Es ist schon über sechs Jahre her, dass Baiersdorf und die umgebenden Orte von der Jahrtausend-Flutkatastrophe heimgesucht wurden. Geschehen ist bisher zu einem besseren Hochwasserschutz wenig. Trotz hoffnungsvollem Start noch im selben Jahr. Schon kurze Zeit später schalteten die betroffenen Kommunen Fachbehörden und Gutachter ein, um ein den ganzen Raum umfassendes Hochwasserschutzkonzept zu erarbeiten.
Insbesondere die zuständigen Wasserwirtschaftsämter leisteten dazu viel Vorarbeit. Ein wesentliches Bauwerk war dabei die Südableitung um Baiersdorfs Stadtteil Igelsdorf herum, denn der Ort am Schlangenbachs war mit am stärksten in Mitleidenschaft gezogen worden. Baiersdorf forcierte eine entsprechendes Planfeststellungsverfahren. Realisiert werden sollte dieses Konzept für alle Orte durch einen Zweckverband der Kommunen.


Gescheiterter Zweckverband

Doch zu diesem Zusammenschluss kam es nie. Zuletzt sollte dieses Vorhaben im Zusammenwirken der Gemeinden Baiersdorf und Langensendelbach verwirklicht werden. Doch im Gegensatz zu Baiersdorf haben weder das angrenzende Poxdorf noch Langensendelbach Hochwasserschutzmaßnahmen in ihre Agenda aufgenommen.
Mit diesen Unterlassungen begründete Baiersdorfs Bürgermeister Andreas Galster (CSU) in der Ratssitzung am Donnerstag den aktuellen Vorstoß der Stadt im Alleingang: "Eine schnelle Lösung ist wegen des gescheiterten Zweckverbands nicht mehr möglich. Es gibt keine Signale aus Forchheim, Poxdorf oder Langensendelbach, dass sie planerische Absichten zum Hochwasserschutz haben."
Das mittelfränkische Wasserwirtschaftsamt und auch die Regierung haben Baiersdorf nach Galsters Vortrag zugesichert, die Stadt müsse nicht auf die anderen Gemeinden warten. Sie werde trotzdem Zuschüsse erhalten.
Gleichwohl war sich Galster bewusst, dass "Baiersdorf mit dem Südableiter seine Finanzkraft ausschöpft". Vor allem, weil für Flutmulde und Retensionsbecken etliche Hektar Land erworben werden müssen.
Das Vorgehen wird nun so sein, dass das bisherige Planfeststellungsverfahren beendet und ein neues in Gang gesetzt wird.Die größte Änderung der Planung liegt darin, dass der Durchfluss unter der Bahnlinie nicht vergrößert wird, weil ansonsten die Bäche westlich davon überlastet werden.
Das hat nach den Planern Klaus Zwirner und Frank Schönfelder zur Folge, dass das geplante Rückhaltebecken vor der Bahnlinie von 67 000 Kubikmetern auf rund 130 000 Kubikmeter vergrößert werden muss. So soll ein Stauraum für Extremsituationen von bis zu 15 Hektar entstehen.

Beginn am Neuweiher

"Das Rückhaltebecken entsteht zwischen dem Wäldchen und dem Hochspannungsmasten, die man von der Straße Igelsdorf-Bräuningshof aus sieht", beschrieb Schönfelder den Standort. Er machte kein Hehl daraus, dass er einen Zweckverband als "sinnhafteste Lösung" der Hochwasserprobleme ansieht.
Dazu wird der bogenförmige Damm, der von Süden über Westen nach Norden reicht, erheblich verlängert und erhöht werden. Ein Teil des Geländes im südlichen Bereich nahe der Bahnstrecke wird zusätzlich in eine Tiefe von etwa einem halben Meter abgetragen, genauso tief wie die Bahn bei ihrer Ausgleichsmaßnahme für den ICE-Bau in unmittelbarer Nähe eingreift.
Am Beginn des Südableiters an der Südecke des Neuweihers ändern sich die Pläne nicht. Der Adelsbach, der den Weiher umfließt, führt bei normalen Wasserständen sein Wasser weiterhin dem Schlangenbach zu. Nur ab einem bestimmten Ansteigen fließt Wasser über eine Verrohrung des Bachleithengrabens.
Als bis zu 25 Meter breite Flutmulde erreicht der Südableiter den früheren Oberweiher und das von Schönfelder genannte Wäldchen. Von dort aus erlaubt das Gefälle verschiedene Bachverläufe. Welcher realisiert wird, hängt von den Grundstückseignern ab. Sie sollen nach Bürgermeister Galster Verkaufs- oder Tausch absichten geäußert haben. Einer von ihnen meldete sich allerdings in der Sitzung zu Wort, dass man nicht mehr mitmache, wenn die Fläche noch größer werde. Planer Zwirner ist überzeugt davon, dass bis auf den tiefen Beckenteil im gesamten betroffenen Raum Landwirtschaft möglich bleibt. Selbst die Flutmulde wäre als Weideland geeignet.
Galster denkt an Verpachtung durch die Stadt oder an eine Gutschrift auf dem Öko-Ausgleichskonto. Eine Photovoltaik-Anlage im Retensionsraum schließt er aus, da die staatliche Förderung nur in einem Abstand von 110 Metern zu Verkehrsachsen greift, dort aber die tiefste Stelle des Rückhalteraumes liegt und deshalb die Module drei Meter über dem Boden stehen müssten.