Eigentlich wäre der Höchstadter Schausteller Alexander Störzer an diesem Wochenende auf dem Nürnberger Frühlingsfest vertreten - doch die Fahrgeschäfte des Unternehmers warten in den Hallen am Greiendorfer Weg noch auf ihren ersten Einsatz. Das müssen sie auch noch länger. Selbst zur Kerwa in Höchstadt werden sie heuer nicht gebraucht.

Wie im ganzen Land cancelt das Coronavirus auch in Höchstadt bis Ende August alle größeren Veranstaltungen, samt Kirchweih und Altstadtfest. Die Kirchweih hätte Schausteller Alexander Störzer gerne wieder bereichert, aber er muss diesen Termin ebenso streichen wie alle anderen in seinem vollen Kalender. Der hätte ihn erneut durch ganz Deutschland geführt.

Im Winter hat er viel in die Fahrgeschäfte investiert und renoviert, beschäftigt noch vier Mann Personal, weiß aber jetzt nicht, wie es weiter geht. Die Einnahmen sind komplett weggebrochen. 5000 Euro Soforthilfe hat er zwar schon bekommen, "doch das ist ein Tropfen auf den heißen Stein". Er würde sich schon freuen, wenn er von der Stadt die Erlaubnis bekäme, einen Mandelstand aufzustellen.

Räumlich auseinandergezogen

Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm (JL) will nach dem Ausfall von Kerwa und Altstadtfest neben seinen Schaustellern auch den Brauereien helfen und schmiedet schon Pläne für ein "Corona-Fest im positiven Sinn". Das könnte räumlich auseinandergezogen werden - vom Gelände der Fortuna Kulturfabrik über die Innenstadt bis in den Engelgarten.

"Die Leute wollen schon mal wieder feiern", sagt Brehm. Mit Einschränkungen und Abstand sollte trotzdem die Gemeinschaft gepflegt werden. Der Bürgermeister hofft, bis Ende Mai von der Regierung ein Signal zu bekommen, dass im Herbst wieder gefeiert werden darf. Dazu möchte er dann die Schausteller, Brauereien und Vereine mit ins Boot holen.

Einer der Vereine, denen mit dem Altstadtfest eine Haupteinnahmequelle wegbricht, ist der Skiclub Höchstadt. Er wäre bei einem Fest im Herbst dabei, sagt Vorsitzender Hubert Scheidel. Der Skiclub will in der aktuellen Situation auf Rücklagen zurückgreifen. Scheidel: "Wir beantragen keine Soforthilfen und kommen unseren Zahlungsverpflichtungen nach." Das sind hauptsächlich die Kosten für die vereinseigene Ferienwohnung in Fieberbrunn in Tirol. Die darf wegen Corona seit Ende Februar nicht mehr vermietet werden. Scheidel hofft aber, dass dafür im Sommer mehr Skiclub-Mitglieder in den Tiroler Bergen Urlaub machen möchten. Die Zeit, in der jetzt keine Urlauber nach Tirol einreisen dürfen, nutzt der Verein, um Bäder zu renovieren.

Gewaltige Umsatzeinbrüche erwartet man durch die Corona-Pandemie beim Brauhaus Höchstadt. Der Brauerei brechen neben vielen Kirchweihen und Festen in der Region auch andere Umsatzquellen weg. "Normalerweise wären jetzt die Gastwirtschaften komplett voll", sagt Geschäftsführer Michael Ackermann. Kommunionen, Konfirmationen und Hochzeiten würden in den Lokalen gefeiert, dazu die Osterausflügler - das alles bricht weg. Johannisfeuer werden ebenso gestrichen wie das Höchstadter Schlosshof-Festival - das das Brauhaus mit gleichem Programm um ein Jahr verschoben hat.

"Vom 1. Mai bis 17. Oktober wären wir komplett ausgebucht gewesen", sagt Ackermann. An jedem Wochenende hätte das Brauhaus ein anderes Fest mit Getränken, Tischen und Bänken bestückt. Das fällt derzeit ebenso weg wie die Versorgung zahlreicher Sportler-, Vereins- und Feuerwehrheime.

Sechs Mitarbeiter sind beim Brauhaus fest angestellt, dazu kommen in der Saison 30 Aushilfskräfte. Die werden in diesem Sommer nicht gebraucht. Die Einnahmen im Sommer dienen auch dazu, die fest Angestellten im Winter bezahlen zu können, sagt der Geschäftsführer. Derzeit muss das Brauhaus mit dem auskommen, was Privatleute und Firmen umsetzen