Heimelige Weihnachtsmärkte, gut besuchte Adventskonzerte, Gedränge beim Festgottesdienst - im Corona-Jahr 2020 undenkbar. Fluch oder Segen? Von jedem ein bisschen, sagen die Höchstadter Pfarrer.

"Dieses Jahr haben wir eine echte stade Zeit", freut sich Stadtpfarrer Kilian Kemmer. Das sei eine Chance, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, den Advent bewusst zu begehen. "So furchtbar dieses Virus ist, so fruchtbar kann es sich auswirken."

Auch der evangelische Pfarrer Hans-Friedrich Schäfer sieht das so: "Wir müssen diese Herausforderung meistern - und können so viel daraus lernen!" Neue Wege zu gehen sei meist eine Bereicherung. Die Christuskirche hat beispielsweise das Internet für sich entdeckt: In regelmäßigen Abständen wird ein Gottesdienst auf Youtube hochgeladen. "Das ist doch toll, dass sowas geht! So können noch mehr Menschen teilhaben." Auch an Heiligabend wird es diesen Service geben: "Jeder kann den Gottesdienst abrufen, wenn es in den Tagesablauf passt." Kirche passiere schließlich da, wo Menschen seien, nicht umgekehrt.

Täglich eine Kerze entzünden

Aber auch offline hat sich die evangelische Kirche einiges ausgedacht: So werden die Gemeindemitglieder aufgerufen, täglich um 19 Uhr eine Kerze ins Fenster zu stellen und eine Hausandacht zu beten. "Wir wollen ein Zeichen setzen, dass wir verbunden sind, auch wenn wir uns nicht wie gewohnt treffen können."

Ab dem 2. Advent kann zu den Kirchenöffnungszeiten die Krippenausstellung besichtigt werden. Zudem sind kleine Weihnachtsmärkte nach den Gottesdiensten für die Unterstützung der verschiedenen Afrika- und Rumänien-Projekte geplant. "Natürlich mit Hygienekonzept", so Schäfer.

Etwas ganz besonderes passiert ab dem 3. Advent: Auf der Wiese hinter der Christuskirche wird ein Baum aufgestellt, den die Gemeindemitglieder mit wetterfestem Schmuck, aber auch mit Wünschen und Gebeten - "bitte einlaminiert" - schmücken können. "So haben wir ein schönes Gemeinschaftsprojekt, ohne uns zu nahe zu kommen", erklärt Schäfer. Rund um die Kirche soll es weitere Aktionen geben, die die Menschen "einfach im Vorbeigehen" mitnehmen können, wie ein gestaltetes Fenster oder den Abruf von Liedern und Geschichten über QR-Codes. "Wir wollen die Menschen einladen, unterwegs zu sein."

Feiern an der Lourdesgrotte

Viel anbieten, um zu entzerren und um viele zu erreichen: Das ist auch das Konzept der katholischen Kirche. "Ich bin prinzipiell kein Freund davon, alles abzusagen. Die Leute brauchen etwas - je länger das Ganze dauert, desto mehr." Also lieber Gottesdienste unter Auflagen, als gar keine, meint Kilian Kemmer. Es gibt - bei den Katholiken wie den Protestanten - verschiedene Gottesdienstangebote in den Kirchen und im Freien (siehe unten). "Seit der Renovierung haben wir eine gute Entlüftungsanlage - das zahlt sich jetzt aus", freut sich der Stadtpfarrer. Trotzdem seien gerade die Feiern an der Lourdesgrotte sehr beliebt. Die großen Gottesdienste an Heiligabend beispielsweise finden ebenfalls draußen, nämlich am Marktplatz statt, um niemanden abweisen zu müssen. "Natürlich dauern diese Gottesdienste dann nicht so lang, sonst würde es irgendwann zu kalt."

Für das eigene stille Gebet sei die Kirche zudem zehn Stunden am Tag geöffnet. Für weihnachtliche Atmosphäre sorgen wie jedes Jahr die Krippe und der Schmuck, an dem sich nichts geändert hat.

Wer seelsorgerischen Beistand wünscht, kann auch beim samstäglichen Kerzenverkauf am Marktplatz vorbeischauen. "Wir sind vor Ort für Fragen, Anliegen, Gespräche", verspricht Kemmer.

Beide Pfarrer bedauern natürlich, dass vieles nicht so stattfinden kann, wie in vergangenen Jahren. Aber es ist eben - wie in anderen Bereichen auch - Kreativität gefragt. Und Spontaneität: "Die Situation ist ja ständig eine andere. Da muss man darauf reagieren - und zwischen absagen und wie gewohnt stattfinden lassen gibt es noch so viele Möglichkeiten. Die müssen wir ausschöpfen", erklärt Schäfer.

Was die Hygiene angeht, betonen die Geistlichen, dass alle Vorschriften eingehalten werden, bisher alles sehr diszipliniert abgelaufen ist und eben jeder Einzelne verantwortlich mit der Situation umgehen muss. "Vorsicht ja, Angst nein", betont Kemmer.

Bei allem Negativen hoffen zudem beide, dass vieles die Coronazeit überleben wird: "Zum Beispiel das Bewusstsein, dass jeder für seinen Glauben selbst verantwortlich ist", so Schäfer. Oder "dass die Menschen mehr auf einander und die Natur achten", so Kemmer.

Advent 2020 in Höchstadt

Stadtpfarrkirche St. Georg

Freitag, 4. Dezember, 19 Uhr: Herz-Jesu-Freitag, Gottesdienst, anschl. eucharistische Anbetung bis 21 Uhr.

Samstag, 5. Dezember, 19 Uhr: Vorabendmesse.

2. Adventssonntag, 6. Dezember, 8.30 und 10.30 Uhr: Gottesdienst mit adventlicher Musik. 17 Uhr: Roratemesse (Lourdesgrotte). 18 Uhr: Adventsvesper.

Montag, 7. Dezember bis Sonntag, 13. Dezember, 17.05 bis 17.15 Uhr: "Fünf nach Fünf" - Text, Musik, Gebet.

Dienstag, 8. Dezember, 19 Uhr: "Mariä Empfängnis", Festgottesdienst.

Samstag, 12. Dezember, 19 Uhr: Vorabendmesse. 20 bis 22 Uhr: "Joy an Pray"-Gebetsnacht, Anbetung, Musik, Text, Stille, Beichtgelegenheit, Aussprache.

3. Adventssonntag, 13. Dezember, 8.30 und 10.30 Uhr: Gottesdienst mit adventlicher Musik. 10.30 Uhr: Kinderwortgottesdienst (Pfarrsaal). 14 Uhr: Adventliches Rosenkranzgebet. 17 Uhr: Roratemesse (Lourdesgrotte).

Samstag, 19. Dezember, 16 Uhr: Beichtgelegenheit. 19 Uhr: Vorabendmesse.

4. Adventssonntag, 20. Dezember, 8.30 und 10.30 Uhr: Gottesdienst mit adventlicher Musik. 17 Uhr: Roratemesse (Lourdesgrotte). 18 Uhr: Bußgottesdienst (Marktplatz), Ankunft des Lichts von Betlehem.

Mittwoch, 23. Dezember, 17 Uhr: Beichtgelegenheit.

Heilligabend, Donnerstag, 24. Dezember, 14.30 Uhr: Kindersegnung (Lourdesgrotte). 16 und 22.30 Uhr: Christmette (Marktplatz).

Sonstiges: Dienstag, Freitag und Samstag, 6.30 Uhr, sowie Montag 19 Uhr: Rorateamt bei Kerzenlicht (außer 4. und 8. Dezember). Samstags, 16 Uhr: Beichtmöglichkeit. Samstags, 9 bis 12 Uhr: Seelsorge und Kerzenverkauf für das Licht von Betlehem (Marktplatz).

Christuskirche

2. Adventssonntag, 6. Dezember, 9.30 Uhr: Adventsgottesdienst. 17 Uhr: Adventsandacht mit musikalischen Akzenten. 3. Adventssonntag, 13. Dezember, 9.30 Uhr: Adventsgottesdienst. 17 Uhr: Adventsandacht mit musikalischen Akzenten. 18.30 Uhr: Friedenslicht aus Betlehem brennt vor dem Pfarrhaus.

4. Adventssonntag, 20. Dezember, 9.30 Uhr: Adventsgottesdienst. 17 Uhr: Jugendandacht.

Heiligabend, Donnerstag, 24. Dezember, 15 Uhr: Gottesdienst (Wiese hinter Kirche). 18 Uhr: Waldrandweihnachtsgottesdienst (Abenteuerspielplatz Höchstadt-Süd). 22 Uhr: Sternenhimmelgottesdienst (Wiese hinter Kirche). Ganztags: Youtube-Gottesdienst abrufbar unter hoechstadt-evangelisch.de 25., 26. und 27. Dezember, 9.30 Uhr: Gottesdienst

Sonstiges: Täglich, 19 Uhr: Glockengeläut zur Hausandacht.