Es liest sich zunächst wie ein echt gutes Geschäft: Fahrzeuge für soziale Einrichtungen, Vereine und Kommunen werden von regionalen Firmen via Werbung finanziert und fahren dann für eine gute Sache durch unsere Region. Kostenfrei in der Anschaffung und stets präsent, weil die bunt plakatierten Autos oder Transporter ein Hingucker sind.

Dabei ahnen die wenigsten, dass hinter so viel guter Absicht ein knallhartes Geschäft steckt, bei dem professionelle Agenturen enorme Gewinne einstecken.

Es gibt in Deutschland einige Werbefirmen, die sich in diesem Bereich tummeln. Nicht selten lassen sich die Unternehmen sogar für ihr sogenanntes Sozialsponsoring feiern. Nicht nur Fahrzeuge bieten sie an, sondern auch Schautafeln und Defibrillatoren. Leidtragende sind aber oft regionale Firmen, die mit der Aussicht, etwas Gutes zu tun und dank unlauterer Behauptungen als Sponsoren angelockt werden. Ein Gesundheitszentrum in Franken etwa bekam einen Ford Transit überlassen - der samt Großabnehmerrabatt nur etwa 20 000 Euro kostet. Problem: 54 regionale Geschäftsleute und Unternehmen buchten auf dem Wagen eine Werbung. So kam eine Summe von 80 000 Euro zusammen.

Dass die Firmen daran verdienen, ist den meisten klar. "Wer arbeitet schon umsonst?", fragt Norbert Stoll, Geschäftsstellenleiter der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Höchstadt, und Manfred Hofmann, der Stadtkämmerer von Herzogenaurach, vergleicht es mit einer Vermittlerprovision. "Wer seine Arbeit erledigt, soll auch verdienen", findet er. Der Markt würde sich auch hier selbst regulieren. Firmen, die übergebührend Geld einstreichen, würden sich nicht lange halten. Und schließlich hätten die werbenden Firmen auch Ahnung davon, was Werbefläche kostet.


Fahrende Werbeflächen

Für das Bauamt hat sich die VG Höchstadt 2007 ein Auto "schenken" lassen. Eine Firma aus Deggendorf kam auf die Verwaltung zu, bot mehrere Fahrzeugtypen wie beispielsweise einen Fünfsitzer, einen Siebensitzer oder einen Kleinbus und mehrere Hersteller an. Auch um die Werbeaufdrucke kümmerte sich die Firma, akquirierte die Kunden.

Es sind fahrende Werbeflächen der Firmen, findet auch Wolfgang Mößlein vom Adelsdorfer Rathaus. Er stellt aber klar, dass die Unternehmen für Werbezwecke nur ein bestimmtes Budget zur Verfügung haben. Adelsdorf habe die örtlichen Firmen als Partner für die Finanzierung des Ortsplans, der Bürgerbroschüre oder um die Verbräuche der regenerativen Energien abzulesen. Das Werbebudget der Firmen möchte die Gemeinde lieber für solche Projekte verwenden, für deren Finanzierung die Gemeinde sonst Probleme bestünden. Der Steuerzahler müsse deshalb dafür nichts leisten.

Mößlein gibt zu, dass sich das Angebot eines kostenlosen Autos verlockend anhört, aber nach Abwägung des Für und Wider sei man in der Gemeinde zur Ansicht gekommen, dass die negativen Aspekte überwiegen. "Es ist aus unserer Sicht kein fairer Deal", nennt Mößlein das Ergebnis der Besprechungen.
Nur als mit einem Elektrofahrzeug geliebäugelt wurde, kamen Gedanken an die Angebote der Marketingfirmen auf, die in kurzen Abständen immer wieder im Rathaus eingehen. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir irgendwann zu einem anderen Entschluss kommen. Das müsste man am Unternehmerstammtisch diskutieren", sagt Mößlein.

Kein Auto, aber einen Anhänger mit Werbeaufdruck hat der Regionalverband Höchstadt des ASB vor fünf Jahren gekauft. Ein Auto mit Werbeaufdrucken hat Ursula Wölfel für ihre Abteilung Erste-Hilfe-Ausbildung nicht. Vor Jahren, als man ein Auto wollte, sei nichts zustande gekommen, denn der ASB hätte sich um die Werbeaufdrucke selbst kümmern sollen.

Weil für die Stadt keine Investitionskosten anfallen, hat sich Herzogenaurach ein Auto schenken lassen. Den vermittelnden Firmen ist es wichtig, dass das Auto ständig unterwegs ist. Aber es kann auch sein, dass ein Vertrag nicht zustande kommt, wenn nicht genügend Firmen mitmachen. Bei dem ersten Auto, das sich die Stadt hat schenken lassen, blieb noch Fläche frei. Diese hat Herzogenaurach dann gekauft und Werbung für die Städtepartnerschaften anbringen lassen. Bei dem jetzigen Auto, einem Renault Kangoo, sind alle Flächen mit Werbung der örtlichen Firmen vergeben. Für die meisten Kommunen ist es ein gutes Angebot. "Es ist gängige Praxis", sagt Kämmerer Hofmann.