Kein Kunstdünger, keine chemischen Pflanzenschutzmittel, kein Torf. Dafür eine hohe Artenvielfalt in Flora und Fauna, heimische Gehölze und Stauden, Kräuter, Gemüsebeete, Nützlingsunterkünfte und Laubbäume.

Das sind nur einige der vielen Kann- und Muss-Kriterien für einen im Rahmen von "Bayern blüht - Naturgarten" zertifizierten Garten. Sigrun Hannemann aus Röttenbach darf sich über eine der ersten Auszeichnungen dieser Art im Landkreis Erlangen-Höchstadt freuen. "Noch mehr würde ich mich aber über viele Nachahmer freuen", meint die Hobby-Gärtnerin lachend.

Sie steht zwischen den roten Früchten ihres Apfelbaumes, im Hintergrund leuchten einige ebenso rote Tomaten, lila- und weißblühende Kräuter locken trotz der morgendlichen Kühle das eine oder andere Insekt an. "Naturnahe Pflanzen kommen mit den örtlichen Klima- und Bodengegebenheiten besser zurecht als nicht-heimische Gewächse. Zudem ist ein Naturgarten wesentlich weniger pflegeintensiv als ein englischer Rasen beispielsweise", weiß Hannemann.

Laie mit großem Gartenwissen

Ihr liegen Natur und Umwelt sehr am Herzen, zudem liebt sie das Gärtnern. So kam die freiberufliche Web- und Grafikdesignerin vor einigen Jahren zu ihrem Garten-Blog (www.bergblumengarten.de), der sie wiederum befähigte, sich selbst als Zertifiziererin für Naturgärten schulen zu lassen. "Eigentlich sind dafür nur Menschen mit beruflicher Vorbildung vorgesehen", berichtet die Wahl-Röttenbacherin. Aber da sie als Laie trotzdem ein immenses Gartenwissen mitbrachte, wurde sie zugelassen. Es versteht sich von selbst, dass sie ihren Garten im Zuge dessen auch der Prüfung unterziehen ließ - mit Erfolg!

Das ist auch wesentlich einfacher, als selbst Prüfer zu werden: Über die Homepage der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau kann man sich anmelden, ein Zertifizierer bekommt die Daten übermittelt und vereinbart einen Termin. "Wir kommen dann zu zweit, damit alles mit rechten Dingen zugeht", erklärt Bio-Gärtner Stefan Strasser aus Erlangen, ebenfalls geschulter Zertifizierer. "Man sollte sich jedoch vorher mit den Kriterien auseinandersetzen - eine Hainbuchenhecke, ein Apfelbaum und eine Kräuterschnecke allein reichen nicht aus."

Plakette an Person gebunden

Seit August gibt es diese Würdigung für um Artenvielfalt bemühte Haus- und Kleingärtner im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Einige Gärten wurden bereits ausgezeichnet. Einmal verliehen, bleibt die Plakette dem Gärtner im Grunde auf Dauer erhalten - es sei denn, ein grober Verstoß gegen die Richtlinien würde bekannt. "Aber wir kontrollieren das nicht nach, wir verleihen auf Vertrauensbasis", so Strasser. Entzogen wird die Auszeichnung allerdings auch, wenn der Gartenbesitzer wechselt. "Sie ist personengebunden. Wenn jemand umzieht und dann jemand anderes den Garten bewirtschaftet, muss derjenige eine neue Zertifizierung beantragen - sofern er möchte."

Strasser, Hannemann und andere Zertifizierer stehen willigen Natur-Gärtnern gerne mit Rat und Tat zur Seite - sie möchten es ja in möglichst vielen Gärten summen und brummen hören. Auch die Gemeinden können beraten. Einen Infoflyer gibt es beispielsweise bereits in Hemhofen, Röttenbach und Adelsdorf.

Wer sich die Plakette und Urkunde noch in diesem Jahr sichern will, muss sich jedoch beeilen: Gärten werden bis maximal Ende Oktober in Augenschein genommen, bevor alles winterfest gemacht wird.

Infos und Adressen

Kosten 60 Euro kostet eine Zertifizierung im Regelfall. Für Mitglieder in Obst- und Gartenbauvereinen 40 Euro - oder weniger, je nachdem, wie hoch die einzelne Ortsgruppe das Engagement bezuschusst.

Weitere Infos gibt es bei der Landesvereinigung Gartenbau Bayern (www.lvg-bayern.de), dem Kreisverband für Gartenbau und Landespflege (www.gartenbauvereine-erh.de), der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (www.lwg.bayern.de) sowie bei den Gemeinden und örtlichen Obst- und Gartenbauvereinen.