Der Punsch ist klasse! Karin Kropf und Margit Stirnweiß haben gerade wieder den dampfenden Topf geöffnet, in dem das heiße Getränk vor sich hin kocht. "Haben Sie schon mit Ingwer probiert?", fragt Mike Gibson freundlich über die Köpfe der Anwesenden hinweg. Der 70-Jährige hat eine rote Weihnachtsmann-Mütze über sein graues Haar gezogen.

Gibson lebt seit nunmehr 35 Jahren in Deutschland.

Er kann fließend Deutsch, sagt deshalb auch seiner neuen Heimat angepasst Ingwer und nicht "Ginger", wie die Wurzel in seiner Muttersprache Englisch heißt. Und trotzdem kann er an diesem Tag ein paar Brocken seines englischen Sprachschatzes anwenden. Es ist Weihnachtsfeier - pardon - Christmas-Party des Englischkurses, den Mike Gibson zusammen mit Irmtraut Spindler zweimal im Jahr über mehrere Wochen anbietet.
Im November hat der Kurs in der Behinderteneinrichtung der Barmherzigen Brüder Gremsdorf begonnen, jetzt an Weihnachten endet er.


Englischkurse mittlerweile seit sieben Jahren


So genau weiß das Mike Gibson auch nicht mehr. Sie sind auf jeden Fall aber immer voll. Es mache einfach Spaß, sagt Reiner Brandt, der am festlich gedeckten Tisch sitzt und gleich mal bei den Muffins zugreift. Mike Gibson steht derweil am oberen Ende der beiden Tischreihen, an denen sich die über 20 Kursteilnehmer nieder gelassen haben. Gibson begrüßt wieder auf Deutsch. Der englische Part kommt später. "Wir schmücken gemeinsam den Baum", sagt Gibson und zeigt auf die Tanne, die am anderen Ende des Raumes noch völlig blank steht.

Ida Storm hängt einen kleinen Stern an einen stacheligen Ast des Baumes. Die Sterne mit englischen Weihnachtsgrüßen und Wünschen haben die Kursteilnehmer gebastelt. "Das ist Teil des Konzepts", sagt Mike Gibson. In den Kursen wird immer viel gebastelt und musiziert. "Es ist ziemlich locker", sagt Gibson. Er hängt auch noch etwas an den Baum.

Als der nadelige Freund dann schön geschmückt im Eck steht, wird das erste Lied angestimmt. "Jingle Bells", wie es sich für einen Englischkurs gehört. Dann folgt "Silent Night, Holy Night", was dem deutschen Lied "Stille Nacht, heilige Nacht" entspricht, das manche auch auf Deutsch mitsingen, weil: "Es geht ja locker zu", wie Gibson schon erwähnte.


"Denglisches" Gedicht


Aus diesem abwechselnden Deutsch und Englisch tragen die Teilnehmer dann noch ein "denglisches" Gedicht vor, das beide Sprachen wild in einem lustigen Reim mixt. Zum Beispiel heißt es da, wenn die Weihnachtszeit "does come", "all the Menschen, Leute, people flippen out of ihr warm Stüble". Den Teilnehmern gefällt es.
Auch Horst Safrath amüsiert sich, der seine Begleitung herzt. Renate Barutta lächelt Horst Safrath an, sie lernt Englisch im Seniorenkreis, dort hat sie auch Horst Safrath kennen gelernt. Der Seniorenkreis unterstützt die Englischkurse bei den Barmherzigen Brüdern genauso wie andere freiwillige Helfer.

Mike Gibson, der das ganze wie auch Irmtraut Spindler ehrenamtlich macht, lädt auch immer wieder Muttersprachler zu den Kursen ein, die dann etwas beim Vokabelpauken und bei der Aussprache helfen können. Wie Michelle Rass, die auch bei der Christmas-Party dabei ist. Die gebürtige Londonerin hilft ein wenig beim Singen, jetzt folgt nämlich der Klassiker "Rudolph the red-nosed reindeer".

Und so wird weiter gesungen und gelacht bis der Punsch dann leer ist und die Plätzchen gegessen. Das letzte Mal könnte die Christmas-Party so stattgefunden haben, denn der Englischkurs wird wohl beim nächsten Mal erst im Januar starten: "Im November und Dezember ist einfach zu viel los", sagt Mike Gibson.

Die Feste überschlagen sich in der Zeit. Na gut, Weihnachten - pardon - Christmas ist für dieses Jahr geschafft.