Unter dem Motto "Schüler/-innen gegen die Maskenpflicht" veranstaltete die Nürnberger Querdenker-Initiative gestern eine Kundgebung in Erlangen. In der Spitze waren zwischen 400 und 500 Demonstranten vor Ort - kaum Schüler, eher Erwachsene - sowie etwa 200 Gegendemonstranten und jede Menge Schaulustige.

"Das war die erste Veranstaltung dieser Art in Erlangen. Diese Bewegung gibt es bei uns bislang ja gar nicht", erläuterte Christian Daut, Einsatzleiter der Erlanger Polizei. Die Veranstaltung, die den ganzen Nachmittag über dauerte, verlief friedlich.

Die Polizei kontrollierte schon den Zulauf zur Demo, da die Stadt eine Maskenpflicht zur Auflage gemacht hatte. "Ohne Maske darf man nicht teilnehmen", so Daut. Allerdings: "In diesen Kreisen haben so manche ein Attest - da sind uns dann natürlich die Hände gebunden."

Stadt machte Beschränkungen zur Auflage

Laut Christofer Zwanzig, Sprecher der Stadt Erlangen, war die Demo ursprünglich für den Schlossplatz beantragt worden. Die Stadt genehmigte als Versammlungsort jedoch den Grünstreifen im Röthelheimpark, weil dort auf Grund der Platzverhältnisse der Infektionsschutz am besten sichergestellt werden könne. "Es wurden eine Reihe von Beschränkungen erlassen. Unter anderem muss auch der Mindestabstand eingehalten werden", so Zwanzig.

Christine Drobig, die die Kundgebung angemeldet hatte, rief die Teilnehmer auch regelmäßig dazu auf, die Auflagen einzuhalten, "es sei denn, es hat jemand ein Attest". Wobei sie es mit den tatsächlichen Vorgaben nicht ganz so genau nahm, als sie beispielsweise meinte, dass die Abstandsregel auch innerhalb von Familien gelte: "Kleinkinder sollten wohl bei den Eltern bleiben, aber ein Zwölfjähriger kann ja ein paar Schritte zur Seite gehen."

Auf der Bühne traten unter anderem Colin Meier, Kreisgeschäftsführer der Gewerkschaft

Erziehung und Wissenschaft, auf sowie Eric Zell, ein bekanntes Gesicht der bundesweiten Querdenker-Szene. Die angekündigten Stefan Bergmann, Andre Krengel und Daniel Igwe der Vereinigung Querdenken 911 Nürnberg waren dafür nicht vor Ort. Von diesen - wie von der ganzen Veranstaltung - hatte sich bereits im Vorfeld die Aktion Courage Erlangen strikt distanziert: Bergmann sei "der Reichsbürgerbewegung nahestehend", die anderen beiden "ebenfalls bundesweit für die Coronaleugner unterwegs".

Scharfe Rhetorik

Wo sich Meier eher nur dagegen verwehrte, als Antisemit oder Rechtsradikaler hingestellt zu werden, schlug Zell schon andere Töne an. Zunächst kam er mit einem jugendlichen Mädchen auf die Bühne - Greta - mit der er gemeinsam "Kinderaussagen" vortrug und kommentierte. Zum Beispiel rief Greta: "Wir Kinder brauchen frische Luft zum Atmen!" Zell antwortete: "Keinen Maulkorb!" Nachdem die Schülerin abgetreten war, verschärfte sich seine Rhetorik. Er sprach unter anderem von der "Unterdrückung durch ein diktatorisches Regime" und die "Demütigung unserer Kinder".

"Schauen, mit wem man sich gemein macht"

Auch die Gegendemonstranten betonten, dass sie nicht frei von Kritik gegenüber Corona-Auflagen und Masken seien. Sie sprachen unter anderem die Schließung von EU-Außengrenzen, die Schieflage des Gesundheitssystems und die in ihren Augen unfaire Umverteilung von Geldern an. "Aber man muss schauen, mit wem man sich gemein macht", sagte Sprecherin Nadine Wagner von der Gruppe Antithese Erlangen. Mit bei ihr im Boot waren unter anderem die Aktion Seebrücke und die Linksjugend Solid Erlangen. Sie kritisierten die mangelnde Abgrenzung "vermeintlich Bürgerlicher zu reaktionären Kräften". "Wir wollen mit lautstarkem Protest zeigen, dass wir gegen Verschwörungstheorien, gegen Antisemitismus und Faschismus sind", so Wagner. Unter dem Deckmantel, für eine "Pseudofreiheit" zu kämpfen, dürfe man keine gefährlichen Theorien verbreiten. "Kritik äußern, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Diskurs - alles total wichtig und richtig. Aber nicht so!"

Eine ebenfalls angekündigte "maskenlose Busrundfahrt für 50 Schüler" fand nicht statt. Sie wäre ohnehin von der Polizei unterbunden worden. Dafür jedoch gegen Abend ein kurzer Laternenumzug der Demonstranten um das Kundgebungsgelände. Anschließend wurde die Veranstaltung für beendet erklärt.