicht so viel darüber sprechen. Sie sind ein Teil von ihm, sie sind ihm wichtig, doch sie sind längst nicht die Hauptsache. Doch gerade wegen seines Berufs sprach er seine Tattoos auch bei seinem Antrittsbesuch kurz vor Weihnachten im oberbayerischen Feldkirchen an. Er wollte sie nicht verschweigen - und sie stellten schließlich auch kein Problem dar.

Und seitdem ist es amtlich: Torsten Bader wird Mühlhausen verlassen. Seine neue Wirkungsstätte heißt ab 1. Mai Feldkirchen. "Ich gehe gern hin, auch wenn ich nicht gerne weggehe. Der Schmerz ist schon groß", bedauert Bader auf seiner Eckbank im Pfarrhaus. Seine Frau Ines und seine drei Kinder Lorenz (17), Mia (15) und Clara (10) ziehen mit um und beginnen mit ihm gemeinsam den Neustart nur ein paar Minuten von München entfernt. Auch für sie fällt der Abschied alles andere als leicht: "Wir hatten neun sehr gute Jahre hier."

Auf der Autobahn umgekehrt

Die Stelle in der evangelischen Pfarrgemeinde Feldkirchen, zu der auch der Nachbarort Aschheim gehört, ist bereits fast ein Jahr vakant. Bader erfuhr davon eher durch Zufall. Im Oktober traute er eine Freundin auf deren Wunsch in Aschheim. Der Mesner sprach ihn anschließend direkt an, ob er sich nicht für die Stelle bewerben möchte. Bader lehnte zunächst ab. "Auf dem Heimweg haben meine Frau und ich aber nochmal drüber gesprochen und haben uns gefragt: Warum eigentlich nicht?", erzählt Bader. Also drehten sie noch einmal um und schauten sich gemeinsam das Pfarrhaus in Feldkirchen an. "Wir haben uns gleich ein bisschen verliebt, aber auch mit uns gekämpft. Geistig wurde mir aber bewusst: Ich fühle mich berufen dorthin."

Also bewarb er sich. In dem Bewusstsein, dass man als evangelischer Pfarrer ohnehin alle zehn Jahre die Stelle wechseln sollte. Aber auch in dem Gedanken, dass sowieso alle nach München wollen und es bestimmt sowieso nichts wird. Ende November lief die Frist ab. Am 1. Dezember feierte er seinen 50. Geburtstag. "Es waren so viele da, hatten liebe Worte für mich, ich hab' mich so geschämt", erinnert sich Bader.

Und auch jetzt geht er schweren Herzens. Bader ist integriert. Nicht nur innerhalb der Kirchengemeinde. Er spielte bei den alten Herren in Weingartsgreuth Fußball, bis sein Knie das nicht mehr zuließ, schaut Champions-League-Spiele im Gasthaus Bär um die Ecke, ist Mitglied beim 1. FC Nürnberg-Fanclub in Warmersdorf. "Ich weiß noch, als wir nach Schalke gefahren sind, da war ich erst ein paar Wochen da, wurde im Bus das Kirchenlied Laudato Si angestimmt. Das war schon toll", schwärmt Bader.

In der Kirchengemeinde hat Bader einiges bewegt, ist vieles auf seine Idee hin entstanden. Die Kindergruppe "Kilians coole Kids", die Jugendgruppe "Teens in Mühlhausen", der offene Jugendtreff "Puzzles". Das Angebot für Demenzkranke, die an zwei Vormittagen im Monat im Gemeindehaus betreut werden. Das Trauercafé bei der Caritas in Höchstadt.

Hilfe für Flüchtlinge

Und nicht zu vergessen sein Engagement für Asylbewerber. Er unterstützte die Unterbringung von Flüchtlingen in der Wohnung der evangelischen Kirche in Weingartsgreuth, war Mitbegründer des "Evangelischen Vereins zu Weingartsgreuth", belebte den Diakonieverein Mühlhausen-Weingartsgreuth mit neuem Leben. "Ich hab' versucht, nicht nur für die Kirchengemeinde, sondern für die ganze Gemeinde da zu sein."

Zudem wurden in seiner Zeit unter anderem der Glockenstuhl erneuert, Kirche und Altar sowie die Kirche in Weingartsgreuth renoviert. Dass für Bader ein Nachfolger kommt, sei ihm zufolge sicher. Die Frage sei nur, wann. "Ein halbes Jahr Vakanz ist ein Muss", so der gebürtige Gelsenkirchener. Dann könnten die Dinge, die wirklich von der Gemeinde geschätzt werden, überleben, und andere Dinge dagegen erst einmal ruhen.

Ein Wiedersehen lässt aber nicht lange auf sich warten. Die erste Rückkehr von Feldkirchen wird es bereits am 7. Juni geben, beim Tag der Vereine in Wachenroth. Und auch bei der Mühlhausener Kerwa will er auf keinen Fall fehlen.

Abschied Am Sonntag, 26. April, feiert Thorsten Bader seinen Abschiedsgottesdienst in Mühlhausen. Anschließend wünscht er sich eine große Party mit Live-Bands. Der Ort wird noch bekannt gegeben. "Die Leute sollen tanzen und Spaß haben", sagt Bader.

Neustart Am Sonntag, 3. Mai, wird Bader dann in seiner neuen Kirchengemeinde eingeführt. An den Wochenenden darauf folgen bereits mehrere Konfirmationen und eine Hochzeit.